Ende des Jahres wird Kornwestheim aller Voraussicht nach sein Kino verlieren. Der Betreiber kämpft gerichtlich dagegen, und Bürger unterschreiben fleißig eine Petition. Aber ist da noch etwas zu retten?
Viele Kornwestheimer wollen es nicht zulassen, dass das Capitol-Kino Ende des Jahres schließt. Der Betreiber Michail Toronidis hatte die Schließung angekündigt, nachdem er seine Spielhalle nicht mehr betreiben darf. Die Spielhalle hatte bis dahin das Kino mitfinanziert. Mittlerweile gibt es sogar eine Online-Petition, deren Unterzeichner das Capitol als „Teil der kulturellen Identität Kornwestheims“ erhalten wollen. Mehr als 1800 Unterschriften zählt die Petition derzeit.
Die Stadt Kornwestheim und der Gemeinderat überlegen schon eine Weile, wie sie das Kino im Ort halten könnten. Hans-Michael Gritz (SPD) etwa schlägt vor, ein sogenanntes kommunales Kino einzurichten. Das wäre ein von der Stadt finanziertes Angebot, das etwa im K realisiert werden könnte. Die Filmauswahl unterscheidet sich oft von herkömmlichen Kinos.
Dass das Capitol selbst in Kornwestheim bleibt, ist eher unwahrscheinlich. Zwar versucht Michail Toronidis seit einiger Zeit, sein Casino offen zu halten beziehungsweise wieder zu öffnen – damit er so das Kino weiter finanzieren kann. Dafür läuft zurzeit schon das zweite Gerichtsverfahren, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch bereits die erste Entscheidung des Verwaltungsgerichts Stuttgart hat dazu geführt, dass Toronidis seine Spielhalle Anfang September schließen musste.
Casino war von Anfang an rechtswidrig
Spätestens mit dem Urteil sind der Stadt und den Stadträten die Hände gebunden. Markus Kämmle von den Freien Wählern hat kein Mitleid mit dem Casinobetreiber. „Er wusste von Anfang an, dass er das Casino dort eigentlich nicht betreiben darf, und jetzt stehen wir so da, als wären wir die Bösen“, sagt er.
Spielhallen dürfen laut Gesetz nur betrieben werden, wenn sie von der Behörde eine entsprechende Erlaubnis haben. Das Casino Hollywood hat im August 2012 eine solche Erlaubnis von der Stadt Kornwestheim bekommen. Das geht aus einer Sitzungsvorlage aus dem Jahr 2013 hervor. Schon damals hatte die Stadt darauf hingewiesen, dass die Spielhalle aufgrund einer geänderten Rechtslage künftig nicht mehr zulässig sein wird. Grund hierfür ist der Mindestabstand von 500 Metern, die eine Spielhalle laut dem Landesglücksspielgesetz zur nächsten einhalten muss. Um diese Regelung geht es noch heute bei Schließungen von Casinos.
Gebäude wird bald verkauft
Ein vom Betreiber gestellter Härtefallantrag für das Casino Hollywood ist damals abgelehnt worden, weil die Voraussetzungen dafür laut Stadt nicht gegeben waren. Damit war der Betrieb nur bis zum 30. Juni 2013 zulässig. Danach konnte die Stadt das Casino wegen eines laufenden Verfahrens nicht schließen.
Michail Toronidis hofft, dass seine aktuelle Klage dazu führt, dass er die Spielhalle wieder öffnen darf. Laut ihm würde es reichen, wenn das Casino noch zwei Jahre bleiben dürfte, dann wären im Kino alle Investitionen für die kommenden zehn bis 15 Jahre erledigt. Aber: Mit einem Gerichtsurteil rechnet er erst in wenigen Jahren. Viel zu spät also, wenn er das Kino bereits Ende Dezember schließt und das Gebäude verkauft.