Freibergs Torschütze Paul Polauke (links) gönnte sich nach dem 1:0 nur einen dezenten Jubel vor der den Kickers Fans. Foto: Baumann/Julia Rahn

Regionalliga-Spitzenreiter SGV Freiberg besiegt die Stuttgarter Kickers vor 2500 Zuschauern mit 2:1. Coach Lushtaku moniert nur Chancenverwertung des Teams.

Viele Spieler in den blauen Trikots waren sich kurz nach 16 Uhr am Ostermontag gar nicht bewusst, dass sie gerade etwas Historisches vollbracht hatten: Zum ersten Mal seit 22 Jahren hatte der SGV Freiberg ein Liga-Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers gewonnen. Und das vor der prächtigen Kulisse von 2500 Zuschauern im Wasenstadion.

 

Mit den drei Punkten holte man sich auch die Tabellenführung von der SG Sonnenhof Großaspach zurück und ist wieder mit drei Zählern in Front vor dem hartnäckigen Verfolger. Noch einer schöner Nebenaspekt: Der Erfolg im Nachbarschaftsduell war auch die geglückte Revanche für das Ausscheiden bei den Stuttgartern im Landespokal. Paul Polauke ist in beiden blauen Welten daheim – vier Jahre hat er bis vergangenen Sommer das Leibchen der Kickers getragen, rechnet man die Ausbildung mit, spielt er die elfte Saison für die Freiberger.

Emotionales Spiel für Paul Polauke

Und zur Geschichte des Spiels zählt eben auch, dass ausgerechnet Polauke bereits nach fünf Minuten nach einer Ecke von Minos Gouras mit dem Kopf zur Stelle war und seinen Heimatverein gegen seinen Herzensverein in Führung brachte. Der 25-Jährige wusste, wie man das sensibel regelt und drehte vor der Kickers Kurve ab, bevor er mit den Kollegen jubelte.

„Das war schon sehr emotional. Ich hatte mir vor der Partie nicht vorgenommen, nicht zu jubeln, aber in dem Moment fühlte sich das richtig an“, sagte Polauke, der sich nach den 90 Minuten „sehr glücklich“ fühlte. Nach dem Spiel spürte man bei aller Rivalität der beiden Clubs,, dass auch die Fans von der Waldau den Abwehrspieler ins Herz geschlossen haben, denn der erste Weg führte ihn zum Plausch mit alten Bekannten.

Gal Grobelnik sicherte schon vor der Pause den Dreier für den SGV. Foto: Baumann/Julia Rahn/Julia Rahn

Davor hatte der Abwehrspieler erst einmal viel Arbeit zu verrichten und verteidigte mit dem Defensivverbund weg, was ging. Die Blauen von der Waldau hatten nach dem Rückstand mehr Ballbesitz und kamen durch David Tomic zu mehreren Chancen. Tomic war es auch, der in der 30. Minuten nach einem von Freibergs Kapitän Marco Kehl-Gomez verursachten Handelfmeter den Ausgleich zum 1:1 besorgte.

Die Freude bei den Gästen währte nur kurz, denn schon fünf Minuten später schoss Gal Grobelnik den SGV wieder mit 2:1 in Führung. „Da haben wir in der Tiefe nicht gut verteidigt und man sieht welche Qualität Freiberg im Angriff hat, die brauchen nicht viel, um was draus zu machen“, sagt Kickers Trainer Marco Wildersinn.

Freiberg verschießt Elfmeter und macht es spannend

In einer an Höhepunkten armen zweiten Hälfte musste seine Mannschaft dann irgendwann ins Risiko gehen und der SGV Freiberg hatte Räume für Konter. „Ich war nicht zufrieden, wie wir das ausgespielt haben, mal kam der letzte Pass nicht, mal war der Abschluss zu schwach“, sagt Freibergs Trainer Kushtrim Lushtaku. Die Wildersinn-Truppe hatte aber auch nur nur eine klare Möglichkeit durch Mittelstürmer Marlon Faß (85.).

Die mangelnde Chancenverwertung der Freiberger wiederum gipfelte in einem nicht verwerteten Foulelfmeter des eingewechselten Winterzugangs Nicklas Shipnoski (89.) , den Kickers-Keeper Felix Dornebusch mit einer Glanzparade abwehren konnte. Davor hatte Stuttgarts Milan Petrovic Julian Kudala zu Fall gebracht. Shipnoski müsse er jetzt wieder aufbauen, erzählte Lushtaku, der auch den den Gegner lobte, dem er eine überragende Restrunde attestierte mit viel Kompaktheit und Stabilität in den Abläufen. Sein Fokus geht schon Richtung kommendes Wochenende, wenn man beim derzeit starken FC Homburg antreten muss. „Wir werden daran arbeiten, dass wir konsequenter unsere Möglichkeiten nutzen“, sagt der Freiberger Coach.

SGV Freiberg: Grawe – Adigo (28. Pietzsch), Polauke, Hetemaj, Ballo – Gouras (56. Zie) Laupheimer, Kehl-Gomez, Petö (87. Kudala)– Grobelnik (56. Shipnoski), Valpoort (87. Ballas)

Stuttgarter Kickers: Dornebusch – Petrovic, Danquah (74. Unsöld), Borac – Udogu (87. Blank), Tomic, Lockl (87. Skenderovic), Fundel – Berisha (67. Schembri), Mauersberger – Faß.