Ein Kind mit Fieber geht weder in normalen noch in Coronazeiten in die Betreuungeinrichtung. Aber wie ist es bei einem einfachen Schnupfen Foto: dpa-tmn/Andrea Warnecke

In manchen Kitas sind Rotznasen kein Problem, in anderen müssen Eltern die Kleinen beim ersten Niesen abholen. Träger und Eltern fordern jetzt einheitliche Regeln vom Land, wie mit Erkältungssymptomen umgegangen werden soll.

Stuttgart - Die Fragen beschäftigen derzeit viele Verantwortliche, Erzieher und Eltern im Land: Darf ein Kind in Cornazeiten mit laufender Nase eine Kita besuchen? Wann ist ein Kind gesund – und: braucht es dazu ein Attest? Die Verunsicherung ist groß, die Regelungen je nach Träger und Kommune unterschiedlich. Das treibt teilweise seltsame Blüten: In manchen Einrichtungen sind Kinder mit Rotznasen kein Problem, in anderen müssen Eltern den Nachwuchs beim ersten Niesen aus der Betreuung abholen. Ärzte sollen attestieren, dass ein klassischer Schnupfen unbedenklich ist. „Ich kenne einen Fall, in dem eine Mutter einen negativen Covid-19-Test für ihr Kind vorweisen konnte, aber die Kita trotzdem verlangte, dass ein Arzt den Schnupfen begutachtet“, sagt Oliver Ruhmann vom Landeselternbeirat Kita (LEBK).

Der LEBK kritisiert das Regelungschaos: „In Stuttgarter Kitas brauchen Kinder kein Attest, in anderen Gemeinden schon. Wir fordern ein einheitliches Vorgehen“, sagt Ruhmann. Wenn Kinder bei jedem Schnupfen daheim bleiben müssten, hätten Eltern außerdem erneut ein massives Betreuungsproblem. Der Landesverband der Kinder- und Jugendärzte hatte kürzlich für die nahende Erkältungszeit vor einer „Patientenflut“ in den Praxen gewarnt und empfohlen, Kinder mit einem einfachen Schnupfen in die Kitas gehen zu lassen.

Schnupfen ist kein Covid-19-Symptom

Mittlerweile hat das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg Empfehlungen für den Umgang mit Erkrankungen in Schulen und Kindertagesstätten erstellt. Darin werden unter anderem Covid-19-Symptome aufgelistet. Diese seien „Fieber, Husten, Halsschmerzen sowie Geruchs- und Geschmacksstörungen“. Weise ein Kind oder Mitarbeiter eines oder mehrere dieser Anzeichen auf, dürfe der Betroffene die Einrichtung nicht mehr betreten und sollte sich zur Abklärung an einen Arzt wenden, empfiehlt das LGA. Wie mit Schnupfen zu verfahren ist, darauf geht das LGA nicht ein.

Klare Empfehlungen gibt es hingegen zu der Frage, ob Erzieher und Kinder im Krankheitsfall ein Gesundschreibung brauchen: Liege eine Covid-19-Infektion vor, müssten die geltenden Quarantäne-Bestimmungen eingehalten werden, schreibt das LGA. Ist die Person an etwas anderem erkrankt, kann sie wieder kommen, wenn ein Arzt es für verantwortbar hält. In beiden Fällen müsse weder „ein negativer Virusabstrichbefund noch ein ärztliches Attest“ vorgelegt werden.

Verbände wünschen sich einheitliche Linie

Dennoch wird gerade die Attestpflicht von den Kitas unterschiedlich gehandhabt. „Das Vorgehen stimmen die Träger bislang auf kommunaler Ebene mit den Behörden und Ämtern ab“, sagt Bettina Stäb vom Evangelischen Landesverband Tageseinrichtungen für Kinder in Württemberg. Ihr Verband wünscht sich deshalb schnell einheitliche Vorgaben von Seiten des Landes. Man sei in Gesprächen mit den zuständigen Ministerien und Ämtern dazu. Ähnlich formuliert es Irme Stetter-Karp, zuständig für die Kitas im Bereich der Diözese Rottenburg-Stuttgart: Man warte auf eine Handreichung des Kultusministeriums für eine einheitliche Linie.

In anderen Bundesländer ist man da schon weiter. In Schleswig-Holstein ist unter anderem klar geregelt, dass ein Kind mit Schnupfen 48 Stunden zur Beobachtung zuhause bleiben soll. Kommen in dieser Zeit keine weiteren Symptome dazu, darf es zurück in die Kita – ohne Attest.

Testergebnisse lassen für Träger zu lang auf sich warten

Waltraud Weegmann, Geschäftsführerin des privaten Kita-Betreibers Konzepte sieht aber noch ein anderes Defizit: „Es dauert derzeit viel zu lang, bis ein Testergebnis vorliegt“, sagt Weegmann und nennt ein Beispiel aus einer ihrer Einrichtung. Weil neun Erzieher und mehrere Kinder über Erkältungssymptome klagten, wurde die Kita vorsichtshalber geschlossen, bis die Testergebnisse vorlagen. „Bei manchen waren sie nach zwei Tagen da, aber bei anderen warteten wir nach vier Tagen immer noch darauf“, sagt Waltraud Weegmann. Von der Landesregierung, die derzeit an einer Teststrategie für Kitas und Schulen arbeitet, fordert Weegmann deshalb, Testzentren einrichtet, die rund um die Uhr offen stehen und innerhalb weniger Stunden Ergebnisse liefern.

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