Sorgt der ÖPNV für weniger Autoverkehr? Darüber sind sich Landesnaturschutzverband und VVS nicht einig. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Wie wirkt sich die Tarifreform des VVS aus? Einerseits gibt es einen neuen Fahrgastrekord, andererseits sagt der Landesnaturschutzverband, das eigentliche Ziel, nämlich weniger Autos auf den Straßen, werde verfehlt. Das lässt der Verbund nicht auf sich sitzen.

Stuttgart. - Der Streit über den Fahrgastrekord im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) geht in eine neue Runde. Nach der Kritik des Landesnaturschutzverbandes (LNV), dass der Zuwachs nicht zu weniger Autos auf den Straßen führe, erntet dessen Sprecher Rudolf Pfleiderer nun Widerspruch von der VVS-Spitze.

Bevölkerung ist gewachsen

„Er ignoriert, dass die Bevölkerung in der Region Stuttgart in den letzten fünf Jahren um 120 000 Einwohner zugenommen hat“, entgegnet VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Auch die Zahl der Beschäftigten sei dank der guten Konjunktur rasant gestiegen. Diese Entwicklungen bedeuteten auch mehr Verkehr. „Dass der Autoverkehr bei der letzten Zählung an der Stadtgrenze nur um ein Prozent angestiegen ist, liegt auch daran, dass der öffentliche Verkehr stärker gewachsen ist als der motorisierte Individualverkehr“, sagt Stammler: „Ohne den Ausbau von Stadt- und S-Bahn wäre der Autoverkehr in der Region Stuttgart schon längst zusammengebrochen.“ Würden die 1200 Menschen, die mit einem Langzug der S-Bahn transportiert werden, mit dem Auto fahren, „gäbe es einen Stau von fünf Kilometern“, rechnet Stammler vor.

Steigerung im Berufsverkehr

In seiner Halbjahresbilanz 2019 hatte der VVS 192 Millionen Fahrten registriert, vier Millionen mehr als in den ersten sechs Monaten 2018. Dies sei ein Beweis dafür, dass die am 1. April in Kraft getretene Tarifreform wirke, sagte OB und VVS-Aufsichtsratschef Fritz Kuhn. Dem hatte Pfleiderer vom LNV-Arbeitskreis Stuttgart widersprochen. Das Ziel weniger Autoverkehr werde nicht erreicht, durch neue Straßenbauprojekte wie den Rosensteintunnel werde sogar mehr Verkehr nach Stuttgart gebracht. Zudem würden durch die Tarifreform nicht bisherige Autofahrer umsteigen, sondern vor allem bisherige ÖPNV-Nutzer öfter fahren. „Auch diese Vermutung ist falsch“, sagt Stammler. Das Wachstum im ÖPNV sei im Wesentlichen auf den Berufsverkehr zurückzuführen – „und da sind die Menschen kaum zum Vergnügen unterwegs“. Der Berufsverkehr sei seit der Tarifreform um 6,4 Prozent gestiegen, das Firmenticket werde gegenüber dem Vorjahr von zehn Prozent mehr Beschäftigten genutzt.

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