Regina Ille-Kopp hört als Leiterin des Hornmoldhauses auf. Foto: factum/Simon Granville

Fast zwanzig Jahre lang leitete Regina Ille-Kopp das Hornmoldhaus in Bietigheim-Bissingen. Sie hat das Hornmoldhaus jenseits der Stadtgrenzen bekannt und fit fürs 21. Jahrhundert gemacht. Ende März geht sie in Ruhestand.

Bietigheim-Bissingen - Es ist keine Seltenheit gewesen, dass sich Kinder nach einer Führung im Stadtmuseum Bietigheim-Bissingens mit „Tschüss, Frau Hornmold“ von Regina Ille-Kopp verabschiedet haben. „Das ist schon in Ordnung“, sagt die Museumsleiterin. Irgendwie stimmt es ja auch: Seit September 1999 ist sie die Leiterin des Stadtmuseums, davor hat sie auch schon am Aufbau des Hauses zum Museum mitgearbeitet. Unter Ille-Kopp wurde das Museum bunter, interaktiver, digitaler und auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Derzeit gibt es beispielsweise eine Kooperation mit einem Kunstmuseum im japanischen Kobe. „Deren letzter Partner war der Prado in Madrid“, sagt Ille-Kopp mit einem gewissen Stolz.

Am 1. April geht die 63-Jährige in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin wird Catharina Raible, die derzeitige Leiterin des Gerlinger Stadtmuseums. Mit dem Ausscheiden von Ille-Kopp geht in Bietigheim eine Ära zu Ende. Sehr am Herzen gelegen habe ihr stets, „als Museum für die Bürger da zu sein“, sagt sie. So konzipierte sie Ausstellungen nahe an den Einwohnern, zusammen mit Vereinen oder den Kirchen im Ort.

Einmal fuhr Ille-Kopp mit dem Floß die Enz entlang

Als vehemente Verfechterin einer zeitgemäßen Museumspädagogik legte sie Wert darauf, dass alle Ausstellungen den wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, aber gleichzeitig auch das persönliche Erleben der Besucher nicht zu kurz kommt. „Sie schätzen ein Kleidungsstück mehr, wenn Sie sich mal abgemüht haben, einen geraden Faden zu spinnen“, sagt sie. Und es gibt noch viel mehr Beispiele: So legte sie für eine Jungsteinzeit-Ausstellung mit Schülern auf einem Acker vor der Stadt ein Hirsefeld an. Für eine Flößerausstellung zimmerte sie mit Fachleuten ein Floß zusammen und fuhr damit auf der Enz entlang. „Da hat man erstmal gesehen, was für eine wahnsinnig anstrengende Arbeit das Flößen war.“ Bei der Ausstellung über die Renaissance gab es Würzwein und Hornmoldschnitten nach altem Rezept zu kosten. Und im Rahmen der Ausstellung über die Geschichte der Handarbeit warb sie per Facebook um Gehäkeltes – am Ende wurden sogar Häkelsäcke aus den USA ins Hornmoldhaus geschickt.

Für die Stelle beim Hornmoldhaus ging sie aufs Ganze

Die aus Crailsheim stammende Ille-Kopp war ursprünglich Gymnasiallehrerin, merkte aber schon während des Studiums der Germanistik und Geschichte, dass ihr die Museumspädagogik lag. Sie ließ sich als Beamtin länger beurlauben, um in diesem Bereich zu arbeiten, unter anderem in der Städtischen Galerie Bietigheim, im Landeskirchlichen Museum Ludwigsburg sowie im Römerhaus in Walheim. Als dann die Leitung des Hornmoldhauses frei wurde, ging sie aufs Ganze und kündigte beim Land, um sich bewerben zu können: „Für mich war das die Stelle, die ich mir schon immer vorgestellt habe.“ Seitdem war es ihr Ziel, das Museum „behutsam auf einen Stand zu bringen, der Menschen im 21. Jahrhundert anspricht.“

Im übrigen sei sie froh, dass die Stadt ihr als Leiterin große Freiheiten bei der Themenwahl gelassen habe: „Wir standen nie unter Druck, einen Publikumsknaller nach dem anderen zu liefern.“ Als Stadtmuseum habe man auch die Pflicht, sperrige Themen anzugehen. So auch das kommende, das sich mit Euthanasie beschäftigt. Der Titel für die aktuelle und damit letzte Sonderausstellung Ille-Kopps mit dem Thema Knöpfe habe übrigens schon festgestanden, als sie sich aus privaten Gründen fürs Aufhören entschieden habe, sagt sie. Titel der Ausstellung: „Knopf dran“.

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