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Georg Friedrich Prinz von Preußen, Oberhaupt des Hauses Hohenzollern, ist am Donnerstag 45  Jahre alt geworden. Gefeiert hat er das wohl im Kreise seiner Familie. Einige andere wären aber auch gerne dabei gewesen. So kam es zu einer bizarren Ansammlung am Fuß der Burg Hohenzollern im Zollernalbkreis.

Bisingen - Der Preußen-Prinz ist der Ururenkel Wilhelms II., des letzten deutschen Kaisers und Königs von Preußen. Einige "Reichsbürger" und auch Monarchisten sehen in ihm den legitimen Erben der preußischen und der Kaiserkrone – und damit den wahren Herrscher Deutschlands. Sogenannte Reichsbürger bestreiten die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und glauben stattdessen, dass das Deutsche Reich bis heute rechtsgültig fortbesteht. Der Prinz hat derweil schon mehrfach erklärt, keine politische Rolle spielen zu wollen.

 

Berlin, Leipzig: "Kaisertreue" reisen von weither an

Bereits am Mittwochabend waren die ersten "Gratulanten" an der Burg aufgetaucht. Mit Autos und Campingwagen waren sie angereist, teils von weit her. Die Polizisten erteilten Platzverweise – weil sie ihre Fahrzeuge auf dem Burg-Parkplatz abgestellt hatten. Der ist Privatgelände.

Am Donnerstag, dem Geburtstag des Prinzen, kamen dann im Lauf des Vormittags immer mehr Personen zur Burg Hohenzollern, Wahrzeichen der Zollernalb und Stammburg des Fürstengeschlechts und ehemals regierenden preußischen Königs- und deutschen Kaiserhauses der Hohenzollern. In Online-Diensten wie Telegram war seit mehreren Wochen dafür geworben worden, sich zur Burg zu begeben.

Einige der Teilnehmer haben einen weiten Weg für die "Geburtstagsfeier" auf sich genommen. Ein Teilnehmer berichtet, dass er extra aus Berlin angereist sei. Ein anderer machte sich früh am Morgen aus Leipzig auf den Weg in den Zollernalbkreis.

Reichsbürger nennen Deutschland eine GmbH

Viele der Anwesenden weigerten sich, mit den Medien zu sprechen. Es kam zu Anfeindungen wie "Lügenpresse" und "Verbrecher". Einer der Teilnehmer warnte, man werde "bald zur Rechenschaft gezogen, wenn sich die Verhältnisse ändern". Andere wiederum erklärten ruhig und sachlich ihre Weltsicht: Deutschland sei eine GmbH, und es gelte weiterhin die Verfassung des Deutschen Kaiserreichs aus dem Jahr 1871, sagte ein Mann.

Die Polizei war zunächst nur mit einzelnen Streifen, später mit einem Großaufgebot vor Ort. Beamte sowie Security-Männer im Auftrag der Hohenzollern stellten sich vor das Burgtor und riegelten Wege ab, die übern Burgberg hinauf führen. Die "Reichsbürger" mussten allesamt brav die Straße hinauflaufen.

Die Polizei sprach im Anschluss von einem insgesamt friedlichen Verlauf, Zusammenstöße oder gar Ausschreitungen habe es keine gegeben. Wäre für eine Geburtstagparty ja auch unangemessen. Parolen wurden keine skandiert, dafür viele verschiedene Flaggen geschwungen. Teilweise lief zeitgenössische Musik aus dem Kaiserreich. Gegen 14 Uhr war der Aufmarsch vorbei.

"Meine Flagge habe ich extra noch vergoldet"

Davor hatten einige der Kaiser- und Reichsfans landmannschaftliche Fahnen sowie jene des Reichs geschwenkt, vereinzelt hatten sie auch Schilder dabei ("1. Gebirgsdivision, PzGrenBtl 526 – Steht treu zum Volk!"). Außerdem gab es einige Variationen der preußischen Flagge. "Meine Flagge habe ich extra noch vergoldet", berichtete ein Teilnehmer stolz.

Burgverwalterin Anja Hoppe nahm den Aufmarsch am Donnerstag recht entspannt. Sogenannte Reichsbürger und "Kaisertreue" suchten immer wieder den Kontakt zur Burg und zu den Hohenzollern, sagte Hoppe im Gespräch mit unserer Zeitung. Regelmäßig erhalte sie Anrufe, Briefe, E-Mails mit der Bitte um Kontakt zum "amtierenden Kaiser", als den einige der "Reichsbürger" den Burg-Hausherrn Georg Friedrich Prinz von Preußen sehen. Sie selbst und auch ihr Chef nähmen diese Annäherungsversuche von Reichsbürgern nicht ernst, beteuert Hoppe: "Das sind Ewiggestrige."

Preußen-Prinz nicht da? "Er wird es erfahren – und sich sicher freuen"

Am Donnerstag hätten einige der Angereisten ausdrücklich gesagt, sie wollten mit "ihrem Kaiser" Geburtstag feiern. Einige seien völlig enttäuscht gewesen, dass der Prinz an seinem Jubeltag nicht auf der Burg gewesen sei, berichtete Hoppe. Dort ist er nur sporadisch; mit seiner Familie lebt er in Potsdam. Andere wiederum nahmen es gelassen hin: "Er wird erfahren, dass wir hier waren und sich sicherlich freuen", meinte ein "Kaisertreuer" – wie sich einige der Teilnehmer selbst bezeichneten.

Hoppe will derweil nicht ausschließen, dass sich in der Ansammlung auch "ganz normale" Leute befunden haben – die einfach einen Blick auf die Burg werfen wollten. Dort hinein geht’s ohnehin erst an diesem Freitag: Nach langer Corona-Pause öffnet sich das Adlertor des Wahrzeichens wieder für Besucher.