Der Torjäger Hilal El-Helwe sieht für sich und den Club noch mehr Potenzial. Foto: Pressefoto Baumann

Hilal El-Helwe hat in Malaysia und im Libanon, aber auch in Meppen Fußball gespielt – dort mit dem heutigen Nationalspieler Deniz Undav. Der viel Gereiste kann sich vorstellen, länger bei Regionalligist SGV Freiberg zu bleiben.

Morgens auf dem Weg zur Arbeit noch kurz Delfinen beim Schwimmen im Meer zuschauen und danach hungrige, freche Affen füttern. Das hört sich abenteuerlich an, gehörte aber zur schönen Routine des Fußballers Hilal El-Helwe, als als er 2022 in der Malaysia Super League beim Penang Football Club spielte auf der Insel Batu Kawan, rund 200 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Kuala Lumpur. Er hat dort eine andere Welt erlebt. „Die Menschen waren unheimlich offen, gleichzeitig passte die Infrastruktur perfekt“, sagte der Stürmer, der seit diesem Sommer für den Fußball-Regionalligisten SGV Freiberg spielt. Beim Penang FC hat er vor 40 000 Zuschauern gespielt, im Stadion am Wasen sind es selten mehr als 300. Ein spannender Perspektivwechsel – und doch fühlt sich der 29-Jährige sehr wohl in seinem neuen Fußball-Kosmos in Freiberg. „Ich habe sehr viel gesehen und erlebt und würde jetzt gerne auch mal länger irgendwo bleiben“, sagt Hilal El-Helwe.

 

Ja, er ist viel herumgekommen – konkret bei neun Vereinen, seit er sein Geld mit Fußballspielen verdient. Weltenbummler wäre vielleicht zu hoch gegriffen, da er bislang nur auf zwei Kontinenten gekickt hat – anders als der Torwart Lutz Pfannenstiel, der als einziger Fußballprofi auf allen Erdteilen unter Vertrag stand – auch beim Penang FC. Weit gereist trifft es wohl eher, wenn man die Spuren von El-Helwe verfolgt.

Hilal El-Helwe hatte nicht immer Glück mit seinen Stationen

In Summe hätte er nicht so viel Glück gehabt mit seinen Stationen. Beim VfL Wolfsburg II war er auf dem Sprung in den Bundesliga-Kader, beim SV Meppen und dem Halleschen FC spielte er 3. Liga. Apropos Meppen: Hier lief es für ihn in der ersten Saison nicht nur richtig gut, er spielte auch zusammen mit Stuttgarts Senkrechtstarter Deniz Undav, der es auf Umwegen sogar in die Nationalmannschaft geschafft hat. „Ich hatte da eine gute Zeit mit Deniz“, sagt El-Helwe, der sich aber auch Nationalspieler nennen darf.

48 Mal hat er schon das Trikot der libanesischen Nationalelf getragen. Und die Länderspiele haben ihn auch an besondere Orte geführt. So hatte er einen Auftritt im Finalstadion der WM in Katar, beim Eröffnungsspiel des Asien-Cups gegen den Gastgeber vor über 80 000 Zuschauern.

Besonders krass seien die Länderspiele in Pjöngjang gegen die Auswahl von Nordkorea gewesen. Er erinnert sich nicht nur an Tage ohne Internet oder die Möglichkeit, mit seiner Frau zu telefonieren, sondern vor allem an die bizarren Aufläufe der Fans im Stadion. „Die sind einmarschiert wie Soldaten und haben alle die gleiche Kleidung getragen“, erzählt El-Helwe.

Zuletzt wurden die Länderspiele des Libanon wegen der Krise und der kriegerischen Auseinanderstzunge im Nahen Osten abgesagt. El-Helwe wird ernst,wenn er über die Heimat seiner Eltern spricht. Sie leben zu Glück in Deutschland, aber die Oma ist noch dort und auch einige Freunde aus der Nationalelf. „Klar, dass ich da kein gutes Gefühl habe“, sagt er. Wenn er von Angriffen in den Nachrichten hört, erkundigt er sich, wie es ihnen geht und berichtet von teilweise zerstörten Häusern durch Bomben. „Da wird mir immer wieder klar, Fußball ist der schönste Sport der Welt, aber es gibt Wichtigeres“, sagt der Offensivspieler.

Hilal El-Helwe ist auch privat angekommen in der Region. Foto: Werner Kuhnle

Hilal El-Helwe hat sich seinen Traum erfüllt

Er hat sich seinen Traum erfüllt, aber dennoch rückblickend seine Karriere vielleicht anders gestalten. „Ich habe nur Fachabitur und hab es bislang nicht geschafft, mit parallel noch etwas aufzubauen“, sagt er und würde jungen Spielern, die sich auch in diesen Ligen bewegen, raten, es anders zu machen. „Und sie müssen früh lernen, selbstbewusst aufzutreten, um etwas zu erreichen“, sagt er.

Die Nachwuchsspieler beim SGV an die Hand zu nehmen, mache ihm Spaß. „Und an der Seite erfahrener Spieler, werden sie dann auch immer besser“, sagt er. Hilal El-Helwe selbst hat schon auf der Zehn gespielt, wo er mehr Bälle bekommt. Aber in der Box wiederum habe er mehr Abschlüsse. Er sieht sich am liebsten als „falsche Neun“ und genau diese Rolle hat Freibergs Trainer Roland Seitz auch für ihn ausgesucht. Und nicht nur das. „Er bringt sehr viel Qualität mit und hilft den jungen Spielern auf dem Platz“, sagt Seitz.

Diese Qualität hat am vergangenen Spieltag trotz dem 1:0-Erfolg gegen den FC Gießen gefehlt, weil El-Helwe eine Gelbsperre absitzen musste. Es fehlte dem Team deshalb auch ein wenig an Inspiration. An diesem Samstag ist Hilal El-Helwe wieder dabei, wenn die Mannschaft das letze Spiel in der Vorrunde beim FC Astoria Walldorf bestreitet. Vier Tore und vier Vorlagen sind bislang seine Ausbeute. „Das geht noch besser“, sagt der Torjäger. Vier Siege hat seine Mannschaft zuletzt eingefahren. „Wir sind stabiler geworden, da entwickelt sich was“, sagt er. Bislang läuft es für ihn sportlich richtig rund und auch privat fühlt er sich wohl in Bissingen mit seiner Frau Aldiana und Mischlingshund Rambo und lässt sich ein Bekenntnis entlocken: „Ja, wir könnten uns vorstellen, diesmal länger zu bleiben.“

Vereinskarriere
El-Helwe spielte in der Jugend von Hannover 96 bis zu seinem Wechsel zum TSV Havelse 2008. Zu Beginn der Saison 2015/16 wechselte er zum Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg II, mit dem er die Meisterschaft in der Regionalliga Nord erringen konnte. Dabei traf er in 22 Spielen sieben Mal. Die nächsten Stationen waren der Hallesche FC, der griechische Erstligist Apollon Smyrnis und der SV Meppen. Nach kurzen Episoden bei al-Faisaly in Jordanien, al Ahed sowie Bourj FC im Libanon und beim FC Penang in Malysia wechselte er im Juli 2024 zum SGV Freiberg.

Nationalmannschaft
 Für die libanesische Nationalmannschaft bestritt er am 8. Oktober 2016 sein erstes Länderspiel. Inzwischen sind 47 weitere und 9 Tore dazugekommen.