Im Klinikverbund gilt ein harter Sparkurs. Dennoch muss es um Menschen gehen, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski
Die Adventszeit wird von vielen Menschen als eine der, wenn nicht die hektischste Phase des Jahres wahrgenommen. Bis zuletzt ist große Betriebsamkeit, bis dann – alle Jahre wieder – in den Nachmittagsstunden des 24. Dezember eine völlige Ruhe einkehrt, so als hätte man einen Schalter umgelegt. Der Abend von Heiligabend ist im krassen Gegensatz zu den stressigen und lauten Vorwochen der ruhigste des Jahres. Weil er am Ende doch die Aura des Heiligen ausstrahlt, wiewohl viele Menschen damit nichts mehr anfangen können.
Einen Einschnitt, einen Moment des Innehaltens, des Reflektierens und Bilanzierens stellt das Weihnachtsfest für die meisten dennoch dar: Was war denn bei uns?
Eine wichtige Entscheidung, die ganz viele betrifft, ist die Neuaufstellung des Klinikverbunds Südwest. Diese soll gewährleisten, dass Kranke aus der ganzen Region gut und kompetent behandelt werden. Nun hat das gesamte Gesundheitswesen in den vergangenen Jahren einen dramatischen Wandel durchgemacht – längst nicht nur zum Guten.
Natürlich hat es in der Medizin immense Fortschritte gegeben. Krankheiten, die vor wenigen Jahren noch als bedrohlich galten, können heute sehr viel besser behandelt und oft genug sogar geheilt werden. Gleichzeitig ist der Kostendruck gerade in den Kliniken derart nach oben geschnellt, dass man meinen könnte, es gehe nur noch um Zahlen, aber nicht mehr um Menschen.
Insofern ist es löblich, dass die Kommunalpolitik alles dransetzt, dass die Häuser des Klinikverbundes in kommunaler Trägerschaft bleiben. Denn das bedeutet, dass eben nicht vornehmlich die Controller das Sagen haben. Gleichwohl ist jetzt ein beispielloses Konsolidierungsprogramm angestoßen worden, das Herrenberg den Krankenhausstatus und Leonberg womöglich seine Gynäkologie kostet.
Es ist richtig: Nicht alle Häuser können alles anbieten, zumal in der Region Leonberg die Kliniken von Stuttgart und Ludwigsburg vor der Haustür liegen. Hiesige Patienten sind also nicht zwingend auf den Klinikverbund angewiesen.
Umso wichtiger ist es, dass die Gesundheitsversorgung in der Fläche nicht aus den Augen verloren wird. Gerade dem Krankenhaus in Leonberg kommt aufgrund seiner geografischen Lage eine besondere Bedeutung zu. Die Menschen sind schneller in Stuttgart als in Böblingen. Das betrifft auch die Gynäkologie mit der Geburtenstation.
Die aber ist, was angesichts der aktuellen Diskussionen leicht vergessen wird, die nächsten fünf Jahre gesichert. Kinder können im hebammengeführten Kreißsaal zur Welt kommen, auch die Frauenheilkunde mit dem Beckenboden-Zentrum steht. Je mehr Patientinnen und werdende Mütter nach Leonberg kommen – es gelten die Gesetze des Marktes – , desto wahrscheinlicher ist, dass auch im Jahr 2030 in Leonberg Babys geboren und Frauen behandelt werden.
Dass im Klinikverbund gespart werden muss, steht angesichts eines Defizits von 66 Millionen Euro außer Frage. Zuvor war gar ein 70 Millionen-Loch befürchtet worden. Alexander Schmidtke, seit einem Jahr Geschäftsführer des Klinikverbundes, sieht sich erklärtermaßen nicht als Sanierer. Er betont, dass es in den Krankenhäusern nicht um Sachen geht, sondern um Menschen.
Dazu zählen nicht nur die Patienten, sondern zudem die Schwestern, Pfleger und Ärzte, die Tag und Nacht, sonn- und feiertags und eben auch an Heiligabend für andere in Not da sind. Ihnen gilt an dieser Stelle ein ganz besonderer Weihnachtsgruß.