Auf den Fildern bieten die Direktvermarkter vor allem Gemüse an. Foto: dpa/Robert Fishman

Nirgends in Stuttgart kann man bei so vielen Gemüsebauern regionale Ware einkaufen wie in Stuttgart-Plieningen. In der Pandemie verzeichnen sie reges Kundeninteresse. Das hat mehrere Gründe.

Plieningen - Wer bei Martin Kalmbach Kartoffeln kauft, wirft das Geld in ein Kässchen und nimmt sich die Ware weg – Kontakt mit einem Menschen ist dabei nicht nötig. „Coronakonformer geht es eigentlich nicht“, sagt Kalmbach. Am Selbstbedienungsstand des Landwirts in Stuttgart-Plieningen wurden im ersten Lockdown deutlich mehr Kartoffeln gekauft als sonst. Auch während der aktuell strengen Maßnahmen nehmen Kunden eher zwei Säcke mit als bloß einen. „Im März wurde sehr viel gekauft, da haben die Leute vielleicht ein bisschen gebunkert“, erzählt Kalmbach.

Die meisten Direktvermarkter in Stuttgart

Plieningen und Birkach sind in Stuttgart die Bezirke, in denen es die meisten Direktvermarkter gibt – zumindest wenn es um Gemüse geht. Andere Bezirke zählen dafür sehr viele Weinanbauer und -verkäufer. Bei Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Kohl und Salaten haben Käufer auf den Fildern aber die größte Auswahl. Zum Beispiel auch auf dem Plieninger Haldenhof. Rolf und Monika Mayer verkaufen zweimal pro Woche ihr Biogemüse im Hofladen und samstags auf dem Fellbacher Wochenmarkt.

Monika Mayer kann den Eindruck des Kollegen Martin Kalmbach bestätigen. „Es ist schon mehr los“, sagt sie, „man merkt, dass die Leute nicht ins Restaurant gehen können und dass sie nicht in den Urlaub fahren“. Sie würden öfters selbst kochen und deshalb mehr einkaufen. Im vergangenen Sommer dagegen, als Reisen erlaubt und Restaurants offen waren, sei auf dem Haldenhof sehr wenig los gewesen. „Sogar weniger als in den Jahren vorher. Die Sommerferien waren ja die einzigen, in denen man verreisen konnte.“

Sich den Gang zum Supermarkt sparen

Den Hofladen dürfen zurzeit maximal vier Kunden gleichzeitig betreten. Einige von ihnen erledigen ihren ganzen Wocheneinkauf dort, erzählt Mayer. Den Gang zum Supermarkt können sich diese Kunden dann sparen – genau wie die Hofbesitzerin selbst. „Wir haben eigentlich alles hier“, sagt Monika Mayer, „wenn ich kochen will, gehe ich in unseren Laden rüber und schaue, was weg muss“. Dort gibt es nicht nur das von ihnen angebaute Gemüse, selbst gemahlenes Mehl und selbst gebackenes Brot, sondern auch Gewürze, Müsli, Käse und Toilettenpapier. „Wenn jemand extra hierher kommt, wollen wir eine breite Palette anbieten“, sagt Mayer.

Rolf und Monika Mayer folgen beim Gemüseanbau den Demeter-Richtlinien. Damit wären ihre Produkte bestens für einen Biomarkt geeignet. Die Biomusterregion Ludwigsburg-Stuttgart plant einen solchen Markt von April an auf dem Marienplatz. Die Mayers werden sich aber nicht um einen Stand bewerben. Ein zweiter Markttag wäre für sie zu viel Arbeit. „Wir bewältigen das, was wir haben“, sagt Monika Mayer. Auch die Teilnahme an einem Wochenmarkt in Plieningen würde für sie nicht in Frage kommen. Dafür fehle Plieningen ein richtiger Kern mit vielen Läden. Wer auf einen Wochenmarkt gehe, wolle im Ort gleich noch andere Einkäufe erledigen. „Wir haben in Plieningen ja nur noch sehr wenige Geschäfte“, sagt Mayer. Für Martin Kalmbach würde ein Marktstand ebenfalls zu viel Arbeit bedeuten. „Meine Frau und ich machen das nur im Nebenerwerb“, sagt er. Seine Kartoffeln – und im Herbst Kürbisse – verkaufe er nur im Hof und direkt vom Feld.

Wochenmarkt in Stuttgart-Plieningen ist keine Option

Der Haldenhof hat seit der Corona-Pandemie sowieso ein bisschen Mehrarbeit. Rolf und Monika Mayer bieten im kleinen Kreis eine Lieferung ihrer Ware an. „Vereinzelt haben wir das früher schon gemacht, wenn mal jemand nicht herkommen konnte“, erzählt Monika Mayer. An einer Stelle seien die Auswirkungen der Pandemie aber sogar entlastend für sie: Auf dem Wochenmarkt gibt es bestimmte Bereiche vor dem Stand, in denen sich die Kunden aufhalten dürfen oder eben nicht. „Wir haben dadurch eine bessere Übersicht. Früher stand zu Stoßzeiten ein ganzer Pulk vor dem Stand und keiner wusste, wer dran ist“, sagt Mayer.

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