Begrünte Dächer sind ein Beitrag zum Klimaschutz. Foto: Fachvereinigung Bauwerksbegrünung/Andrea Warnecke

Der Klimawandel treibt auch die Regionalpolitik um – mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Während es für ein neues Kompetenzzentrum für Gebäudebegrünung Beifall gibt, werden regionale Aktivitäten im Energiesektor abgelehnt. Was sind die Gründe?

Stuttgart - Von der Satellitenkommunikation über die Logistik und Technische Textilien bis zur industriellen Oberflächenreinigung – in der Region Stuttgart beteiligen sich aktuell mehr als 450 meist kleine und mittlere Unternehmen und gut 45 wissenschaftliche Einrichtungen an zehn Kompetenz- und Innovationszentren. Ihr Ziel ist es, die Kräfte von Wirtschaft und Wissenschaft zu bündeln, den Austausch anzuregen und die Ergebnisse der Forscher in marktfähige Produkte zu transferieren. Das jüngste Kind dieser Zusammenschlüsse ist das Kompetenzzentrum Gebäudebegrünung und Stadtklima mit Sitz in Nürtingen (Kreis Esslingen).

Modelldach in Stuttgart

„Der Klimawandel, zunehmende Versiegelung und abnehmende biologische Vielfalt machen es nötig, Stadträume konsequenter zu begrünen“, sagt Carola Pekrun, Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, die auch Vorsitzende des Vereins ist, der das Kompetenzzentrum trägt. Dort sind außerdem die Stadt Nürtingen, die Gemeinden Oberboihingen und Wolfschlugen, der Kreis Esslingen, die Verbände Gartenbau und Gebäudegrün sowie die in Nürtingen ansässige Firma Zinco vertreten, die mit der Nutzung des Dachs der Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen als Kunststoff-Skipiste international Schlagzeilen machte. „Wir stehen noch am Anfang, stoßen aber auf großes Interesse“, sagt Dieter Schenk vom Vereinsvorstand des Kompetenzzentrums. In Stuttgart soll im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA) ein Modelldach begrünt werden. Zur Finanzierung seiner Aktivitäten baut das Zentrum einen Prüfstand für Wurzelschutzprüfungen auf. Dort wird – gegen Gebühr – kontrolliert, ob das begrünte Dach ausreichend gegen Wurzeln abgedichtet ist.

Keine regionale Steuerung im Klimaschutz

Während das Engagement des Kompetenzzentrums vom Wirtschaftsausschuss der Regionalversammlung über die Fraktionsgrenzen hinweg begrüßt wurde, gab es über weitere regionale Aktivitäten zum Klimawandel und zur Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen durchaus kontroverse Ansichten. Der Verband Region Stuttgart verweist zwar auf seine Anstrengungen, den öffentlichen Nahverkehr, besonders die S-Bahn, und Fuß- und Radverkehre zu fördern, andere Bereiche wie der Energieverbrauch entzögen sich aber einer regionalen Steuerung.

Nach zwei Treffen sei auch ein regionaler Runder Tisch zum Klimaschutz mit Vertretern von Kreisen und Städten nicht mehr veranstaltet worden, weil es „ein Überangebot an solchen Veranstaltungen“ gebe, so Regionaldirektorin Nicola Schelling: „Es gibt keine Wissensdefizite bei den Kommunen, sondern es fehlt an Personal und an Geld.“ Einen Bericht über die Klimaschutzaktivitäten der Städte und ein regelmäßiger Austausch darüber, wie von der SPD beantragt, lehne die Verwaltung deshalb ab. Es bedürfe keiner regionalen Steuerung. Das sah auch eine Mehrheit im Wirtschaftsausschuss so. „Wichtig ist, etwas zu tun, und das ist Sache der Kommunen“, sagte Freie-Wähler-Regionalrat Wilfried Dölker. Der Grüne Ludger Eltrop gab freilich zu bedenken, dass gerade im Verkehr keine Effekte erzielt würden. Und Harald Raß (SPD) regte an, den Klimaschutz als eines der Ziele des Verbands sogar im Gesetz zu verankern.

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