Fahrer der Anbieter Uber und Lyft protestieren vor dem Rathaus in New York für bessere Bedingungen. Foto: AFP/ Drew Angerer

Die Tech-Branche redet vom Fortschritt, aber nicht von ihrem Druck auf Menschen. Ein Gesetz in Kalifornien zieht nun die Konsequenzen, kommentiert Andreas Geldner.

Stuttgart - Technologieunternehmen nennen sich sehr gerne die Anbieter von flexiblen Taxifahrten oder der schnellen Lieferung von Paketen und Pizzen. Hinter den Bestellplattformen und den komfortablen Apps steckt in der Tat technologisches Know-how und die Fähigkeit, auf Kundenbedürfnisse clever und flexibel zu reagieren.

 

Doch es ist bezeichnend, dass diese ökonomische Erzählung an ihrem Ursprungsort immer mehr hinterfragt wird. Ein neues Gesetz in Kalifornien, das viele Beschäftigte dort zu Angestellten macht, ist folgerichtig. An der US-Westküste hat man einige Jahre Vorsprung, um die gesellschaftlichen und sozialen Folgen dieses Geschäftsmodells zu durchschauen, das übrigens durchaus prekär ist: Trotz aller Technologie ist bei vielen manchmal milliardenschweren, einstigen Start-ups die Gewinnzone nicht in Sicht.

Legende von der individuellen Freiheit

Von der Kehrseite der Medaille reden die großen Innovatoren nicht: Bequem und bezahlbar werden ihre Offerten oft nur dadurch, dass Arbeitskräfte – je nach Perspektive – optimiert eingesetzt oder ausgebeutet werden. Diese menschliche Komponente wird hinter dem Schlagwort von der Digitalisierung gerne versteckt. Die Anbieter argumentieren damit, dass die damit einhergehende Flexibilität doch der modernen Lebenswelt der Arbeitnehmer entgegenkomme. Diese wollten gar nicht mehr in feste Arbeitszeiten gezwängt werden oder hätten dank der innovativen Angebote doch überhaupt nur eine Chance auf einen Job. Dieses Argument mag in bestimmten Lebenssituationen verfangen, bei jungen Menschen ohne Familie beispielsweise. Doch je abhängiger der Einzelne vom so erzielten Einkommen wird, umso mehr schmilzt die vermeintliche Freiheit dahin.

Das ist auch einer der Gründe, warum sich diese Art der Beschäftigungsverhältnisse doch nicht so schnell oder so weit verbreiten, wie viele befürchtet und manche erhofft haben. Sobald Menschen eine Chance auf ein festes Arbeitsverhältnis haben, greifen sie zu. Manche Firmen wie Uber glauben deshalb, dass sie langfristig Roboter statt Mitarbeiter brauchen. Doch das wird noch einige Jahre dauern. Jetzt müssen die Firmen in Kalifornien eben zeigen, ob ihre Geschäftsmodelle wirklich nachhaltig sind.