Bei einem Blind Date die Liebe fürs Leben finden? Mario Grau versucht es. Foto:  

Mario Grau aus Ehningen hat sich in der Kunstszene schon einen Namen gemacht, Preise gewonnen. Jetzt hat er die Fernsehsendung „First Dates“ genutzt, um selbst jemanden kennenzulernen.

Ehingen/Köln - Mario Grau sucht eine neue Liebe. Eine „alte“ begleitet den Mann aus Ehningen schon länger, die Kunst. Er hat sich einen Namen gemacht, es wurde viel über ihn berichtet, über seinen schweren Weg zu sich selbst, wo ihm die Kunst heilend half. Schon vor einigen Jahren erzählte er, dass er irgendwann man gerne heiraten wolle, Kinder haben – von einem „richtigen Familienleben“ träume.

 

Jetzt führte ihn der Weg mit diesem ganz persönlichen Wunsch wieder in die Öffentlichkeit. Das Konzept, im Fernsehen die große Liebe zu finden, überzeugt sicher nicht jeden. Mario Grau aber sagt, dass er mehrere Bekannte habe, die tatsächlich über ein TV-Verkupplungsformat zueinandergefunden hätten. „Ein befreundetes Paar hat sogar geheiratet“, erzählt der 31-jährige Künstler. „Also kann es schon funktionieren.“

Corona gab schließlich den letzten Schub, denn einfach rausgehen und jemanden treffen, war kaum noch möglich. Kurzerhand bewarb er sich beim Vox-Format „First Dates“. Das Grundprinzip der Show: Zwei Personen, die sich vorher noch nie begegnet sind, werden zusammen auf ein Date geschickt. Ein Blind-Date mit Kameras sozusagen. „Vorab wird anhand vom Sender geprüft, wer gut zusammenpassen könnte“, erklärt Mario Grau.

Manche suchen eher Ruhm als Liebe

Pro Folge werden die Verabredungen mehrerer Paare ausgestrahlt. Die Zuschauer haben am Ende die Möglichkeit zu erraten, bei welchem Paar tatsächlich der Funke übersprang. Die Paare selbst haben am Ende die Wahl, ob sie getrennte Wege gehen oder sich ein zweites Mal verabreden möchten. Viel hat man also nicht zu verlieren. Aber ob so ein Konzept wirklich funktionieren kann? Mario Grau findet, ja. „Das Problem ist nur, dass es viele Leute gibt, die nicht die Liebe suchen, sondern einfach berühmt werden sollen“, meint der Ödigheimer. Er meint, dass schon „beide ernsthafte Absichten haben“ müssten.

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Durch die Show bekannter zu werden sei nicht sein Ziel gewesen. Das hat er im Grunde auch gar nicht nötig. Obwohl er viel von sich preisgibt, auch seine Lebensgeschichte mit Ängsten und Gewalt erzählt, die ihn eben zur Kunst geführt hat. Aber von der Kunst leben zu können, das geht eben nur mit einer gewissen Öffentlichkeit. Grau ist auch ein Tester, ein Probierer, ein Neugieriger. „Gemalt habe ich eigentlich schon immer, das tut ja als Kind jeder – nur hören manche damit irgendwann auf und andere nicht“, erzählt er. „Ich habe immer gemalt, wenn es mir schlecht ging, hat mir das sehr geholfen.“

Die Kameras sind kaum aufgefallen

2015 durfte Mario Grau seine Bilder durch Zufall bei einer Gruppenausstellung präsentieren, wo auch die Presse auf ihn aufmerksam wurde. Seitdem lief die Künstler-Karriere stetig bergauf, auch Preise hat der Autodidakt für seine Werke bereits bekommen. Auch mit TV-Auftritten kennt sich Mario Grau inzwischen aus. Aufgeregt war er kaum.

„Der schlimmste Moment war, als man in das Restaurant hineingekommen ist“, schildert er. „Aber alles in allem hat Vox es sehr gut gemacht, die Kameras waren ganz klein und sind kaum aufgefallen.“ Seiner Partnerin habe er die Nervosität dagegen schon angemerkt. „Die war das wahrscheinlich nicht so gewohnt“, meint er.

Der Dreh zur Sendung fand bereits im Frühjahr und deshalb auch unter strengen Hygiene-Vorschriften statt. „Man wird von einem Taxi abgeholt und dann zunächst zu einer Ärztin gebracht, die einen Corona-Test gemacht hat“, schildert Mario Grau. „Erst wenn der Test negativ ist, geht es weiter in die Studios.“ Dort angekommen müssen die Kandidaten erst einmal einige Interviews führen, in denen sie dieselben Fragen gestellt bekommen, wie die zugewiesenen Partner.

Gespräche sind nicht gescriptet

„Bei der Show ist dann aber alles echt, die Gespräche sind nicht gestellt oder gescriptet“, betont Mario Grau. Allerdings sei die Kennenlern-Zeit kurz. „Man hat zwar insgesamt anderthalb Stunden, aber man trifft sich ja zunächst in der Bar und geht nach dem Essen noch gemeinsam in eine Foto-Box“, beschreibt Mario Grau. Im echten Leben hat man Stunden für ein Date – wenn man mag. Andererseits, wenn das Gegenüber nicht fürs Leben passt, vergeht die Zeit auch recht schnell.

Das Date selbst findet in Köln statt, wo der Sender ein Restaurant eingerichtet hat. Bekocht werden die Singles von TV-Koch Roland Trettl, worüber sich Mario Grau besonders gefreut hatte. „Das Essen war der Hammer und Roland Trettl ein superherzlicher Mensch“, schwärmt er. „Wir haben uns sofort gut verstanden, vielleicht weil wir beide Wurzeln in Sizilien haben.“ Wie es mit seiner Date-Partnerin lief, kann man in der Sendung sehen.

Info

Konzept
Bei First Dates – Ein Tisch für zwei wagen sich Kandidaten vor laufender Kamera an ein Blind Date in einer zum Restaurant umgebauten Kölner Lagerhalle.

Der Gastgeber Roland Trettl und sein Barkeeper Nic Shanker kommentieren das Geschehen.

Britisches Vorbild
Die Vox-Sendung ist die deutschsprachige Version eines britischen Formats, das im Original gute Einschaltquoten erzielte.

Die Dating-Show, in der zwei Kandidaten bei ihrem ersten gemeinsamen Dinner möglichst unauffällig von Kameras gefilmt werden, wird seit 2018 im deutschen Free-TV gezeigt.

Skurrile Momente
Statt auf einen möglichst großen Schock-Faktor zu setzen, soll „First Dates“ nach Angaben des Senders Vox den Fokus „auf das natürlich Skurrile eines Blind Dates“ richten. Die Kandidaten, die zuvor vom Produktionsteam anhand ihrer Vorlieben und Abneigungen gepaart wurden, sorgen beabsichtigt oder unbeabsichtigt für romantische oder unangenehme Situationen – wobei vorher völlig unklar ist, ob das Dinner in einer Enttäuschung oder der großen Liebe endet.

Sendetermine
Die Sendung läuft wochentags um 18 Uhr auf Vox. Das Blind Date mit Mario Grau (Sendetermin: 19. August) kann man sich in der Mediathek des Senders anschauen.