Benjamin König aus Wendlingen nutzt den RE 200 immer wieder. Er hat eine Petition gestartet, um die Strecke auch nach 2027 zu erhalten. Die Chancen sind jedoch gering.
In 14 Minuten von Wendlingen auf die Schwäbische Alb, in 27 Minuten nach Ulm: Im Moment ist das möglich, mit der Deutschen Bahn, die einen Regionalexpress vom Neckartal über die Schnellbahntrasse in den Alb-Donau-Kreis rauschen lässt. Der RE 200 ist allerdings ein zeitlich begrenztes Projekt.
Denn sollte Stuttgart 21 tatsächlich einmal fertig werden, gehört die Verbindung der Vergangenheit an, da die sogenannte ICE-Trasse dann mit den besagten ICEs und einigen anderen Zügen weitgehend ausgelastet sein dürfte. Unter anderem soll ein Regionalzug von Karlsruhe über Stuttgart, den Flughafen und Merklingen nach Ulm fahren, Wendlingen also im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen.
König: Der RE 200 wird rege genutzt
Damit will sich Benjamin König aus Wendlingen allerdings nicht abfinden. Er nutzt die Verbindung immer wieder mal, um mit seinen Mountainbike-Kumpels vom SKV Unterensingen auf die Alb zu kommen – und hat deshalb auf Change.org eine Petition gestartet. Das Ziel: Der RE 200 soll auch im Jahr 2028 Passagiere noch flott und komfortabel von und nach Wendlingen transportieren.
Dem 43-Jährigen ist sehr wohl bewusst, dass das Land den Zug eigentlich nur vorübergehend aufs Gleis gesetzt hat, was er allerdings sehr bedauert: „Der RE 200 wird von Pendlern, Studenten und Ausflüglern rege genutzt. Fährt er nicht mehr, wäre das ein Rückschritt für die Verkehrswende in der Region.“
Unterschriftenaktion läuft seit Anfang Mai
Dass die Kunden aus dem Neckartal stattdessen das Alternativangebot nutzen werden, kann sich König nicht vorstellen: „Nach Nürtingen fahren, dort in Richtung Flughafen umsteigen, um dann den Zug nach Ulm zu nehmen, das macht niemand. Viele würden sich dann wohl wieder ins Auto setzen“, vermutet er. Um gerade das zu verhindern, hat er Anfang Mai seine Petition gestartet – und ist mit seinem Anliegen offensichtlich nicht alleine. Mehr als 3400 Online-Unterstützer gibt es bereits.
Rund sechs Wochen will der IT-Experte zuwarten und bis dahin auch auf die Bundes- und Landtagsabgeordneten aus der Gegend zugehen und um politische Unterstützung für seine Forderung werben. Mit Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel hatte König bereits Kontakt. Der unterstützt sein Vorhaben zwar, machte ihm aber nicht allzu viel Hoffnung, dass die Petition am Ende Erfolg haben könnte.
Problem: Zug fährt auf der verkehrten Seite
Aus gutem Grund wohlgemerkt, denn ist die Schnellbahnstrecke erst mal vollständig in Betrieb, wird die bisherige Trassenführung des RE 200 zu einem Problem. Dieser fährt zurzeit aus Wendlingen über die Güterzugauffahrt und dann auf der verkehrten Seite durch den Albvorlandtunnel. Erst bei Nabern geht es rüber aufs richtige Gleis. Bei der momentanen Auslastung ist das kein Problem, später womöglich schon.
König hält eine Lösung dennoch für machbar: „Aufgrund der Nutzung des modernen Europäische Zugkontrollsystem (ETCS), mit dem die Neubaustrecke ausgestattet ist, sollte sich da eine Möglichkeit finden lassen“, hofft er, zumal die geplanten Güterzüge in der Praxis ja kaum fahren würden. „Die Infrastruktur könnte daher sinnvoll für den Personenverkehr genutzt werden.“
Diese Möglichkeit sieht das Landesverkehrsministerium indes nicht: „Mit der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 wird insbesondere der Fernverkehr auf der Strecke deutlich zunehmen. Dadurch wird eine Weiterführung des Angebots unmöglich“, stellt eine Sprecherin unumwunden klar. Auch ein Ausbau der Infrastruktur sei in dem engen Bereich nicht vorstellbar, da hierfür eine zusätzliche Auffahrt auf die Neubaustrecke gebaut werden müsste. „Der Platz dafür würde aber nicht ausreichen und die Kosten wären unverhältnismäßig“, fügt sie hinzu.
Was die „rege Nutzung“ des RE 200 angeht, teilt das Ministerium indes ein Stück weit Böhms Auffassung: „ Im Durchschnitt nutzen 50 bis 70 Fahrgäste pro Richtung und Zug die Linie, was für eine neue und noch verhältnismäßig schlecht ins Gesamtnetz integrierte Linie sehr positiv zu bewerten ist“, erklärt die Sprecherin.
Jedoch handle es sich dabei primär um Reisende aus dem gesamten Ballungsraum Stuttgart, die auch von der neuen Linie über den Flughafen profitieren würden. „Das lokale Aufkommen von Wendlingen würde nur schwer eine eigene Anbindung rechtfertigen, denn trotz des Achtungserfolgs für diese provisorische Verbindung zählt sie keineswegs zu den bestgenutzten RE-Strecken im Land“, heißt es aus dem Ministerium.
Wie wird mit der Petition verfahren?
Zeitraum
Bis Ende Juli/Anfang August wird die Petition zum Erhalt des RE 200 noch im Internet auf auf Change.org zu finden sein. Den Grund für sein Tun, bringt der Initiator Benjamin König mit einem Satz auf den Punkt: „Der Erhalt des RE 200 ist wirtschaftlich, ökologisch und sozial sinnvoll – eine Streichung wäre das falsche Signal“.
Prozedere
Über den Umgang mit der Petition entscheidet der Petitionsausschuss des Landtags. Das Landesverkehrsministerium wird dem Ausschuss gegenüber „aus zwingenden technischen Gründen“ aber die Einschätzung abgeben, dass der Petition nicht abzuhelfen ist.