Abenteuerlich und ein Gefühl von Freiheit: Die X-Alps-Teilnehmer sind tagelang zu Fuß und mit dem Gleitschirm unterwegs. Jonathan Kalmbach (rechtes Bild, re.) unterstützte seinen besten Freund Samuel Tanner. Foto: Moritz Gellermann (li..), privat

Sponsor Red Bull bezeichnet das X-Alps als größtes Abenteuerrennen der Welt. Jonathan Kalmbach war als Supporter eines Starters dabei. Der Gärtringer schildert seine Erlebnisse.

Spricht man mit Gleitschirmflieger Jonathan Kalmbach über Red Bull X-Alps, geht es mehrmals um Risiko und darum, wie man es managt. Aber ebenso um absolute Highlights. Kein Wunder. Schließlich unterstützte der Gärtringer in diesem Jahr als sogenannter Supporter einen Starter bei dem Event.

 

Die Organisatoren bezeichnen den Wettbewerb als das größte Abenteuerrennen der Welt. Die Teilnehmer sind zu Fuß und per Gleitschirm tagelang in den Alpen unterwegs. Jonathan Kalmbach spricht inzwischen zusammen mit seinem besten Freund und Teilnehmer Samuel Tanner über die Erlebnisse – auch in Vorträgen wie am 29. November in Baiersbronn (merh dazu im Infokasten).

Gärtringer spricht in Vorträgen über Red Bull X-Alps

Dort, im Nordschwarzwald, beginnt auch sein Bezug zum Gleitschirmfliegen. Wie es vor wenigen Jahren dazu kommt, ist kurios. Weil sich bei einem Kumpel eine Blase bildet, müssen die beiden einen Wandertrip im Allgäu abbrechen und satteln kurzfristig auf einen Schnupperkurs beim Gleitschirmverein in Baiersbronn um. Jonathan Kalmbachs Vater fliegt schon länger, und auch seinem Sohn sagt der Sport zu. „Es hat doch mehr Spaß gemacht als gedacht“, schmunzelt dieser.

Am Tag des Aufnahmetests für das Medizinstudium in Österreich lernt der heute 23-Jährige dann Samuel Tanner kennen, der bereits seit seiner Kindheit fliegt. In Innsbruck, wo der Gärtringer seit 2022 lebt, entwickelt sich seine Leidenschaft dann richtig. Inzwischen ist er sogar Teil des österreichischen Juniorenkaders. 2023 begleitet er Samuel Tanner zu dessen erstem Hike and Fly – heißt: einen Berg erklimmen und dann per Gleitschirm runterfliegen. „Das lief eigentlich echt gut.“

Jonathan Kalmbach (re.), der Samuel Tanner hier am Bein behandelte, unterstützte den X-Alps-Starter tagelang bei dem Wettkampf. Foto: Moritz Gellermann

Später bewirbt sich Samuel Tanner auf X-Alps und bekommt in einem Livestream tatsächlich die Zusage. Jonathan Kalmbach, der gerade in einer Vorlesung sitzt, bemerkt das vor seinem Freund. „Ich bin gleich zum Labor gerannt, in dem Samuel ein Praktikum hatte.“ Gestikulierend am Fenster macht er deutlich: Du hast einen der begehrten Plätze ergattert.

„Ab da hat es eigentlich so richtig angefangen“, erinnert sich Jonathan Kalmbach an die einjährige Vorbereitung. „Es war einfach sehr viel Organisationsaufwand mit Sponsoren, Fahrzeugen und dem Aufstellen eines Teams. Neben dem Studium war das schon oft an der Grenze.“ Ein Unternehmen stellt ihnen kurz vor dem Start noch zwei Camper-Vans zur Verfügung. Ihr Team kann dadurch größer werden, ein Umplanen wird nötig.

Eine Physiotherapeutin ist nun mit an Bord. Samuel Tanners Bruder kocht, ein Fernsupporter und zwei Studenten helfen ebenfalls mit. Der Gärtringer und ein weiterer Kollege unterstützen Samuel Tanner derweil direkt bei der Tour. Einer von ihnen fährt den Camper zum nächsten Stop, und der andere begleitet den Athleten zu Fuß auf den Routen. Dieser muss dann nur die Pflichtausrüstung tragen. Weitere Aufgaben des mehrköpfigen Teams an Unterstützern: die Routen der anderen Teilnehmer im Blick behalten, die Wetteraussichten beobachten, frische Sportkleidung parat haben und die Essensvorräte verwalten.

Dass der Wettbewerb kein Zuckerschlecken ist, machen die Zahlen deutlich. Laut Red Bull warten täglich bis zu 4000 Höhenmeter und 100 Kilometer zu Fuß. Die insgesamt 1283 Kilometer lange Strecke beinhaltet 16 Stationen. Sie führt von Kitzbühel über Orte wie St. Moritz und die Zugspitze bis nach Zell am See. Und letztlich durch fünf Länder: Österreich, die Schweiz, Frankreich, Deutschland und Italien. Die Athleten müssen eine siebenstündige Ruhezeit einhalten, bevor sie am nächsten Tag weitermachen. Zwölf von ihnen steigen vorzeitig aus. Samuel Tanner gehört nicht dazu. Er kommt nach zehn Tagen als Neunzehnter ins Ziel.

Doch die Platzierung hat die Gruppe um Samuel Tanner zu der Zeit längst nicht mehr im Kopf. „Das war uns nach dem zweiten Tag völlig egal“, erinnert sich Jonathan Kalmbach. Der Grund: „Der Anfang war echt super chaotisch.“ Gleich am ersten Tag gehörte das Team zu denjenigen, die witterungsbedingt in den Dolomiten festsaßen. Tags darauf herrschte dann ein starker Wind in den Alpen, die Bedingungen waren heftig. „Wir haben uns echt lange Gedanken gemacht, ob es Sinn macht, so viel Risiko überhaupt einzugehen für den Wettbewerb“, sagt Jonathan Kalmbach. Sie entscheiden sich dafür, X-Alps als Abenteuer zu sehen und sich nicht zu sehr hetzen zu lassen.

Kurz vor Schluss, nach der Zugspitze, ereilt Samuel Tanner wie schon einmal zuvor erneut eine starke Müdigkeit. Er schläft im Gleitschirm hängend ein und wacht mitten über dem Tal schwebend auf. Er weiß nicht, wie er dort hinkam. Doch das Ende verläuft trotz dieses kleinen Schocks erfreulich, das Abenteuer bleibt mit ein bisschen Abstand in guter Erinnerung.

„Direkt nach dem Wettbewerb war für uns beide eigentlich klar: nie wieder. Dann hat es sich aber aufgelockert“, berichtet Jonathan Kalmbach und verspricht: „Wenn Samuel nochmal mitmacht, dann bin ich sicher wieder als Supporter dabei.“ Die „saucoole Erfahrung“, wie er es ausdrückt, möchte er irgendwie doch nicht missen. „Als Team wächst man zusammen, es ist voll das Abenteuer und das Gefühl von Freiheit“, schwärmt er.

Gelernt hat er vor allem viel zum Thema Risikoabwägung. Wann gehe ich an Grenzen? Wann unterlasse ich ein Risiko? Eine wiederholt nötige Entscheidung, die nicht jedem leichtfällt, und die für Jonathan Kalmbach einen faden Beigeschmack hinterlässt. „Dass Risiko mehr ausmacht als das reine Können, hat es für mich irgendwie entzaubert“, meint er. Eine Bewerbung für eine Teilnahme in den nächsten Jahren will er dennoch nicht ausschließen. Von der Leidenschaft für hohe Bergen wie in Innsbruck, so glaubt er, kommt er ohnehin nicht mehr weg.

X-Alps-Vorträge

Termin
Teilnehmer Samuel Tanner und Supporter Jonathan Kalmbach berichten an mehreren Orten über ihre Erfahrungen bei X-Alps. Am Samstag, 29. November, tun sie dies von 18.30 Uhr bis etwa 21.30 Uhr im Baiersbronner Rosensaal (Rosenplatz 1). Einlass ist ab 17.30 Uhr.

Tickets
Karten für zehn Euro sind bis 24. November per Mail an xalps@wolke7.net erhältlich. An der Abendkasse kosten sie dann zwölf Euro.