Die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Simone Fischer steht in der Kritik. Foto: S. Kaminski

Die Grünen-Abgeordnete Simone Fischer hat eine Fotomontage mit Manuel Hagel als Kinderschänder weiterverbreitet. Die Stuttgarter CDU fordert eine Entschuldigung.

Die Aufregung über den Shitstorm, den das von der grünen Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer gepostete Rehaugen-Video mit unangemessenen Anmerkungen des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel über eine Schülerin mit braunen Haaren und rehbraunen Augen verursacht hat, nimmt immer größere Dimensionen an.

 

Hagel hat inzwischen öffentlich gemacht, dass er Morddrohungen erhalten hat. „Leider ja. Das ist für uns auch neu, auch als Familie“, sagte er zuerst in einem Berliner Podcast-Format. Inzwischen hat Hagel die Parteigremien ebenfalls darüber informiert.

„Amtliche Warnung: Hide your Kids“

Die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Simone Fischer (Grüne), die von 2021 bis 2025 Behindertenbeauftragte der Landesregierung war, hat einen Post auf ihrem Instagram-Kanal weiterverbreitet, der Hagel in die Nähe von Pädophilen rückt. Unter der Überschrift „Amtliche Warnung“ war ein Foto Hagels mit dem Text „Hide your Kids“ (Verstecke Deine Kinder) zu sehen.

Auf Anfrage erklärte Fischers Bundestagsbüro, dies sei kein eigener Post der Abgeordneten gewesen. Sie habe ihn lediglich weiter verbreitet. „In diesem Beitrag war ein Vorschaubild enthalten, das beim Abspielen nicht zu sehen ist“, so das Büro. Fischer habe so den Post ohne Kenntnis der Fotomontage verbreitet. „Nachdem Frau Fischer darauf aufmerksam wurde, wurde der Repost umgehend entfernt“, so ihr Bundestagsbüro. Eine aktuelle Bewertung dieses Vorgang aus heutiger Sicht wollte Fischer nicht abgeben.

„Bitte um Entschuldigung wäre das Mindeste gewesen“

Vertreter der Südwest-CDU haben seit Wochen den Vorwurf erhoben, dass die Pädophilie-Vorwürfe an Hagels Adresse auch unter Beteiligung von Grünen-Politikern aus dem Land im Netz verbreitet wurden. Belege oder Namen wurden bisher aber nicht benannt.

„Manuel Hagel in Verbindung mit Pädophilie zu bringen, ist mehr als schäbig“, erklärte jetzt Maximilian Mörseburg, Kreisvorsitzender der Stuttgarter CDU, in Reaktion auf die Berichterstattung unserer Redaktion. „In ihrer Position als Bundestagsabgeordnete und Vertreterin dieser Stadt in Berlin kann man erwarten, dass Inhalte vor der Verbreitung geprüft werden“, kritisierte er.

Maximilian Mörseburg, Kreisvorsitzender der Stuttgarter CDU Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur

„Eine Bitte um Entschuldigung wäre in dieser Situation das Mindeste gewesen. Stattdessen versteckt sich Frau Fischer hinter faulen Ausreden.“ Aus Sicht Mörseburgs hat Simone Fischer mit dem Repost bei Social Media ihrem Amt als Volksvertreterin schwer geschadet.

Strobl fordert „Entgiftungskur“ bei den Grünen

In der Talkshow von Markus Lanz (Dienstag) hat Innenminister Thomas Strobl (CDU) die Kritik an den Grünen weiter verschärft. Weil Hagel in der Kampagne im Netz in die Nähe von Pädophilen und Kinderschändern gebracht worden sei, „brauchen die Grünen eine Entgiftungskur“, forderte er.

Strobl: „Die Kampagne ist der grünen Spitze entglitten“

Strobl kritisierte, dass die Kampagne von den Grünen nicht gestoppt wurde. Nicht nur dass die Grünen-Abgeordnete Zoe Mayer Initiatorin des Posts war, sondern auch den Zeitpunkt der Veröffentlichung unmittelbar vor dem Fernsehtriell vor der Wahl geißelte Strobl scharf. „Die Kampagne ist der grünen Spitze entglitten.“

Innenminister Thomas Strobl verschärft erneut den Ton gegenüber den Grünen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

„Wenn ich gefragt wurde, habe ich gesagt: Teile das nicht“, sagte die Chefin der Bundes-Grünen Franziska Brantner bei Lanz. Mit den Posts habe die Grünen-Führung nichts zu tun gehabt. Das wischte Strobl beiseite. „Die Kretschmann-Grünen hätten so etwas nicht gemacht“, betonte er. Allerdings ließ er außer Acht, dass die Kretschmann-Grünen im Wahlkampf nahezu identisch mit den Özdemir-Grünen waren.

Razavi: Özdemir muss zwei Parteien und zwei Fraktionen gewinnen

„Die Äußerungen von Manuel Hagel in diesem Video sind völlig daneben, das steht außer Frage“, sagte der neue SPD-Fraktionschef Sascha Binder auf Anfrage. „Außer Frage steht aber auch, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung kein Zufall war.“

Die Grünen zeigen sich zur Anbahnung einer Koalition weiter gesprächsbereit. Man müsse schauen, dass man in den nächsten Tagen ein Gesprächsformat ins Leben rufe, so Fraktionschef Andreas Schwarz. „Die Wähler haben ganz klar bürgerliche Politik gewählt. Deshalb hat Cem Özdemir jetzt zwei Aufgaben: Er muss zwei Parteien und zwei Fraktionen dafür gewinnen“, hob Bauministerin Nicole Razavi hervor.