Ministerpräsident Kretschmann eckt bei den Lehrern an. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Gegen die Bemerkung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann zur Bedeutung der Rechtschreibung laufen die Lehrer Sturm. Nur die GEW schlägt andere Töne an. Sie verlangt mehr Lehrer.

Stuttgart - Die Bedeutung der Rechtschreibung sollte nicht unterschätzt werden. Darauf pochen die Gymnasiallehrer im Land. „Rechtschreibfehler in Bewerbungsschreiben verhindern sehr effektiv die Einladung zu Bewerbergesprächen“, warnt Ralf Scholl, der Vorsitzende des Philologenverbands im Land. Er zeigt sich regelrecht „entsetzt“ über eine Äußerung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, wonach die Bedeutung der Rechtschreibung gesunken sei, da es inzwischen zahlreiche Korrekturprogramme gebe. „Ich glaube nicht, dass Rechtschreibung jetzt zu den großen gravierenden Problemen der Bildungspolitik gehört“, hatte der Grüne gesagt.

„Bärendienst“ für die Schüler

„Die Äußerungen des Ministerpräsidenten sind ein massiver Bärendienst für alle Bemühungen, Baden-Württembergs Schüler wieder vom Mittelmaß an die deutsche und internationale Leistungsspitze zu bringen“, klagt Scholl. „Rechtschreibung ist und bleibt elementar wichtig“, betont der Gymnasiallehrer.

Gerhard Brand, der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), widerspricht dem Ministerpräsidenten ebenfalls entschieden. Sich großzügig über geltende Rechtschreibregeln hinwegzusetzen, dürfe sich höchstens der erlauben, der die Karriereleiter bereits erklommen habe, meint der Grundschullehrer. Brand lobt ausdrücklich die Initiative von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), die der Rechtschreibung mehr Bedeutung zumisst. Er sei froh darüber, dass richtig schreiben zu können „in der Gesellschaft wieder als Wert erkannt wird“.

Eisenmann tritt für die CDU als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2021 an. Brand merkt an, mit seinen Bemerkungen falle der Regierungschef seinem Kabinettsmitglied Eisenmann in den Rücken. „Wahlkampf auf Kosten der Bildung der Schüler“ sei aber „eines Ministerpräsidenten nicht würdig“. Eisenmann hatte bereits zuvor erklärt: „Ich bin der Ansicht, dass wir wieder ein deutliches Bekenntnis zur Rechtschreibung brauchen, gerade im medialen Zeitalter.“

GEW sieht Kultusministerin in der Pflicht

Doro Moritz, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), springt Kretschmann bei. Der korrekte Umgang mit Sprache sei weiterhin wichtig. Allerdings gebe es eine gute digitale Unterstützung. Moritz nimmt Eisenmann ins Visier: „Wenn der CDU und Kultusministerin Eisenmann die Rechtschreibung so wichtig wäre, würde sie die Studienplatzkapazitäten für das Grundschullehramt erhöhen.“ Dann könnten Grundschüler besser gefördert werden. „Den Schulen wurde der neue Rechtschreibrahmen zugeschickt. Das allein kann die Rechtschreibleistungen nicht verbessern“, sagte Moritz.

Dem hält Kultusministerin Eisenmann entgegen, dass die Anzahl der Grundschulstudienplätze in ihrer Amtszeit seit 2016 von 970 auf 1672 erhöht worden sei. Es sei ihr „ein wichtiges Anliegen, den Rechtschreibunterricht an den Schulen qualitativ weiter zu entwickeln.“ Fehler müssten korrigiert werden, nur so könnten Schüler aus ihnen lernen.

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