Auf einen Schlag bundesweit bekannt – so ist es dem Verein Münzenfreunde Rems vor 15 Jahren ergangen. Er hatte ein Regionalgeld herausgebracht, das der Bundesbank zu perfekt erschien.
Auf einen Schlag deutschlandweit berühmt: davon träumt wohl so mancher kleine Verein. Den Münzenfreunden Rems ist genau das im Jahr 2007 passiert, allerdings unter wenig erfreulichen Umständen. Eigentlich hatte der Verein nur sein Umfeld öffentlichkeitswirksam auf seine Namensänderung aufmerksam machen wollen. Doch plötzlich hatten die knapp 50 Vereinsmitglieder die mächtige Bundesbank als Gegner, die ihnen mit einem saftigen, fünfstelligen Bußgeld drohte.
Publicity für die Namensänderung
Heute, fast exakt 15 Jahre später, kann Jürgen Klotz aus Korb, der zu der Zeit Vorstandsmitglied war, über die Geschichte schmunzeln. Das Vorstandsgremium um den damaligen ersten Vorsitzenden Dieter Beneld hatte die Idee gehabt, den Namenswechsel von „Münzenfreunde Unteres Remstal“ zu „Münzenfreunde Rems – Verein für Sammler von Münzen, Medaillen und Papiergeld“ mit einer eigenen Geldscheinserie publik zu machen. Das Papiergeld – Ein-, Zwei- und Fünf-Euro-Scheine – sollte bei lokalen Einzelhändlern und Friseurgeschäften eingelöst werden können.
Gesagt, getan. Weil sich der Verein qualitativ hochwertige Scheine wünschte, holten die Remstäler den Grafikdesigner Andreas Hellkamp aus Oerlinghausen ins Boot. Der Mann gestaltet unter anderem Geldscheinserien für die Federal Gambling Society, deren Mitglieder die Scheine beim Pokerspielen verwenden, weil das Spielen um Geld in Deutschland verboten ist.
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Mit seiner Anfrage rannte Jürgen Klotz bei Hellkamp offene Türen ein. Der Designer aus Nordrhein-Westfalen legte los – und wenig später einen ersten Entwurf vor, inklusive all dem, was einen professionell gestalteten Geldschein ausmacht. „Sicherheitsstreifen, Hologramme, fluoreszierende Elemente, Kippeffekte und Blindenschrift“ zählt Jürgen Klotz auf. Der vom Design her an den US-Dollar angelehnte erste Vorschlag war aber rasch wieder vom Tisch, als Hellkamp einen weiteren Entwurf, diesmal für einen „Remstal-Euro“ nachschob. Letzterer kam bestens an, und die Vereinsmitglieder einigten sich darauf, dass auf den drei Geldscheinen der Serie die Vereinsgründer Karlheinz Uhlig, Helmut Mutschler und Franz Marschner abgebildet werden sollten. Die Rückseiten zierten drei Sehenswürdigkeiten des Remstals: das Beinsteiner Tor in Waiblingen, die Yburg in Stetten und das Korber Rathaus.
Die erste Auflage wurde als ungültig gekennzeichnet
Insgesamt 555 Exemplare ihres Regionalgelds ließen die Münzenfreunde Rems drucken. Dann informierten sie die Medien im Umkreis per Pressemitteilung über die Euro-Scheine aus dem Remstal. „Ein Verleger hat uns den Rat gegeben, zur Vorsicht bei der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank anzufragen, ob es Vorbehalte gegen die Ausgabe der Remstal-Euros gebe“, erinnert sich Jürgen Klotz. Der Verein schickte also einige Scheine an die Bundesbank – in freudiger Erwartung einer Freigabe und der Annahme, dass es sich quasi nur um eine Formsache handelt.
Von wegen. Die Bundesbank war alles andere als amüsiert. Sie untersagte dem Verein, die Geldscheine in Umlauf zu bringen. Sollten die Münzenfreunde Rems dies dennoch tun, so drohte die deutsche Zentralbank mit einem Bußgeld in fünfstelliger Höhe. „Die Rückmeldung war zunächst ein Schock. Das Projekt war ja schon sehr weit gediehen“, sagt Jürgen Klotz.
Zeitungen aus ganz Deutschland interessierten sich für den Fall
Was tun? Die Pressemitteilungen waren bereits verschickt. Der Verein bat die Empfänger, diese nicht zu veröffentlichen, was aber erst recht die Neugier weckte. „In den folgenden Tagen berichteten 33 Tageszeitungen im Bundesgebiet über unseren Verein und seine Scheine“, erinnert sich Klotz. Die Münzenfreunde Rems, für die sich nun auch Funk und Fernsehsender interessierten, waren auf einen Schlag bekannt.
Der Grund für das Veto der deutschen Zentralbank gegen den Remstal-Euro, vermutet Jürgen Klotz, sei wohl die äußerst professionelle Aufmachung gewesen. Der Begriff Euro an sich sei nämlich nicht geschützt. Auch Regionalgeld sei erlaubt, dürfe aber nur in einem kleinen Umfang gedruckt und keine Nebenwährung werden.
Die Lösung: Remstaler statt Euro
„Zum Glück sind wir innerhalb relativ kurzer Zeit zu einer Lösung gekommen“, berichtet Jürgen Klotz über die Verhandlungen mit der Bundesbank. Die bereits gedruckten Scheine wurden mit dem Hinweis „ungültig“ bedruckt und dann im kleinen Sammlerkreis verteilt. Für Probedrucke einer zweiten Auflage von Geldscheinen im gleichen Design, allerdings mit der Bezeichnung „Remstaler“, gaben die Sachverständigen dann grünes Licht. „Die uns vorgelegten Drucksachen sind zwar banknotenähnlich gestaltet, nach Darstellung unserer Sachverständigen aber nicht geeignet, mit echten, auch ausländischen Banknoten verwechselt zu werden, insoweit sind nach § 128 OWiG keine Einwendungen gegen Ihr Vorhaben zu erheben, die ‚Remstale’ in der uns vorgelegten Form erstellen zu lassen und zu verbreiten“, teilte die Bank in schönstem Bürokratendeutsch mit.
Interesse an Regionalgeld ist zurückgegangen
Seitdem sind Jahr für Jahr weitere Scheine herausgegeben worden. Sie erinnern an Persönlichkeiten wie den SPD-Politiker Hermann Scheer, den Rennfahrer Manfred Winkelhock, die Fotografin Hansel Mieth, die Malerin Ludovike Simanoviz oder den Schwabenrocker Wolle Kriwanek. Doch die Nachfrage nach regionalen Geldscheinen sei sehr zurückgegangen, sagt Jürgen Klotz mit Bedauern – der Aufwand sei zu groß für das eher geringe Interesse.
Dieses Jahr hat der aus den Münzenfreunden ausgegliederte Verein Der Remstaler zwar einen 100-Remstaler-Schein zum Andenken an den Korber Hobbyarchivar Gotthold Schwarz drucken lassen, dieser ist aber ein reines Sammlerstück und kann nirgendwo eingelöst werden.
Mehr zum Regionalgeld unter der Adresse www.der-remstaler.de