Kein Betrieb ist so sehr mit Aichwald verknüpft wie Rehm-Fleischwaren. Foto:  

Die Fleischwarenfabrik vom Schurwald hat Insolvenz angemeldet. Betroffen sind rund 95 Mitarbeiter.

Esslingen - Ein schwerer Schlag für die Gemeinde Aichwald: Ihr Vorzeige-Betrieb, die Firma Rehm-Fleischwaren, hat Insolvenz angemeldet. Kündigungen gibt es jedoch keine. Noch nicht. Die Produktion ist bis zum Jahresende gesichert.

Generationen von Menschen kennen „Die gute Rehm-Wurst vom Schurwald“, wie sie früher zunächst in lokalen Einkaufsmärkten angeboten wurde und später in ganz Süddeutschland. Gerade aber dieses weite Vertriebssystem mit nur wenigen Großkunden und Großlieferanten habe den Betrieb jetzt in Schwierigkeiten gebracht. Das berichtet der Stuttgarter Rechtsanwalt Tibor Braun, der zum Insolvenzverwalter bestellt worden ist. „Bei den Großdiscountern Aldi und Lidl sind die Umsätze weggebrochen“, stellt er fest.

Zudem habe sich der Einkaufspreis von Schweinefleisch um rund 30 Prozent erhöht. Der Grund dafür sei die in China grassierende Schweinepest, die dazu geführt habe, dass die chinesische Unternehmen den europäischen Markt leer kauften, und das habe die Preise hochgetrieben. „Eine Preissteigerung von 30 Prozent können Sie nicht gleich an die Kunden weitergeben“, sagt Braun.

Gleichwohl schätzt der Insolvenzverwalter die Zukunft des Aichwalder Betriebes als gut ein. Der Insolvenzantrag sei rechtzeitig gestellt worden, weswegen das Unternehmen nicht in Lohnrückstand gekommen sei. Weil das Verfahren geordnet laufe, seien die Löhne bis zum Ende des Jahres gesichert, und auch die Produktion werde mindestens bis zu diesem Zeitpunkt weitergehen.

Für Tibor Braun, der auch die Insolvenzen von Dietz-Wurst in Schopfloch und der Metzgereikette Dietz in Bietigheim-Bissingen gemeistert hat, verfügt Rehm-Wurst über einige interessante Nischenprodukte, die andere Mitbewerber nicht hätten, etwa die Maultaschen und Ofen-Fleischkäse.

Nachdem der Antrag gestellt ist, muss das zuständige Amtsgericht jetzt darüber entscheiden, ob die Insolvenz eröffnet werden kann. Wenn das geschafft ist, dann wird Tibor Braun darüber nachdenken, wie er das Unternehmen neu aufstellt. Denkbar ist, dass er sich an die Gesellschafter des Unternehmens wendet, vorstellbar ist auch, dass er einen guten Investor sucht, dem die Aichwalder Produktion ins Portfolio passen.

Der neue Aichwalder Bürgermeister Andreas Jarolim ist seit zwei Wochen im Amt. Er sagt dem Betrieb und seinen Mitarbeitern die Unterstützung der Gemeinde zu. „Wir hoffen aber, dass die Geschäfte dort weitergehen.“ Der SPD-Landtagsabgeordnete Nicolas Fink war bis zum März Bürgermeister in der rund 7500 Einwohner zählenden Gemeinde und kennt die hohe Bindung der Aichwalder an den Betrieb. Für ihn hat die Insolvenz zwei Ebenen: Zum einen geht es um die 95 Mitarbeiter, denen er die Daumen drückt. Zum anderen: Rehm sei sicher nicht die größte und vom Umsatz her die wichtigste Firma der Gemeinde, aber die emotionale Bindung an das Unternehmen sei groß.

Und nicht nur in Aichwald. „Jeder rechte Schwabe hat garantiert schon mal Rehm-Wurst auf dem Teller gehabt“, sagt Fink. In der Gemeinde bekamen die Jubilare und Ehrengäste niemals Wein oder Sekt, sondern stets ein Vesperpaket mit Rehm-Wurst – und dem Aichwald-Logo.

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