S-Bahn in der Region Stuttgart Schwarzfahrer-Sperren nicht umsetzbar

Von Thomas Durchdenwald 

An den S-Bahn-Stationen in Stuttgart wird es keine Barrieren geben. Foto: Leif Piechowski
An den S-Bahn-Stationen in Stuttgart wird es keine Barrieren geben. Foto: Leif Piechowski

Wegen des hohen Anteils an Schwarzfahrern auf der Stammstrecke der S-Bahn in Stuttgart, wurde auf Antrag der CDU-Fraktion geprüft, ob Zugangssperren wie in Paris sinnvoll wären. Das Ergebnis: nicht praktikabel. Wir nennen die Gründe.

Stuttgart - Was tun gegen Schwarzfahrer in der S-Bahn? Rund 16,5 Millionen Euro gingen dem VVS im vergangenen Jahr verloren, weil Fahrgäste für Busse und Bahnen im Verbundgebiet kein Ticket kauften – so eine interne Schätzung. Ein erklecklicher Teil, so wird vermutet, entfällt auf die unterirdische Stammstrecke in Stuttgart, weil dort wegen der kurzen Fahrtzeit zwischen den Haltestellen kaum kontrolliert werden kann und viele Fahrgäste unterwegs sind. Deshalb kam die CDU-Fraktion in der Regionalversammlung auf die Idee, an diesen Stationen Zugangskontrollen einzurichten. Nur wer einen Fahrschein hat, sollte auf den Bahnsteig kommen. Doch das wird es nicht geben: nicht praktikabel, so das Urteil von Bahn und VVS, dem sich am Mittwoch – mit den Stimmen der CDU – einhellig der regionale Verkehrsausschuss anschloss.

Beispiele in Paris und Barcelona

Touristen kennen es von Paris, London und Barcelona: Wer auf die Bahnsteige der dortigen U-Bahn will, muss ein gültiges Ticket durch ein Lesegerät ziehen, erst dann öffnet sich eine Sperre. Allerdings kann man auch die Nachteile erleben: Die Barrieren sind einerseits für sportliche Jugendliche leicht zu überspringen; andererseits brauchen Rad- und Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen und Reisende mit viel Gepäck oft Extraeingänge – und die müssen wiederum von Personal betreut werden.

Doch es gibt weitere Mankos. VVS und Bahn befürchten in den Hauptverkehrszeiten einen „deutlichen Fahrgastrückstau“ vor den Eingangskontrollen. Zudem müssten „umfangreiche bauliche Maßnahmen“ ergriffen werden, für die der Platz fehle und die zudem sehr teuer wären. Aber auch alle verfügbaren Tickets – vom DB-Fahrschein über das VVS-Ticket auf Papier oder elektronisch bis hin zu Sonderausweisen für Schwerbehinderte – müssten elektronisch gelesen werden können. Und: an Haltestellen mit S- und Stadtbahnverkehr wären unterschiedliche Zugangssysteme nicht realistisch. „Die Zugangskontrollen sind grundsätzlich möglich und würden vermutlich die Schwarzfahrerquote verringern, aber es gibt eine Reihe von Nachteilen für alle Kunden, und es verursacht hohe Kosten“, sagte der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler.

Weiter mit Großkontrollen

Damit bleibt es, wie es ist. Neben den Überprüfungen in den Zügen und Bussen wird es weiterhin unangekündigte Kontrollen an Zu- und Abgängen einzelner Stationen geben. Dabei werden laut der Bahn schon einmal vier bis acht Prozent aller Fahrgäste ohne Fahrschein angetroffen, ansonsten schätzt man die Schwarzfahrerquote auf zwei bis drei Prozent. Wer erwischt wird, muss 60 Euro bezahlen. Die Zahl der Prüfer in den S-Bahnen wolle die Bahn von 30 auf 44 erhöhen, sagte Wurmthaler.

Der regionale Verkehrsausschuss beschäftigte sich auch mit der Sicherheit im S-Bahnverkehr, die von der Bahn als „derzeit unkritisch“ eingestuft wird. Allerdings würden immer mal wieder schlafende Fahrgäste in den Nacht-S-Bahnen bestohlen, auch würden Bettler und Musikanten angetroffen. Die Bahn setzt auch auf die Videoüberwachung in allen S-Bahnzügen und auf allen Bahnsteigen und den Einsatz von Sicherheitsdiensten.

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