Drahtloses Internet gibt es schon in einigen S-Bahnen in Stuttgart. Werbung auf den Zügen zur Finanzierung des WLAN wird es dagegen nicht geben. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

3,5 Millionen Euro kostet die Ausstattung aller 157 S-Bahnen in der Region Stuttgart mit WLAN. Die CDU wollte das geld durch Werbung auf den Zügen wieder reinholen. Doch das rechnet sich nach Ansicht der Region nicht.

Stuttgart - Der Verband Region Stuttgart hat als Auftraggeber der S-Bahn geprüft, ob es sich lohnen würde, Werbeflächen auf den Zügen im Ballungsraum zu verkaufen. Das Ergebnis: Es lohnt sich nicht. Deshalb hat der regionale Verkehrsausschuss beschlossen, dass die S-Bahnen werbefrei bleiben.

Die CDU-Fraktion hatte die Prüfung beantragt, weil sie dadurch einen Teil der 3,5 Millionen Euro wieder reinholen wollte, die das WLAN in allen 157 S-Bahnen kostet. Die Züge werden derzeit mit Routern ausgestattet. „Das geht flott voran“, sagt Wirtschaftsdirektor Jürgen Wurmthaler. Bis zum Sommer 2019 soll das drahtlose Internet in allen Bahnen frei empfangbar sein.

Die Hoffnung auf eine teilweise Refinanzierung der Kosten durch Werbung erfüllt sich allerdings nicht. Über die Werbetochter der Bahn, die Firma Ströer, hat sich Wurmthaler informiert, wie das mit der Werbung andernorts so läuft. Er hat herausgefunden, dass in München auf zehn Zügen Werbung klebt – ähnlich wie in anderen Großstädten. In Hannover ist sogar nur Werbung für sechs Züge verkauft worden. Bei gut 60 000 Euro Erlös pro Fahrzeug und Jahr blieben nach Abzug der Aufwendungen rund 30 000 übrig. Der Verband bekäme davon gemäß dem aktuellen Verkehrsvertrag 30 Prozent. Bei zehn Zügen, wie sie andernorts vermarktet werden können, blieben also rund 90 000 Euro übrig. Zu wenig, findet Jürgen Wurmthaler und empfahl dem Ausschuss, nicht mit der Bahn über das Thema zu verhandeln.

S-Bahnen stehen oft genug im Depot

Zwei weitere Argumente sprächen gegen die Werbung: Erstens hat Wurmthaler Sorge, dass eine S-Bahn mit Werbung im Einzelfall kaum mehr als S-Bahn wahrgenommen werden könnte. Zweitens müssten die Züge zum Bekleben in die Werkstatt, und das müssen sie wegen Nachrüstungen wie aktuell mit WLAN oder auch mit den neuen Schiebetritten schon oft genug.

„Wir haben genug betriebliche Restriktionen“, sagte Michael Makurath (SPD) in der jüngsten Sitzung, da brauche man für diesen Ertrag nicht noch eine weitere. Wolfgang Hoepfner (Linke) wies auf die Ansprüche der Werbetreibenden hin, die ungewiss seien und weitere Probleme bringen könnten. Das Gremium stimmte dafür, keine ­Werbeflächen zu verkaufen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: