Bosch und Mercedes geben sich kämpferisch, wie die Region Stuttgart. Sie beschließt weitere Investitionen in Zukunftsfelder und redet von „Aufbruchstimmung“. Was ist gemeint?
Bei der Hauptversammlung von Mercedes und bei der Bilanz-Pressekonferenz von Bosch, jeweils am Donnerstag, wurde es einmal mehr deutlich: die Industrie steht vor enormen Herausforderungen, der weltweite Wettbewerb setzt speziell den Autobauern und allen daran hängenden Gewerken mächtig zu. Tausende von Arbeitsplätzen werden gestrichen, was die Region Stuttgart besonders hart trifft. Aber es gibt auch ermutigende Zeichen, wenn Mercedes in die Offensive geht, sowie Bosch zwar erstmals rote Zahlen schreibt und zugleich mutig investiert – um die Transformation im Unternehmen zu schaffen. „Wir müssen uns die Zuversicht hart erarbeiten“, sagt Bosch-Chef Stefan Hartung.
Hart erarbeiten – das ist ein gutes Stichwort generell im Blick auf den anstehenden strukturellen Wandel im Bereich der Wirtschaft, den die Politik flankieren muss. Während die wohl neue Landesregierung um Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) sich nur zögerlich formiert, hat der Verband Region Stuttgart in den vergangenen Wochen ein ganzes Bündel an konstruktiven Maßnahmen geschnürt, vom längerfristig angelegten Zukunftskonvent bis hin zu einem millionenschweren „Förderprogramm Zukunftstechnologien“. „Wir wollen in einer schwierigen Lage die Kräfte bündeln“, so jüngst der Regionaldirektor Alexander Lahl, „und die Stärke der Region weiterentwickeln.“
Stuttgart als Mekka der Brennstoffzellenforschung
Und jetzt kommen zwei weitere wichtige Bausteine hinzu, die der Wirtschaftsausschuss der Regionalversammlung in seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat: erstens ein ausgeklügelter Masterplan zur Stärkung der Startup-Szene in der Region sowie, zweitens, eine kleine, aber feine Finanzspritze für zwei wichtige Messen, die sich Wachstumsmärkten der Zukunft verschrieben haben: die „Quantum Effects“, die im Oktober stattfindet und der bahnbrechenden Quantentechnolgie gewidmet ist, sowie die „hy-fcell“, die ein Mekka der Brennstoffzelle ist. Neuauflage im März 2027.
Rund 300.000 Euro stellt der Verband Region Stuttgart dabei für ein umfangreiches Rahmenprogramm zur Verfügung, nachdem sich die in diesem Bereich seit 2024 bestehende Zusammenarbeit mit der Messe Stuttgart bewährt hat. Die Zusammenarbeit sei ein absoluter Erfolg, betonte CDU-Regionalrat Andreas Koch: Man spüre auf diesen Messen eine Aufbruchstimmung – „ein wohltuender Gegensatz zum allgemeinen Gejammere, dass alles auf einem absteigenden Ast sei“.
Zukunftsnetzwerk mit 14 Botschaftern aus Afrika
Im vergangenen Jahr ist es durch den Zuschuss der Region gelungen, bei rund 30 sogenannten Netzwerkveranstaltungen Fachleute aus Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Verbänden zusammenzubringen. Ein „Leuchturm“ war das CEO-Treffen von namhaften Unternehmensführern im Neuen Schloss als Plattform für den Austausch. Ein besonderes Highlight sei auch das Forum einer Global Partnership for African Development (GPAD) mit 80 hochrangigen Fachleuten und 14 Botschaftern afrikanischer Staaten gewesen, wie Messechef Roland Bleinroth und seine Mitarbeiter referierten.
Die Region Stuttgart verstärkt auch international zu positionieren und die „globale Sichtbarkeit zu erhöhen“, sei strategisch im Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte enorm wichtig, hieß es. Neben Afrika bestünden Chancen auch im Zusammenspiel mit Mittelamerika und Indien, so der SPD-Regionalrat Jürgen Kessing.