Mehr als 1100 geflüchtete Menschen leben mittlerweile in Korntal-Münchingen. Warum sie das tun und wie, darauf wirft die Volkshochschule ein Schlaglicht.
Das Thema Flüchtlinge beschäftigt viele Menschen in Korntal-Münchingen. Das stellt die Leiterin der Volkshochschule, Cornelie Class-Hähnel, fest. Sie lädt daher zu einer Veranstaltungsreihe ein, die Zahlen, Daten und Fakten liefert, aber auch Sicherheit und Integration beleuchten soll.
Frau Class-Hähnel, die Volkshochschule nimmt Flucht und Integration – auch die Situation in Korntal-Münchingen – ausführlich in den Fokus. Warum?
Es ist die polarisierende Stimmung, die in Deutschland so verbreitet ist. Das Thema bewegt auch viele Menschen in Korntal-Münchingen. Zum Beispiel gab es bei der Einwohnerversammlung im November viele Rückfragen an die Stadt, als es um die Unterbringung und Integration von Geflüchteten ging – darunter auch besorgte. Dass das eigene Integrationsmanagement der Kommune die Situation erleichtert, war eine wichtige Information an dem Abend. Man muss einfach drüber reden: Mit der Reihe, die im April startet, bietet die VHS ein Gesprächsforum. Mitreingespielt in die Entscheidung, die Reihe zu machen, haben VHS-Veranstaltungen, die wir schon gemacht haben: Zum Beispiel der Abend, an dem ukrainische Geflüchtete ihre Geschichte erzählt haben – ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn. Oder die Kochabende, bei denen jeweils eine Gruppe von Geflüchteten Rezepte zeigt, die in ihrem Land zur Alltagsküche gehören. Das sind ganz andere Formate als die Gesprächsreihe, aber sehr eindrückliche, wichtige. Man bekommt etwas mit vom Leben der oder des anderen.
Wie erklären Sie sich den großen Bedarf der Menschen an Informationen rund um das Thema Flüchtlinge?
Über ein Thema, das viele Menschen auch in Korntal-Münchingen sehr beschäftigt, muss man immer wieder und auch ausführlich reden. Es ist in so vielen Lebensbereichen virulent, je mehr Institutionen zu einem Gespräch beitragen, desto besser. Ich bin davon überzeugt, dass gerade die VHS ein sehr wichtiger Player ist. Damit an den Abenden viel Raum für Gespräch ist, haben wir ein geeignetes Format entwickelt: pro Abend drei Impulse und anschließend genauso viel Zeit für den Austausch. Die Referenten und Referentinnen sind übrigens alle Personen, die aufgrund ihrer Tätigkeit eine besondere Expertise haben.
Welche Aufgabe hat Ihre Volkshochschule in Korntal-Münchingen?
Die VHS greift Themen auf, die grad dran sind. Das ist dieser vorpolitische Raum, der so vielfältig ist wie die Menschen, die hier leben. Das ist das Schöne und Spannende an der Arbeit. Die VHS kann zu diesen Themen breit und seriös informieren, damit sich jeder und jede eine eigene Meinung bilden kann. In einer Zeit, in der so viele Fake News verbreitet werden, ist das wichtig. Außerdem lebt die VHS vom Austausch. Gezielt wie in dieser Reihe und auch informell. Denn natürlich ist es so, dass alle VHS-Kurse Räume sind, in denen Austausch stattfindet. Man muss ja sehen: Unsere Kursleitenden und Teilnehmenden kommen aus vielen verschiedenen Ländern. Hier spiegelt sich praktisch die ganze Vielfalt der Stadt wider, und es ergibt sich ganz natürlich, dass man sich annähert und zusammenfindet.
Und welche Rolle spielt eine VHS grundsätzlich in der Gesellschaft?
Volkshochschulen sind parteipolitisch und weltanschaulich neutral. Das ist ihre Stärke: Sie bringen Menschen mit verschiedenen Meinungen an einen Tisch, positionieren sich selbst aber nicht. Der Austausch kann und soll auch gern kontrovers sein. Ich denke, diese Offenheit im geschützten Raum macht es aus, dass Volkshochschulen als große zivilgesellschaftliche Institution geschätzt werden. Mit „geschützt“ meine ich, dass Meinungsfreiheit auch ihre Grenze hat: Extremistische Positionen bekommen in den Veranstaltungen kein Forum.
Welche Erwartungen oder Hoffnungen haben Sie an die Veranstaltungen?
Wenn es gelingt, dass alle, die da sind, mit neuen Perspektiven aus den Abenden herausgehen, dann wäre unser Ziel erreicht. Deshalb hoffen wir, dass möglichst viele kommen, auch mit unterschiedlichen Auffassungen, und die Gelegenheit nutzen, ihre Fragen zum Ausdruck zu bringen. Und natürlich setze ich bei aller Offenheit auf eine wertschätzende respektvolle Atmosphäre.
Im Herbst geht die Reihe weiter. Mit welchem Schwerpunkt?
Dann wird es um das Thema „Integration und Arbeitsmarkt“ gehen. Ein Vertreter der Agentur für Arbeit ist dabei; außerdem geht es um die Praxis in Korntal-Münchinger Unternehmen und in der Diakonie.
Die VHS hat in diesem Semester 330 Angebote. Nennen Sie Ihre persönlichen Highlights.
„Politik & Pizza“ am 14. Mai: Das ist eine Art Speeddating zur Kommunalwahl. Meine erste Erfahrung mit diesem Format hatte ich im Jahr 2019. Ich fand die Methode, in kurzer Zeit einen Strauß von Antworten zu bekommen, sehr effizient. Dann die Exkursion zur Europäischen Zentralbank in Frankfurt am 3. Mai: Ich freue mich auf die Kooperation mit dem Europa-Büro in Stuttgart, denn die Fahrt wird sehr von deren Fachkompetenz zur aktuellen Finanzpolitik der EU profitieren. Das dritte Highlight gehört in die kulturelle Bildung, die einen wichtigen Teil unseres Programmangebots ausmacht: die schon lange ausgebuchte Studienreise zu den Bregenzer Festspielen im August mit dem „Freischütz“.
Die Reihe „Aus der Heimat geflüchtet – Was Geflüchtete erlebt haben und wie sie in Korntal-Münchingen integriert werden“ startet am Mittwoch, 10. April, mit „ Zahlen, Daten, Fakten, Fluchtursachen“. Am 30. April geht es um „Sicherheit, Schule, Integrationsmanagement“. Beginn in der Stadthalle Korntal ist 18 Uhr. Infos auf: www.vhs-korntal-muenchingen.de oder per E-Mail: info@vhs-korntal-muenchingen.de.