Wie geht es mit der S-Bahn rund um Stuttgart nach dem Jahr 2032 weiter? Die Region beginnt nun die Diskussion mit Fahrgästen, Bahnunternehmen und Herstellern.
Mehr als 100 Millionen Menschen sind im vergangenen Jahr – trotz aller Widrigkeiten – mit der S-Bahn Stuttgart unterwegs gewesen. Verantwortlich für den Betrieb ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Der Vertrag endet zwar erst 2032, aber schon jetzt steigt der Verband Region Stuttgart, der als sogenannter Aufgabenträger den S-Bahnverkehr organisiert und vergibt, in die Diskussion darüber ein, wie es nach 2032 weitergehen könnte.
Einsetzende Diskussion über die Zukunft der S-Bahn Stuttgart
Regionalpräsident Rainer Wieland sprach von einem „öffentlichen Startschuss“, den die Regionalräte bei einer Informationsveranstaltung am Montag in Stuttgart gegeben haben. Es gehe um weit mehr als bloß einen Vertrag, konstatierte Regionaldirektor Alexander Lahl: „Wir gestalten hier die Mobilität der Zukunft in der Region.“ Das sei nicht nur Verkehrs-, sondern auch „Standort- und Lebensqualitätspolitik“. Die enorme Bedeutung lasse sich auch an dem langen Vorlauf ablesen, mit dem sich die Region an das Vorhaben mache.
Wie sind die Rahmenbedingungen?
Der aktuelle Verkehrsvertrag läuft bis ins Jahr 2032. Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler nannte weitere Kennzahlen: Die Züge sind rund 14 Millionen Kilometer pro Jahr in der Region unterwegs. 215 Bahnen sind dafür im Einsatz. Das wirtschaftliche Gesamtvolumen bezifferte Wurmthaler auf 300 bis 350 Millionen Euro pro Jahr. Noch während des laufenden Vertrages werde sich das Netz vergrößern und diese Entwicklung auch nach 2032 anhalten. Noch befinde man sich in der Phase der Markterkundung. Der eigentliche Wettbewerb solle im Sommer 2026 beginnen. Und im zweiten Halbjahr 2027 soll feststehen, welches Bahnunternehmen künftig für die S-Bahn Stuttgart zuständig ist.
Wie ist die Marktlage?
Die Perspektive der Bahnunternehmen legte Ulrich Weber dar, der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) im Land. Ernüchternd waren vor allem die Zahlen mit Blick auf den Wettbewerb, die Weber mitbrachte. Gab es im Jahr 2019 noch durchschnittlich 2,2 Angebote pro Ausschreibung im Bereich des Schienenpersonennahverkehrs, sank diese Quote im Jahr 2023 auf 1,5. Alexander Gerum, der Projektleiter S-Bahn München bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, machte auch keine Hoffnung auf einen allzu intensiven Wettbewerb. Bei der jüngsten Ausschreibung in der bayerischen Landeshauptstadt habe es nur ein Angebot gegeben.
Nur wenig Bewegung gibt es bei der Verteilung zwischen den Netzen, in denen die Deutsche Bahn unterwegs ist, und jenen, in denen private Konkurrenten zum Zuge gekommen sind. Der Anteil der DB lag im Jahr 2019 bei 64 Prozent, im Jahr 2023 waren es noch 59 Prozent.
Was fordern die Fahrgäste?
Wie sich der S-Bahnverkehr nach 2032 aus Sicht der Passagiere weiterentwickeln sollte, zeigten die Verbandsvertreter Jutta Pagel-Steidl vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung, Ulrich Arndt von Pro Bahn, und Gero Treuner vom Verkehrsclub Deutschland auf. Alle drei forderten, dass vor allem die zuletzt stark zurückgegangene Zuverlässigkeit wieder besser werden müsse. Der Pünktlichkeit sei der Vorzug vor einem weiteren Ausbau des Angebots zu geben.
Ulrich Arndt warb dafür, in neuen Zügen nicht an der Einrichtung zu sparen. „Wir konkurrieren hier mit dem Auto mit entsprechender Ausstattung“. Treuner forderte, mehr Züge vorzuhalten, die im Störungsfall eingesetzt werden können.
Wann könnten neue Züge unterwegs sein?
Teile der heutigen S-Bahnflotte, die sich aus einer älteren und einer jüngeren Baureihe zusammensetzt, erreichen demnächst das Ende ihrer Nutzungsdauer. Bei einem langlaufenden neuen S-Bahnvertrag gilt das auch für den Rest der Züge. Daher muss sich die Region auch mit dem Thema Neubeschaffung befassen. Vertreter der Hersteller Alstom und Siemens – das Schweizer Unternehmen Stadler hatte kurzfristig abgesagt – machten deutlich, dass der Zeitplan ambitioniert aber noch beherrschbar sei, vorausgesetzt man entscheide sich für ein Produkt, das nicht mehr erheblich für den Einsatz im Stuttgarter S-Bahnnetz modifiziert werden muss. Rund sieben Jahre seien zwischen dem Vertragsabschluss und der Auslieferung der Züge anzusetzen.