Vulkane am Meer im Naturpark Cabo de Gata Foto: Bettina Bernhard

Almeria – da denkt man an das 36 000 Hektar große Plastikmeer, unter dem Europas Gemüse reift, und an Hotelburgen vor vollen Stränden. Dabei glänzt die andalusische Provinz mit spektakulären Bergwelten und einem Küstenpark mit Vulkanen und einsamen Buchten.

Was für ein Kontrast. Eben noch dominierten weiße Planen das Landschaftsbild, nun, wenige Kilometer nördlich der Hafenstadt Almeria, betritt man eine andere Welt: Im Naturpark Cabo de Gata wachsen Agaven, die aussehen wie Riesenspargel in einem grünen Nest, und es tummeln sich bunte Vögel in weitläufigen Salzseen. „Etwa 400 Flamingos, die früher nach Afrika flogen, bleiben jetzt da zum Überwintern – die Klimaerwärmung schlägt auch hier zu“, erzählt Fremdenführer Emilio Robles Guitian.

 

Vulkane wachen über winzige Buchten

Seit 1987 steht der 38 000 Hektar große Naturpark Cabo de Gata unter Schutz. Sanfte Mittelmeerwellen laufen aus auf üppigen Sandstränden und in winzige Buchten, die man nur zu Fuß oder per Boot erreicht. So munter das Leben im Meer, so leblos wirkt auf den ersten Blick das Gebirge aus erloschenen Vulkanen.

Vorbei an verwitterter Lava geht es bergauf Foto: Bettina /Bernhard

Steil und steinig zieht sich der Pfad hinauf, Wanderführer Carlos Quiles ist der Einzige, der noch Puste hat zum Reden. „Hier gibt es seit rund sechs Millionen Jahren keine vulkanische Aktivität mehr“, sagt er. „Nur kleinere Erdbeben manchmal, weil die Erdplatten immer noch schieben.“ Die Plattentektonik formte das Küstengebirge, als die afrikanische Platte auf die europäische traf und dabei vorgelagerte Inseln aufs Festland schob.

Vorbei an alten Lavazungen und verwittertem Gestein geht es höher und höher hinauf. Die beiden höchsten Vulkane bringen es immerhin auf 500 Meter und tragen den zu ihrer Kutten-Form passenden Spitznamen „zwei Mönche“. Auch der Loma Pelada, zu Deutsch: Kahlkopf, trägt seinen Namen aus gutem Grund. „Weil sich hier am Kap Ost- und Westwind abwechseln, ist es so windig, dass obendrauf nichts wächst – der Hügel hat also keine Haare“, sagt Carlos Quiles.

Stelldichein der Segler

Endlich oben, belohnt eine traumhafte Aussicht die Wanderer. Tief unten schmiegen sich kleine weiße Dörfer in windgeschützte Buchten, vor San José geben sich die Segler ein Stelldichein und draußen auf dem Meer sieht man mit etwas Glück Delfine springen. Carlos weist auf eine kleine Einbuchtung in den Felsen hin, „die Tabakhöhle, einst von Schmugglern genutzt“.

Ein alter Steinturm erinnert an unruhige Zeiten. Erbaut während der Herrschaft der Araber nutzten ihn später auch die Christen, um die Küste zu bewachen. Noch bis vor wenigen Hundert Jahren entzündeten die Wachleute hier Strohfeuer, wenn vom Meer Piraten nahten. Auch unten am Strand ist die kriegerische Vergangenheit präsent. Die Playa de los Genoveses hat ihren Namen von den heldenhaften Genuesen, die 1147 den spanischen König Alfonso VII. bei der Verteidigung gegen die Muslime unterstützten.

Total friedlich heute: Die Playa de los Genoveses Foto: Bettina Bernhard

Heute findet man hier selten gewordene fossile Dünen – der Schutzstatus bewahrte den Küstenabschnitt vor naturzerstörerischen Bauplänen – gesäumt von Neptungras. Die Seegrasreste aus dem Meer knäueln sich zu mineralreichen Bällen zusammen und versorgen so den Strandbewuchs – Lavendel, Binsen, Strandflieder und die Fächerpalmen, aus denen man hier Besen macht.

Vom Meer aus ahnt man die schneebedeckten Berge

Dreht man sich weg vom herrlich klaren Wasser, schaut man auf die Berge, die aussehen wie ein braun-beiger Scherenschnitt vor hellblauem Himmel. Und wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man in der hintersten Reihe sogar die schneebedeckte Sierra Nevada.

Deren Ausläufer sind ebenfalls nur einige Dutzend Kilometer von der Großstadt Almeria entfernt. In Bayárcal, einem postkarten-schönen Bergdorf im Natur- und Nationalpark Sierra Nevada, wartet schon Wanderführer Ruben Navarro. Auch hier geht es erst einmal bergauf, bergauf, bergauf. Diesmal aber nicht über Lavageröll, sondern durch einen Wunderwald.

Herrliche Aussichten im Naturpark Sierra Nevada Foto: Bettina Bernhard

Pinien, Steineichen und Kastanien dürfen hier wachsen, wie sie wollen und so lange sie können. Den Boden bedeckt eine angenehm federnde Schicht aus Piniennadeln und kleinen, stacheligen Steineichenblättern. An der Abbruchkante des Berges eröffnet sich ein Ausblick auf die Großen, die im Frühjahr und Herbst schon auch mal Schnee tragen – so wie der Mulhacén, mit 3478 Metern der höchste Berg in Festlandspanien.

Den dichten grünen Bergdschungel schmücken weiße Zistrosen und lila Schopflavendel, auf dem nun steileren und steinigeren Pfad glänzt und funkelt es. „Schiefer mit Eisenerzeinschluss“, erklärt Ruben Navarro. Bleiche Astskelette liegen dekorativ am Wegesrand, aus dem Mikado gefallener Baumstämme leuchtet gelber Ginster.

Mit Schwung über die Schlucht

Der Rückweg führt in großem Bogen hinab, bis der Wald endet und Platz macht für unzählige Mandel- und Kirschbäume, die das Dorf ernähren. Zuletzt bringt eine Zipline alle Wagemutigen schwungvoll über eine Schlucht, die nicht ohne Grund „Amazonas von Almeria“ genannt wird: eine grüne Wildnis mit Bachlauf und Wasserbecken, perfekt zum Meditieren und Waldbaden – bevor es ein letztes Mal steil bergauf geht, zurück nach Bayárcal.

Provinz Almeria Foto: Elisa Dettmann

Info

Anreise

Iberia/Vueling fliegen über Barcelona nach Almeria, www.iberia.com Eurowings fliegt direkt nach Malaga, weiter mit dem Zug nach Almeria, https://venta.renfe.com

Unterkunft

Mitten in der Altstadt von Almeria in einem Herrenhaus von 1850: Das Hotel Catedral, DZ/F ab 128 Euro, www.hotelcatedral.net Ruhig, großzügig und mit Panoramablick auf die Sierra Nevada: Die Villa Turistica in Laujar de Andarax, DZ/F ab 73 Euro, www.villasdeandalucia.com

Essen und Trinken

In Almeria: Restaurant Tony Garcia Espacio Gastronómico, www.tonygarciaespaciogastronomico.com In San José: Restaurant 4 Nudos, https://4nudosrestaurante.com

Aktivitäten

Wandern im Naturpark Cabo de Gata bietet Rolling Almeria, https://rollingalmeria.com Aktiv im Nationalpark Sierra Nevada mit Be Natural, https://bnaturalsport.com