Wohnmobileliegen im Trend: Das Angebot der rollenden Unterkünfte lockt viele Besucher auf der CMT an. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Caravaning-Branche boomt. Doch mit der steigenden Zahl der Reisemobile steigt auch die Nachfrage nach Stellplätzen. Für Kommunen und Privatanbieter ist dies eine Chance, den Tourismus in der Region zu fördern.

Stuttgart - Mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen zu verreisen liegt im Trend. Das vergangene Jahr war das erfolgreichste in der Geschichte der deutschen Caravaning-Industrie – 2017 wurde ein Rekordumsatz von 10,3 Milliarden Euro erzielt, und allein in Deutschland wurden 63 264 neue Fahrzeuge zugelassen. Damit steigt auch der Bedarf an Stellplätzen. Bei einer Umfrage unter 2000 Teilnehmern der Zeitschrift „Promobil“ sind 92 Prozent der Caravaner der Meinung, dass es bislang zu wenige Stellplätze in Deutschlands Städten und Gemeinden gibt. Engpässe gibt es vor allem in den Hauptreisezeiten und in den begehrten Destinationen. Und nach vergeblicher Suche bleibt den Fahrern oft nur die Übernachtung auf einem Supermarktparkplatz als unattraktive Alternative. 52 Prozent gaben an, den Stellplatz am häufigsten zum Übernachten zu nutzen. Kleine und mittlere Stellplätze sind dabei besonders beliebt.

Zahlen beim dritten Stellplatz-Gipfel vorgestellt

Diese Zahlen stellte Dominic Vierneisel, „Promobil“-Chefredakteur, beim dritten Stellplatzgipfel „Wie geht Stellplatz?“ auf der CMT in Stuttgart vor. Der Caravaning-Experte hat auch untersucht, weshalb sich die Kommunen teilweise noch gegen Stellplätze sperren. Zum einen müsse man den Platz erst einmal finanzieren, zum anderen hätten Anwohner Vorbehalte. Als größtes Hindernis sehen die befragten Caravaner jedoch, dass sie selbst als Zielgruppe noch gar nicht richtig wahrgenommen würden und der zunehmende Bedarf noch nicht erkannt worden sei.

Angesichts der sehr guten aktuellen Wirtschaftslage und des anhaltendenden Booms der Branche motivierte Messe-Geschäftsführer Roland Bleinroth die Anwesenden dazu, „jetzt die Weichen für die Zukunft zu stellen“ und die entsprechende Infrastruktur für Reisemobilisten aufzubauen oder zu verbessern. Diverse Gastronomen haben bereits reagiert und gestatten das Parken auf ihren Flächen – im Gegenzug gewinnt das Restaurant dafür neue Gäste. „Die Gastronomie ist da schon länger sehr aufgeschlossen – von einem Trend kann man aber noch nicht sprechen“, sagt Vierneisel.

Kommunen können von mobilen Tourismusformen profitieren

Ein Ansatz könnte sein, den Bedarf an Stellplätzen für Reisemobilisten zu decken und gleichzeitig von den mobilen Tourismusformen zu profitieren. Wohnmobil-Stellplätze können für Privatanbieter und Kommunen durchaus eine attraktive Chance sein, den Tourismus in der Region zu fördern. Diese Möglichkeit hat Allmersbach im Rems-Murr-Kreis für sich entdeckt. Bürgermeister Ralf Wörner stellte das Modell der 4700 Einwohner kleinen Gemeinde beim Gipfel vor. Die zehn Stellflächen sind eingebettet in den Sport-Erlebnis-Park der Gemeinde. Die Stromversorgung sowie die Wasser- und Abwasserversorgung sind durch entsprechende Säulen gesichert. Der Reisende findet aber nicht nur entsprechende Ver- und Entsorgungseinrichtungen und mit Holz verkleidete Sanitärcontainer vor, sondern kann auch auf einen Fußballplatz, ein Basketballfeld, eine Boulderanlage, zwei Bouleplätze und eine Trampolinanlage zurückgreifen. Und wer nicht im Wohnmobil schlafen will, kann auch in einem der Campinghäuschen übernachten. Diese muss man anders als die Stellplätze allerdings im Vorfeld ­reservieren. Wörner erhofft sich durch die Stellplätze, dass der ortsansässigen Bäcker, die Metzgerei und der restliche Einzelhandel vom Konsum der Tagesgäste profitieren werden. „Ich bin davon überzeugt, dass Stellplätze als Geschäftsmodell sehr profitabel sein können“, sagt Vierneisel. In Frankreich sei es üblich, dass es vor den Campingplätzen weitere Stellplätze gebe.

Auf der Messe gibt es 39 Stellplätze für Wohnmobile

In der Region Stuttgart gibt es auf der Messe einen Bereich mit Stellplätzen für 39 Fahrzeuge, in Fellbach für sieben und auf dem Ziegelwasen in Kirchheim/Teck für acht Mobile. Mit dem Stellplatz-Radar von „Promobil“ kann man europaweit den Wunschstellplatz finden. Die App sagt den Fahrern, welche Wohnmobilstellplätze in der Nähe sind, was sie kosten und bieten. Derzeit sind in der App 7600 Stellplätze zu finden.

Bei einer Begleitausstellung präsentierten die Hersteller und Planungsbüros auch über das gesamte Produkt- und Dienstleistungsangebot für die Einrichtung von Wohnmobilstellplätzen. Eine aktualisierte Planungshilfe für die Einrichtung und den Betrieb solcher Stellplätze soll im Frühjahr vom Deutschen Tourismusverband veröffentlicht werden.

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