Geschichten vom Daimler Foto: AP

Leserin Marlene Fehrmann aus Sindelfingen schickt uns "einen Beitrag vom Daimler"

Leserin Marlene Fehrmann aus Sindelfingen schickt uns "einen Beitrag vom Daimler": "In der Wirtschaftswunderzeit wurden auch beim Daimler eine Menge Reigschmeckte eingestellt, was für die alteingesessenen Schwaben auch nicht immer einfach war. Da war zum Beispiel der Willi, ein Urschwabe, der seine Kollegen oft verblüffte. Einmal schimpfte er eine Kollegin: ,Du Zibeb, was hosch denn do wieder fir en Scheiß gmacht?'

Sein Kollege, der ihm zeigen wollte, dass er des Schwäbischen mächtig ist, fragte ihn: ,Warum nennst du das Fräulein Meier eine Rosine?' Worauf ihn der Willi korrigierte: ,I han Zibeb gsait, net Rosine. Des isch en Onderschied.' Selbiger Willi bat einen Kollegen, einen Gegenstand fest zu halten: ,Heb amol.' Worauf der Kollege den Gegenstand anhob. Da schrie ihn der Willi an: ,Heba solsch, net lupfa!'

Es wurden in der ,guten alten Zeit' übrigens auch oft private Gegenstände beim Daimler angefertigt. Das Problem war nur, wie man sie aus dem Werk schaffte. Einmal fertigte ein Arbeiter eine schöne Hasentransportkiste an. Um sie aus dem Betrieb zu bringen, wandte er einen Trick an. Er brachte am Morgen einen Hasen in einem Sack mit und zeigte ihn am Tor 1 dem Pförtner mit den Worten: ,Do hane en Has fir en Kumpel.' Er durfte ihn mitnehmen, weil Hasen nicht weiter gefährlich sind.

In der Abteilung angekommen, wurde er in die schöne neue Kiste gepackt und vom Kollegen am Feierabend zum Tor 3 rausgeschafft. Natürlich wurde er gefragt, was in der Kiste ist, worauf der Kollege den Hasen zeigte und sagte: ,Den hot mir en Kolleg aus Maichenga mitbrocht.' Ein Anruf beim Tor 1 bestätigte dies, und die Kiste war draußen.

Mit einem Leiterwagen war das schon schwieriger. Einmal wurde ein Mostfässle auf einem alten kaputten Karren zum Tor 2 gefahren. Dort bat man um einen Passierschein für das Fässle, da es einem Kollegen versprochen war. Am Abend wurde es zum anderen Tor mit dem Passierschein auf dem neuen Wägele rausgefahren. So einfach war das.

Es wurde auch geklaut. Ein Kollege hat es übertrieben. In seinem Rucksack beförderte er einen sichtlich schweren Gegenstand, mit dem er keuchend zum Tor hinauswollte, was dem Pförtner nicht entging. Er winkte den Mann zu sich und bat ihn, den Rucksack zu öffnen. Als ein Schraubstock zum Vorschein kam, sagte der Arbeiter ganz empört: ,Wenn I den vorwisch, der mir den Schraubstock in mein Rucksack do hot, den schlag I ogschpitzt en Boda nei!' Was soll man bei so viel Ehrlichkeit noch sagen?"

Unser schwäbischer Spruch des Tages kommt von Leser Winfried Deeg aus Weinstadt. Er zitiert seine verstorbene Mutter Maria: "Wenn d' Maus voll isch, isch's Mehl bitter."

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