Der Biobauer Felix Leyde baut am Ortsrand von Rommelshausen auf einem Hektar versuchsweise Hanf an. Foto: Michael Käfer

Der Rommelshausener Landwirt Felix Leyde baut Hanfpflanzen an und bringt diese zur Dekoration auf Wochenmärkte in Stuttgart-Heumaden und Stuttgart-Zuffenhausen. Rauchen kann man diese jedoch nicht. Leyde hat etwas ganz anderes im Sinne.

Rems-Murr - Bei seinen Fahrten auf die Wochenmärkte in Heumaden und Zuffenhausen ist der Landwirt Felix Leyde aus Rommelshausen (Rems-Murr-Kreis) schwer beladen. Nicht nur Obst und Gemüse fährt der 53-Jährige nach Stuttgart, sondern er hat auch gewichtige Dekoration für seinen Stand eingepackt. Aus braunen und grünen Kübeln sprießen Hanfpflanzen, die Leyde neckische Sprüche einbringen. „Komm Felix, jetzt rauchen wir mal zusammen eine“, hört er immer wieder.

Das grüne Kraut mit den markanten Blättern ist dafür aber weder vorgesehen, noch geeignet. „In dem Material, das ich zur Dekoration auf den Heumadener und den Zuffenhausener Wochenmarkt bringe, ist garantiert keine nennenswerte Menge THC drin“, sagt Felix Leyde und meint den berauschenden Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC), der in seinem Nutzhanf lediglich noch in rauschtechnisch unbedeutenden Spuren vorkommt.

Anderthalb Meter hoch sind die Pflanzen

Zwei Sorten wachsen derzeit am Ortsrand von Rommelshausen an der Verbindungsstraße nach Stetten. Rund anderthalb Meter ragt der Faserhanf bereits in die Höhe, der weniger wüchsige Körnerhanf reicht dagegen noch kaum übers Knie. Die markante Stelle hat sich der Gärtnermeister bewusst als Pflanzort ausgesucht, denn „ich möchte, dass die Leute es sehen“.

Die uralte Kulturpflanze Hanf will er als landwirtschaftliche Kultur und Erwerbsquelle bekannter machen. „Hanf hat einen Geruch von Kriminalität und der muss weg“, sagt Felix Leyde, dessen Anbau gegen kein Gesetz verstößt und mit rund 600 Euro pro Hektar subventioniert wird. Allerdings muss er einige Auflagen beachten. So meldet er den Behörden nicht nur die Lage des Feldes, sondern auch den Blühzeitpunkt – denn nur anhand der Blüten ist Nutzhanf von den auch ihm verbotenen, berauschenden Sorten zu unterscheiden.

In diesem Jahr hat er zu spät ausgesät

„Es ist ein Pilotprojekt, ein Versuch“, sagt Felix Leyde. Einiges gibt es noch zu optimieren, so hat er dieses Jahr schlicht zu spät ausgesät. Statt im Mai sollten die öl- und eiweißhaltigen Samen bereits im März in den Boden. Für die interkommunale Gartenschau, die es 2019 entlang der Rems geben soll, testet er den bis zu vier Meter hohen Faserhanf als Grundlage eines Hanflabyrinths.

Um Faserhanf, der unter anderem als Dämmmaterial eingesetzt wird, in lohnenswerte Menge ernten zu können, ist der von Felix Leyde bepflanzte halbe Hektar zu klein. Deshalb wird er die Pflanzen häckseln und als Viehfutter einsetzen.

Lohnender sind die begehrten Hanfkörner, die ein Lohnunternehmer für ihn ernten wird. Allerdings hat ihm die Märkte Stuttgart GmbH kürzlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Aus grundsätzlichen Erwägungen“ könne man einen Verkauf von Hanfprodukten auf den Wochenmärkten nicht zulassen, schreibt deren Geschäftsführer Axel Heger an Felix Leyde. Dieser ist ob der Absage erbost und will sich so nicht abspeisen lassen. Immerhin hat die rasch wachsende und deswegen auch als Rohstoff für Biogasanlagen nutzbare Pflanze große Vorteile: „Ich muss für die Pflanzen keine Pestizide einsetzen.“ Unkraut wird schlicht überwuchert. Zudem sind die Samen ernährungsphysiologisch wertvoll. Auf Mittelaltermärkten wie in Waiblingen oder in Esslingen gehören Hanfburger längst zum Standardangebot der Imbissbuden.

Die Auflagen für medizinischen Hanf sind komplex

An den Anbau von medizinischem Hanf wagt sich Felix Leyde noch nicht heran. Die Preise für das bei Schmerzpatienten begehrte Produkt sind zwar attraktiv, weniger attraktiv sind hingegen die zu erfüllenden Auflagen. Bislang stammt medizinischer Hanf vor allem aus holländischer und chinesischer Produktion.

Während Felix Leyde völlig legal handelt, ist der Hanfanbau, egal welcher Sorte, im normalen Hausgarten verboten: Es fehlt schlicht die Möglichkeit zur Kontrolle. Anfängliche Befürchtungen, dass Saatgut von THC-reichen Pflanzen in seinen Acker geschmuggelt wird oder Jugendliche auf der Suche nach einem kostenlosen Joint mit der Schere anrücken könnten, „haben sich in keinster Weise bestätigt“, sagt Felix Leyde. Nur auf den Wochenmärkten muss sich der kreisweit einzige Hanfbauer gelegentlich neckische Sprüche anhören.

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