Sie gilt als größte Immobilienmesse Deutschland: die Expo Real Foto: Ingo Dalcolmo

Mit einem großen Stand hat sich die Region Stuttgart auf der Immobilienmesse Expo Real in München präsentiert. Die Eigenwerbung ist erfolgreich – aber es gibt auch Ausnahmen.

Stuttgart - Vieles mag sich ändern am Stand der Region Stuttgart auf der Immobilienmesse Expo Real in München, zwei Sachen sind so sicher wie der Stau auf dem Mittleren Ring: die lange Schlange an Anzugsträgern, wenn um die Mittagszeit die Maultaschen vom ehemaligen Hasenwirt Josef Stritzelberger aus Uhlbach (insgesamt 6000) serviert werden – und der Rundgang von Günther Oettinger. Auch diesmal werden dem Noch-EU-Kommissar, der ins Beratergeschäft einsteigt, und seiner Lebensgefährtin Friederike Beyer verschiedene Projekte erläutert, viele sind aus dem Kreis Böblingen. „Dieser Kreis ist in diesem Jahr prominent vertreten“, sagt Matthias Lutz von der regionalen Wirtschaftsförderung WRS, die seit 20 Jahren den Stand auf der größten Immobilienmesse Deutschland betreut.

Große Pläne in Böblingen

Rainer Ganske, CDU-Regionalrat und Geschäftsführer der städtischen Böblinger Baugesellschaft, kann zusammen mit dem Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) dem Parteifreund Oettinger gleich drei Projekte präsentieren: ein neues Quartier auf dem Flugfeld, die Nutzung eines innerstädtischen Gebiets mit Einzelhandel, Büros und Wohnungen sowie die Neubebauung des Postareals im Zentrum der Stadt, die ein Projekt der Internationalen Bauausstellung IBA werden soll. „Die Gesamtinvestition liegt bei 500 Millionen Euro“, sagt Ganske. Das städtische Wohnbauunternehmen tritt dabei wie ein Projektentwickler auf, der die Gebäude später weiter verkauft.

„Das können wir dann in den Mietwohnungsbau investieren“, umschreibt Ganske die Strategie. „Das ist ein kompletter Stadtumbau“, ergänzt Belz, der sich auch Anregungen für preisgünstigen Wohnraum holen will – etwa in Kombination mit Lebensmittelmärkten.

Esslingen präsentiert Projekte

Wenige Meter weiter ist Belz‘ Esslinger Amtskollege Jürgen Zieger (SPD) ins Gespräch vertieft. Die zur Hälfte der Stadt gehörende Esslinger Wohnungsbau GmbH zeigt ihre Projekte – von der Neuordnung des Hengstenberg-Areals über das Baugemeinschaftsmodell „Grüne Höfe“ in der Pliensauvorstadt bis zum Wohnquartier Flandernhöhe. „Auf der Expo Real spürt man den Pulsschlag der Branche“, sagt Zieger, der nach Strategien für die Betonbauten der Hochschule sucht, wo einmal 500 Wohnungen entstehen sollen. Auch dieses Projekt soll Teil der IBA werden, die auf dem Stand vertreten ist und ihr großes IBA-Netz mit mittlerweile 63 Vorhaben vorstellt.

Nirgendwo könne er in so kurzer Zeit so viele Kontakte pflegen, sagt auch der Stuttgarter Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne), der ziemlich entspannt am Stand sitzt: „Wir müssen keine Fläche anbieten, die Branche rennt uns die Türen ein“.

Hoher Flächenbedarf

Die Attraktivität der Region für Unternehmensansiedlungen und Investitionen sei ungebrochen, sagt auch Lutz. Rund 160 Hektar sind 2018 nachgefragt worden, in diesem Jahr ist es nicht weniger. Allerdings stünden nur etwa 100 Hektar jährlich zur Verfügung. Allerdings rechnet Lutz nur noch einige Jahre mit einem Mehrbedarf, bis die Transformation in der Automobil- und Maschinenbaubranche abgeschlossen sei. „Dann haben wir keinen großen Neuflächenbedarf mehr und können im Bestand wachsen“, sagt Lutz.

Südwesten „attraktiver Standort“

Fast jede Region, viele Kreise und Städte sind auf der Metropolregion vertreten, allein 71 aus Baden-Württemberg, denen Katrin Schütz als Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium im Viertelstundentakt einen Besuch abstattet. „Das zeigt, dass Baden-Württemberg ein attraktiver Standort ist und die Immobilienbranche eine bedeutende Rolle spielt“, sagt sie zum Abschluss des Marathonmesserundgang am Stand des Landes.

Streit über Telekom

Nicht immer gelingt die Eigenwerbung derart reibungslos. So preisen Lutz und Hans-Jürgen Bahde von der Gigabit-Region Stuttgart die Kooperation mit der Telekom zum Ausbau des Breitbandnetzes als Zukunftsprojekt, weil „Gewerbeflächen ohne Breitbandanschluss am Markt künftig nicht mehr nachgefragt werden.“ Da stimmt auch Axel Ramsperger vom Verein der Immobilienwirtschaft IWS zu. Doch er berichtet vor allem davon, wie wenig kooperativ sich die Telekom zeige, wenn Projektentwickler Glasfaseranschlüsse wollten. „Die sitzen auf dem hohen Roß“, sagt er über den Partner der Region – und direkt zu Bahde: „Sie haben den Bock zum Gärtner gemacht“. Private Initiativen müssten besser eingebunden und bürokratische Hürden abgebaut werden. Im „Home of Succes“, wie sich der zweistöckige und 440 Quadratmeter große Stand der Region nennt, hängt manchmal auch der Haussegen schief.

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