Seit Jahren bessern Vereine ihre Kassen auf, wenn sie mit Ehrenamtlichen Altpapier und Kartonagen sammeln.Foto: Patricia Sigerist/Archiv Foto:  

Weil der Erlös für Altpapier sinkt, will der CVJM Rommelshausen seine Sammlung vorerst einstellen. Die Vereinsfreunde aus Fellbach warten noch ab – reduzieren aber die Anzahl der jährlichen Abholung von bisher drei auf zwei Termine.

Fellbach - Für alle, die mit Altpapier Geld verdienen wollen, hat das neue Jahr schlecht begonnen, denn die Erlöse für das Recyclingmaterial sind in den Keller gegangen. Mit viel zu geringen Erlösen begründet jedenfalls der CVJM aus Rommelshausen die Entscheidung, künftig keine Sammlungen mehr anzubieten.

Bis um ein Drittel würden demnach die Einnahmen sinken

Die letzte Aktion haben die Mitglieder für Samstag, 15. Februar, angekündigt. Anders sieht es beim CVJM Fellbach aus. Dort will man die Preisentwicklung abwarten und die Sammlungen fast wie gewohnt fortsetzen – die Schlagzahl soll allerdings verringert werden.

Von einem „erdrutschartigen Preisverfall“ auf dem Altpapiermarkt spricht Markus Käfer, der beim CVJM Rommelshausen die Sammlungen mit Ehrenamtlichen organisiert und den Wegfall einer wichtigen Einnahmequelle für den Verein beklagt. Während die Erlöse für Altpapier im Jahr 2018 schon um einige Euro pro Tonne gesunken seien, habe die Alba Group, die in Waiblingen ein Lager unterhält, und bei der der CVJM Rommelshausen anliefert, nun einen erheblichen Preisrückgang angekündigt. Bis um ein Drittel würden demnach die Einnahmen sinken, die der CVJM mit dem Altpapier in diesem Jahr noch erzielen könne.

Das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag habe sich für den CVJM in den vergangenen Jahren immer mehr verschlechtert

Gleichzeitig steige der finanzielle Aufwand für die Bereitstellung von Containern, erläutert Käfer. Bis zu 60 Euro müsse der Verein beispielsweise für den Container berappen, den der Entsorger am Tag der Sammlung an der alten Kelter aufstellt und in dem das komplette Sammelgut landet. Auch für die Leerung des Containers, den der CVJM seit Jahren an der Mauritiuskirche in Rommelshausen bereithält, würden dem Verein Kosten in Rechnung gestellt.

Das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag habe sich für den CVJM in den vergangenen Jahren immer mehr verschlechtert, da die Papiermengen zurückgegangen seien. Während die Ehrenamtlichen vor Jahren bis zu 30 Tonnen Papier pro Sammlung erhalten hätten, seien es seit Einführung der blauen Tonne, mit der die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) das Altpapier aus den Haushalten im Kreis holt, nun nur noch vier bis fünf Tonnen.

Durch den starken Preisverfall würden nun sogar Verluste durch die Vereinssammlung entstehen

Deshalb soll die Aktion am Samstag nach jahrzehntelanger Sammeltätigkeit die vorerst letzte sein. Angesichts des Preisverfalls auf dem weltweiten Altpapiermarkt sei eine Abnahme durch das seitherige Entsorgungsunternehmen nicht mehr möglich und zwinge somit den CVJM, die Sammlungen auf unbestimmte Zeit auszusetzen, wie er veröffentlicht.

Ein Sprecher der Alba Group reagiert überrascht auf diese Ankündigung des CVJM Rommelshausen und erklärt, Alba habe seit einigen Jahrzehnten die Vereine im Rems-Murr-Kreis bei den Vereinssammlungen von Altpapier unterstützt, obwohl sich das finanziell für sein Unternehmen nicht recht gelohnt habe.

Die schlechte Ertragslage treibt auch den CVJM Fellbach um

In einer Stellungnahme heißt es: „Zusätzlich zu den Zahlungen an die Vereine fallen auch Kosten für die Mitarbeiter, die Sortierung, die Fahrzeuge und Anlagen an.“ Durch den starken Preisverfall würden nun sogar Verluste durch die Vereinssammlung entstehen. „Denn die Erlöse liegen inzwischen unter jenen 45 Euro, die wir allein schon an die Vereine auszahlen.“ Alba begründet die Preisentwicklung mit den großen Mengen Altpapier, die aus den Nachbarländern auf dem deutschen Markt angeboten werden, während gleichzeitig die Nachfrage konjunkturbedingt schwächele. „Deshalb müssen wir mit großem Bedauern diese schöne Tradition zunächst einstellen“, erklärt der Alba-Sprecher.

Die schlechte Ertragslage treibt auch den CVJM Fellbach um, der die Firma Degenkolbe in Bad Cannstatt beliefert. Man wolle die Entwicklung abwarten und die Sammlungen von drei auf zwei in diesem Jahr verringern, sagt Jörg Pfander, der seit rund zehn Jahren die Sammlungen organisiert. Auch wenn es immer schwieriger werde, dafür jeweils bis zu 100 Helfer zu mobilisieren, sei das Miteinander von Jung und Alt im CVJM ein großes Anliegen. Glücklicherweise sammle sein Verein auch Altkleider, das sei momentan deutlich lukrativer als Altpapier.

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