Der Regenbogen ist innerhalb von vier Stunden entstanden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Initiative #wirsind0711 hat den „Kleinen Regenbogen“ als großes Visual auf den Wasen umgesetzt. Die Aktion ist eine Reaktion auf die Demo der sogenannten Querdenker, um zu zeigen, dass Stuttgart weltoffen, tolerant, liberal und verantwortungsbewusst ist.

Stuttgart - Sattes Pink, dunkles Orange, leuchtendes Blau über dicken weißen Tropfen! So erstrahlt nun der „Kleine Regenbogen“ von Sarah Gilgien auf dem Cannstatter Wasen beim Krämermarkt und nahe der Hall of Fame der Graffitisprayer. Aber er ist alles andere als klein. Etwa 45 auf 50 Meter misst die „Soforthilfe“ auf dem Asphalt, bestens von oben, der Mercedesstraße aus, zu sehen. Die Grafikdesignerin kreierte das Visual vor einem Jahr, setzte die Worte „Alles wird gut“ darunter, verbreitete ihn als Sticker in der Stadt. Zudem stellte sie das Motiv als kostenloses Printable auf ihre Website, der „kleinen Papeterie“, allen „Herzenserfreuern“ und „Mutmachern“ zur Verfügung. Den Regenbogen pinselte sie auf Papier, als es ihr nicht gut ging im ersten Lockdown. „Er baute mich auf“, nickt Gilgien. „Das wollte ich anderen weitergeben, Freude schenken. Überwältigend, ihn in dieser Größe zu sehen.“

Möglich machte dies das Stadtpalais, das mit der Initiative #wirsind0711 seit November 2020 Akteure aus Stuttgart miteinander verknüpft. Umgesetzt haben es die Macher des Studios Vierkant, die an der Schnittstelle von Design, Graffiti und Fassadengestaltung arbeiten, bei der Grafittischau des Museums für Stuttgart im Boot sind. Von 9 bis 13 Uhr setzten Philipp, Georg und Kai vom Design-Studio die enormen Bögen auf den Asphalt – mit umweltfreundlicher, wasserlöslicher Dispersionsfarbe. Das Ziel aller? Eintreten für Zusammenhalt und Verantwortungsgefühl, insbesondere nach der aus dem Ruder gelaufenen Demonstration am Karsamstag. „Querstellen gegen Querdenker“, sagt Philipp.

Man wolle an dem Thema dran bleiben, so der Museumsdirektor

Der Museumsdirektor Torben Giese betont, dass Demonstrationen legitim sind. Aber nach den Ereignissen sei es nun Zeit gewesen, ein Zeichen zu setzen in der Coronakrise. „Eines für uns selbst und auch für die Menschen draußen und außerhalb der Landeshauptstadt. Wir sind 0711, Stuttgart ist weltoffen, tolerant, liberal, verantwortungsbewusst.“ Und so hätten er und sein Team die Menschen zusammengebracht, um mit Visual und Texten den digitalen Raum zu besetzen – und auch den öffentlichen. „Wir bleiben dran“, so Giese. Konform mit den Coronaregeln: „Es geht darum, sichtbar zu sein, wie mit diesem enormen Regenbogen, aber auch um Gesundheitsschutz, also sicherzustellen, dass es keine Menschenansammlungen gibt.“

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