56 neue S-Bahnen aus der Serie ET 430 sollen gekauft werden. Foto: Leif Piechowski

Der Verband Region Region Stuttgart will die S-Bahnflotte deutlich vergrößern. 56 neue Fahrzeuge sollen zu den vorhandenen 157 hinzukommen. Ob das Land einen Teil der Kosten übernimmt, muss das Kabinett noch entscheiden.

Stuttgart - In dieser Woche beginnen entscheidende Tage für die Entwicklung des S-Bahn-Verkehrs in der Region Stuttgart. Im Kabinett wird am Dienstag, 22. Januar, entschieden, ob das Land Baden-Württemberg dem Verband Region Stuttgart bei der Beschaffung von 56 zusätzlichen S-Bahnen mit rund 106 Millionen Euro unter die Arme greift. Zudem macht sich das Land dafür stark, den Bahnknoten Stuttgart mitsamt der unterirdischen Stammstrecke und die S-Bahn-Fahrzeuge mit der modernen Signal- und Sicherungstechnik auszustatten. Bis Ende April soll es eine Finanzierungsvereinbarung mit dem Bundesverkehrsministerium und der Deutschen Bahn geben. Das Land geht davon aus, dass „der Bund als Eigentümer der Bahn das ETCS-Pilotprojekt zu großen Teilen finanzieren wird“ – und zwar vollständig beim Einbau an den Schienen und zu 50 Prozent bei den Bahnen.

Wird der S-Bahnvertrag verlängert?

Tags drauf, am Mittwoch, 23. Januar, befasst sich der Verkehrsausschuss der Region mit diesen Themen. Und er wird auch darüber debattieren, ob der Vertrag mit der Bahn-Tochter DB Regio über den Betrieb der S-Bahn um vier Jahre bis Mitte 2032 verlängert wird. Der Grund: Zwar soll der Bund den Hauptanteil der ETCS-Kosten tragen, für den Rest müssen aber die DB Regio und der Verband Region Stuttgart geradestehen – das gilt besonders bei der Nachrüstung der S-Bahn-Fahrzeuge mit ETCS. Auf die Bahn kämen „ganz erhebliche Kosten“ – man spricht von 250 Millionen Euro – zu, die sie für die Verbesserung älterer sowie die Wartung und die Abstellanlagen der zusätzlichen S-BahnFahrzeuge ausgeben muss. Sie und wohl auch der Aufgabenträger Verband Region Stuttgart wollen in dieser Übergangszeit deshalb Planungssicherheit. Außerdem müsse die neue Ausschreibung berücksichtigen, ob die Inbetriebnahme von ETCS und Stuttgart 21, die für Ende 2025 geplant sind, die Erwartungen erfüllten – nämlich einen zuverlässigeren und pünktlicheren S-Bahn-Verkehr als heute.

Entscheidung bis Ende Januar

Beschlossen werden soll das große Paket dann am Mittwoch nächster Woche, 30. Januar, in der Regionalversammlung. Die Entscheidung muss bis Ende Januar fallen, da danach eine günstige Bestelloption für die S-Bahn-Wagen beim Fahrzeughersteller Bombardier ausläuft. Sollte erst später bestellt werden, wären die Kosten höher, oder es müssten Fahrzeuge gekauft werden, die nicht zur heutigen Flotte passen. Trotz des Finanzvolumens von mehr als 420 Millionen Euro wird mit einer Zustimmung der Regionalräte gerechnet. Vor allem die Stadt Stuttgart und die Kreise Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg und Rems-Murr, die den S-Bahn-Betrieb über die Verkehrsumlage mitfinanzieren, blicken aber bang auf mögliche Finanzlasten in der Zukunft.

Der Umfang des Projekts wird allein daran deutlich, dass die bestehenden S-BahnFlotte 157 Fahrzeuge umfasst – 97 der Baureihe ET 430 und 60 der Vorgängerserie ET 423. Nun sollen weitere 56 ET-430-Fahrzeuge bestellt werden, zum Stückpreis von rund 7,5 Millionen Euro. Davon hält das Verkehrsministerium 47 S-Bahnen für förderfähig und will 30 Prozent zuschießen: 106 Millionen Euro. Damit steigt das Land nach Jahren wieder in die Förderung von Schienenfahrzeugen ein. In der Kabinettsvorlage, die unserer Zeitung vorliegt, wird deshalb auch darauf verwiesen, dass die Bezuschussung ins neue Landesgemeindeverkehrswegefördergesetz (LGVFG) aufgenommen wird.

Wendlinger Kurve mitfinanziert

ichtiger Aspekt am Rand: In der Kabinettsvorlage weist Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) auch darauf hin, dass der Verband Region Stuttgart „Bereitschaft signalisiert“, sich am Ausbau der Großen Wendlinger Kurve im Zuge von S 21 mit maximal 12,5 Millionen Euro zu beteiligen „unter der Voraussetzung, dass sich die Region Neckar-Alb in gleicher Weise an den Baukosten beteiligt“. Die Region Stuttgart denkt – wie in unserer Zeitung berichtet – an eine „Kombiringlösung“ für eine bessere Verbindung vom Neckartal in den Filderraum mit einer Verlängerung der S-Bahn bis Nürtingen. Dort könnten Fahrgäste in Regionalzüge umsteigen, die über die Wendlinger Kurve auf der neuen S-21-Trasse via Flughafen gen Stuttgart fahren.

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