Florian Toncar hat gut lachen: Er zieht als FDP-Kandidat in Böblingen in den Bundestag ein und wurde am Montag zugleich zum parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion gewählt. Foto: factum/Granville

Da einige Wahlkreise nicht mit den Kreisgrenzen übereinstimmen, ermitteln wir mit Unterstützung des Statistischen Landesamts das Regionalergebnis der Bundestagswahl mit den Stimmenanteilen in Stuztgtart und den fünf Kreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr. Analsss zur Feude hat vor allem die FDP.

Stuttgart - Das nennt man wohl ein Déjà-Vu: Die CDU landet bei dem von dieser Zeitung ermittelten Regionalergebnis, in dem die Stimmenverteilung in Stuttgart und den fünf Kreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr berücksichtigt wird, mit 32,2 Prozent fast auf dem Wert der Bundestagswahl im Jahr 2009. Damals gab es 32,3 Prozent. Das 2013er-Hoch der CDU mit 43,5 Prozent der Zweitstimmen wurde weit verfehlt – auch bei den Erststimmen. Vor vier Jahren knackten die CDU-Kandidaten gleich reihenweise die 50-Prozent-Marke, jetzt kamen nur Markus Grübel (Esslingen) und Eberhard Gienger (Neckar-Zaber) mit Ach und Krach auf 40 Prozent. Alle anderen landeten darunter.

Dennoch ziehen wieder zehn direkt gewählte CDU-Abgeordnete aus der Region in den Bundestag ein – so viele wie von keiner anderer Partei. Insgesamt ist die fraktionsübergreifende Regionalgruppe der MdBs mit 28 so groß wie nie zuvor, weil über die Landeslisten 18 hinzukommen: Sieben von der AfD, vier von der SPD, je drei von Grünen und FDP und einer der Linken.

CDU im Minus

Von der CDU-Malaise persönlich betroffen war auch Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion und Fraktionschef in der Regionalversammlung. Pfeiffer verlor bei den Erststimmen in Waiblingen gleich 15 Prozentpunkte. „Wir sind in eine Zangenbewegung hineingeraten“, sagt er, „auf der einen Seite verloren wir in Richtung AfD, auf der anderen in Richtung FDP“. Er habe an den Ständen schon gespürt, dass der Merkel-Bonus des Frühjahrs in Zeiten der Trump-Erdogan-Brexit-Verunsicherung an Bedeutung verlor und die Flüchtlingsfrage wieder in den Mittelpunkt rückte. Und wie geht es jetzt weiter? Pfeiffer wagt da keine Prognose, nur soviel: Mit der SPD gebe es mehr Schnittmengen als bei Jamaika.

Trotz schwerer Verluste behauptete die SPD wie 2013 immerhin ihre Stellung als zweite politische Kraft in der Region: Mit 16,2 Prozent liegt sie noch vor FDP (14,6) und Grünen (14,3). „Ich habe nicht mit so großen Einbußen gerechnet“, sagt Harald Raß, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Regionalversammlung, „bevor man jetzt über Konsequenzen redet, muss man das Ergebnis erstmal sacken lassen.“ Der Fellbacher hat aber mit Interesse verfolgt, dass Pfeiffer für „seine Pro-Haltung zum Nordostring und zur Filderauffahrt gnadenlos abgestraft wurde“. Die CDU müsse sich überlegen, ob „ihr Brachialkurs in der Verkehrspolitik auf Dauer gut geht“. Zufrieden ist Raß damit, dass in Heike Baehrens und Leni Breimayer zwei ehemalige SPD-Regionalrätinnen dem Bundestag angehören.

Wahlsieger FDP

Regionaler Wahlsieger ist eindeutig die FDP, auch wenn sie ihr 2009-Sensationsergebnis (19,6 Prozent) nicht erreichte. Ihre landesweit besten Ergebnisse holte sie in und um Stuttgart – mit 17,1 Prozent in Leonberg, 16,4 in Stuttgart-Süd, 16,3 in Leinfelden-Echterdingen und 16,1 in Fellbach. Sieben der neun besten Ergebnisse im Südwesten errang sie in der Region. „Wir sind wieder eine liberale Hochburg“, freut sich der Vize-Bezirkschef Armin Serwani. Die Region werde von ihrer starken Präsenz in Berlin profitieren, deshalb habe „auch die Region gewonnen“, meint er.

„Gar nicht überrascht“ ist die Grünen-Fraktionschefin Ingrid Grischtschenko vom guten Ergebnis ihrer Partei, die von 12,2 auf 14,3 Prozent wuchs und fast das 2009er-Ergebnis (15,5 Prozent) erreichte. „Bei den Terminen mit Kretschmann haben wir viel Unterstützung erlebt“, sagt sie. Es werde nun darauf ankommen, dass die Grünen-Abgeordneten sich weiter so engagiert für die Region in Berlin stark machten – gerade in der Verkehrspolitik.

AfD-Hochburgen in Rems-Murr und Göppingen

Mit 11,7 Prozent ist die AfD regionweit auf Platz fünf. Ihre Hochburgen sind die Kreise Göppingen und Rems-Murr, wo sie die Grünen überholten. „Wir werden uns für die Region in Berlin einsetzen“, sagt der Regionalrat Stephan Schwarz, der sich eng mit den Neu-Abgeordneten vernetzen will. Im Gegensatz zu Stuttgart (9,2 Prozent) kam die Linke in den Kreisen nur auf Werte zwischen fünf und sechs Prozent, ihr Regionsergebnis liegt bei 6,5 Prozent.

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