Das Verschenk-Häusle im Wertstoffzentrum Böblingen-Hulb wird für den Start vorbereitet. Foto: factum/Simon Granville

Auf dem Wertstoffhof in Böblingen-Hulb gibt es jetzt einen Platz, an dem gebrauchte Dinge zum Verschenken abgegeben werden können. Die Mitarbeiter werden darüber wachen, dass aus dem Verschenk-Häusle kein Sperrmüll-Container wird – wie es häufig der Fall ist.

Böblingen - Bisher ist im Wertstoffzentrum in Böblingen-Hulb nur ein leerer, ausgedienter Büro-Container zu sehen. Doch schon bald, von diesem Dienstag an, soll sich das sogenannte Verschenk-Häusle füllen: Mit Büchern, Spielzeug, Sportgeräten und Haushaltswaren. Alles gebraucht, aber nicht unbrauchbar. Wenn die Besucher etwas für sich entdeckt haben, dürfen sie maximal drei Gegenstände mitnehmen.

Als Vorbild für das Projekt soll das Koscht-nix-Häusle des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Sindelfingen dienen. „Wir hoffen, dass auf diese Weise viele noch brauchbare Dinge nicht weggeworfen werden, sondern ein ‚zweites Leben‘ erhalten“, sagt der Werkleiter Thomas Koch.

Das Verschenk-Häusle soll nicht zum Sperrmüll-Container werden

Wichtig ist ihm, dass aus dem Verschenk-Häusle kein Sperrmüll-Container wird: „Wir möchten nicht, dass alles Mögliche von Kunden in das Häusle hineingestellt wird“, sagt Koch. Deshalb werden die abgegebenen Gegenstände erst in einer Gitterbox gesammelt, und dann von einem Mitarbeiter in die Regale geräumt. Elektrogeräte und Altkleider dürfen nicht abgegeben werden. „Wir benötigen eine Kontrollmöglichkeit“, sagt Koch.

Dass die Menschen angesichts solcher Angebote dazu neigen, ihren Müll abzuladen, davon kann Daniel Dengler von der Böblinger Second-Hand-Möbelhalle Femos ein Lied singen: „Das ist ein allgemeines Problem. Wir bekommen viel Schrott und müssen aussortieren und wegwerfen.“ Von ähnlichen Erfahrungen, gerade während der Corona-Pandemie, berichtet auch Angela Heinze-Bullinger von der Sindelfinger Kleiderkammer: „Die Leute haben uns sehr viel gebracht, uns toll unterstützt. Aber es gab auch einige, die ihren Müll loswerden wollten.“

Die Second-Hand-Läden spürten, dass ausgemistet worden war

In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Quarantäne begannen viele Menschen, ihre Wohnungen und Häuser auszumisten. Das spürten die Second-Hand-Läden im Landkreis Böblingen besonders nach dem ersten Lockdown im Frühjahr: „Da sind wir etwas überrannt worden“, erzählt Daniel Dengler.

Ähnlich erging es dem Böblinger Caritas-Zentrum mit seinem Umsonst-Laden für Kinderkleidung, Umstandsmode und Spielsachen: „Das Spendenaufkommen war riesig. Die Menschen haben spürbar entrümpelt, aufgeräumt und ausgemistet. Zeitweise konnten wir keine Ware mehr annehmen“, berichtet Michael Vogelmann von der Caritas Schwarzwald-Gäu. Auch das Landratsamt in Böblingen beobachtet in der Corona-Pandemie eine erhöhte Bereitschaft in der Bevölkerung, gebrauchte Gegenstände zu verschenken: Auf der Online-Plattform verschenkenundmehr.de sind zurzeit 170 Inserate eingestellt. „Letztes Jahr hatten wir im Schnitt zwischen 80 und 100 Inserate, die gleichzeitig eingestellt waren“, erzählt der Pressesprecher Benjamin Lutsch.

Sollten die Menschen im Landkreis Böblingen das Verschenk-Häusle nun ähnlich intensiv nutzen wie die Online-Verschenkbörse, könnte im kommenden Frühjahr ein weiteres Verschenk-Häusle eingerichtet werden, und zwar im Wertstoffzentrum Herrenberg-Kayh. Vorausgesetzt das Konzept in Böblingen geht auf, und die Bürgerinnen und Bürger missverstehen das Häusle nicht als zusätzlichen Sperrmüll-Container.

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