Die Retter kommen kaum noch hinterher – doch eine grundlegende Reform des Rettungswesens ist nicht abzusehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die deutsche Notfallrettung krankt. Doch gegen einen grundlegenden Kurswechsel gibt es viele Widerstände.

Stuttgart - Die Schreckensmeldungen aus dem deutschen Rettungsdienst reißen nicht ab. Täglich hagelt es neue. Überall fehlt Personal. Wagen können nicht mehr besetzt werden. Bei vielen Einsätzen kommen die Retter später als erlaubt. Übergriffe auf die Mitarbeiter häufen sich. Die Zahl der Notrufe steigt ständig an – und es sind immer mehr unnötige dabei.

All das ist bekannt. Und die Helfer tun, was sie können. Doch sie sind immer mindestens einen Schritt hinterher. Haben sie endlich das Personal gefunden, um zusätzliche Fahrzeuge zu besetzen, ist die Zahl der Einsätze längst schon weiter gestiegen. Das System holpert an allen Ecken und Enden. Und doch gleichen alle Verbesserungsversuche nur dem Kratzen an der Oberfläche.

Krankenkassen müssten mehr investieren

Viele Fachleute fordern schon lange einen großen Wurf. Doch das deutsche Rettungswesen grundlegend zu reformieren gleicht einer Besteigung des Mount Everest ohne Sauerstoff. Man braucht einen langen Atem, um den steilen und steinigen Weg gehen zu können. Gründe dafür gibt es viele. Da ist das Problem, dass die Bundesländer unterschiedliche Strukturen haben. Gegen eine Vereinheitlichung gäbe es massive Widerstände. Auch die arrivierten Hilfsorganisationen dürften Bluthochdruck bekommen. Und die Krankenkassen wenden derzeit derart wenig Geld für den Rettungsdienst auf, dass jedwede Änderung für sie nur teuer werden kann.

Die Björn-Steiger-Stiftung hat schon einmal dicke Bretter gebohrt, um das deutsche Rettungswesen zu kurieren. Sollte das jetzt erneut gelingen, wäre das wohl das Erreichen des höchsten Gipfels.

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juergen.bock@stuttgarter-nachrichten.de

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