Polizeikontrolle am Bopser: Autofahrer bremsen, Unfälle gab es dennoch. Foto: Leif Piechowski

Nach den Schwerpunkt-Tempokontrollen zeigt sich auf Stuttgarts Straßen: Regen ist offenbar schlimmer als Rasen

Stuttgart - Auch wenn Stuttgarter Autofahrer langsamer und braver unterwegs sind, sinken deshalb noch lange nicht die Unfallzahlen. Dies ist die überraschende Erkenntnis nach dem sogenannten Blitzmarathon vor einer Woche. Am Tag der bundesweiten Schwerpunkt-Tempokontrollen hatte es in Stuttgart weniger erwischte Sünder, aber überdurchschnittlich viele Unfälle gegeben. Weil es regnete, heißt es.

Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten hat es am Donnerstag vor einer Woche in Stuttgart 89 Verkehrsunfälle gegeben, 14 davon mit Verletzten. An Donnerstagen kracht es sonst erheblich weniger: „Im Durchschnitt sind es rechnerisch 79,8 Unfälle“, erklärt Polizeisprecher Thomas Geiger auf Anfrage. Dies ist der Schnitt aus den Unfallzahlen im September 2013 und im Oktober 2012. Dabei gab es zwischen 75 und 88 Karambolagen in der Stadt.

Zumindest in Stuttgart dürfte der Blitzmarathon damit zwar das Geschwindigkeitsniveau gesenkt haben – nicht aber die Unfallzahlen. „Die starken Regenfälle an diesem Tag haben das sicher mit beeinflusst“, bilanziert Geiger. Der Blick auf den letzten Dienstag, bei dem es ebenfalls ausgiebig regnete, könnte dies bestätigen: Hier gab es 86 Verkehrsunfälle – eine ähnlich hohe Zahl.

Geschwindigkeit nur zu 4,6 Prozent Unfallursache

Regen ist offenbar schlimmer als Rasen – zumindest in Stuttgart. Beim Blick in die Unfallbilanz 2012 zeigt sich, dass Geschwindigkeit nur zu 4,6 Prozent die Unfallursache ist. Das bedeutet Platz sechs in der Tabelle – hinter unachtsamen Abbiege- und Wendemanövern, Vorfahrtsfehlern, Abstand, falschen Fahrstreifenwechseln und Alkoholeinfluss.

Im Landkreis Esslingen sind die Begleiterscheinungen des Blitzmarathons ähnlich. Gab es an den Donnerstagen zuvor 41 beziehungsweise 43 Unfälle, so stieg die Zahl am Aktionstag auf 57 Karambolagen. „Das lag wohl am Regen“, sagt der Esslinger Polizeisprecher Michael Schaal, „es gab nämlich keine Unfälle wegen zu hohen Tempos.“

Offensichtlich muss es an jenem 10. Oktober aber nicht überall geregnet haben. Etwa im Kreis Ludwigsburg, wo es 25 Unfälle gab – nach 19 bis 32 Karambolagen an den Donnerstagen zuvor. Auch im Kreis Böblingen sind die 31 Unfälle während des Blitzmarathons nichts Ungewöhnliches. Die Zahlen lagen zuletzt zwischen 31 und 40 Karambolagen. „Wir haben keine Erklärung“, sagt der Böblinger Polizeisprecher Eckhard Salo. Man könne nur feststellen, dass die Autofahrer „erheblich langsamer, geradezu übervorsichtig unterwegs“ gewesen seien. Eine Erklärung gibt es auch bei der Waiblinger Polizei nicht – die hat gar keine Zahlen erhoben.

Der Blitzmarathon war am 10. Oktober erstmals in ganz Baden-Württemberg gestartet worden. Mit Vorankündigung in den Medien sollten Raser gebremst und Unfallgefahren verringert werden. Tatsächlich wurde langsamer gefahren. Die Quote erwischter Temposünder sank von zehn auf 2,7 Prozent. Für den Autofahrer-Verein Mobil in Deutschland war das „nach der schlechten Show ein Happy End für die Autofahrer“.

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