Eigentlich hätte es genug Gründe gegeben, dass sich Rebecca und Matthias nie über den Weg laufen. Dann landen sie gemeinsam in einem Auto – und es funkt. Aber wenig später will sie Schluss machen.
Freiburg und Zittau, das sind 838 Kilometer über deutsche Autobahnen. Viel weiter kann man in Deutschland nicht auseinander sein, nur Flensburg vielleicht. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine frische Beziehung. Deswegen trifft Rebecca ihr Date Matthias 31. Januar 2012 in Freiburg eigentlich, um die Sache zu beenden. „Ich dachte, das hält sowieso nicht, das erledigt sich von selbst“, sagt Rebecca heute. Sie war nur kurz für ein Praktikum in Freiburg, eigentlich studierte sie damals in Zittau, am östlichen Ende der Republik, Polen und Tschechien einen Steinwurf entfernt. Aber nichts erledigt sich an diesem Abend von selbst.
Sie kommt zum falschen Treffpunkt – er wartet trotzdem
Ein paar Wochen vorher: Rebecca ist zu Besuch in Stuttgart, nur dieses eine Mal. Sie feiert viel, es ist ein intensives Wochenende. Ihre eigentliche Mitfahrgelegenheit zurück nach Freiburg sagt ihr ab. Aber ein anderer auf der Plattform mitfahrgelegenheit.de bietet einen Platz an, zehn Euro, kleiner Ford Fiesta, Treffpunkt Parkhaus Stuttgart-Österfeld. Rebecca, damals 21 Jahre alt, schreibt Matthias, 28: „Kann ich bei dir mitfahren?“ Er sagt ja. Sie kommt erst zum falschen Treffpunkt. Er wartet trotzdem, bis sie es zum Auto geschafft hat.
Rebecca will auf der Rückfahrt nach Freiburg eine Runde schlafen, eigentlich, aber die Rückbank ist schon von einem Pärchen belegt. Sie, mitgenommen vom Wochenende, mit ihrer Brille, die sie selbst hässlich findet, kommt auf den Beifahrersitz neben Matthias, Jogginghose, Polohemd, beide nicht unbedingt gestylt für ein erstes Treffen. Aber sie reden, die ganze Fahrt. Matthias geht extra vom Gas, damit er diese Frau noch länger neben sich hat, sie kommen trotzdem schnell durch. Gut, dass sie die Telefonnummern schon voneinander haben.
Erst will sie Schluss machen – dann küssen sie sich
Matthias’ Mitbewohnerin rät ihm danach: „Wenn du willst, dass es was wird, dann melde dich noch nicht.“ Rebecca denkt sich: „Wenn er sich zu früh meldet, schreibe ich nicht zurück“, das ist damals eine Art goldene Dating-Regel. Sie ist es, die nach zwei Tagen eine Nachricht schickt. Sie treffen sich einige Male, aber Rebecca sucht nicht die große Liebe, bald muss sie nach Zittau zurück. Bei dem Date am 31. Januar 2012 will sie deswegen die Sache beenden.
Sie gehen an dem Tag ins Kino, dann zeigt er ihr seinen Hiwi-Arbeitsplatz an der Uni, sie setzen sich auf eine Couch. Er sagt: „Wenn uns jetzt jemand fragt, darf ich dich als meine Freundin bezeichnen?“ Später werden sie sich küssen. Und lange dauert es nicht, da lernt er ihre Eltern kennen. 2015 heiraten Matthias und Rebecca Gottschalk, heute 39 und 32 Jahre alt. Seit 2019 wohnen sie in Renningen.
Heute steht jemand anderes an erster Stelle
Wenn Matthias an Rebecca denkt, schätzt er „die Kraft und die Ruhe, die ich aus der Beziehung ziehe, und dass ich weiß, dass sie Verständnis für meine Probleme hat.“ Sie sagt: „Matthias ist jemand, der für die Menschen, die er liebt, alles tun würde“, und: „Ich weiß, ich bin an erster Stelle bei ihm.“ Er korrigiert: „An zweiter Stelle.“ Seit November des Vorjahres gehört die ganze Aufmerksamkeit der beiden Fabian, dem Baby, das aus einer unwahrscheinlichen Mitfahrgelegenheit entstanden ist.
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