Das Kirchheimer Rathaus ist der künftige Arbeitsplatz von Pascal Bader. Foto: Horst Rudel/Horst Rudel

Die krachende Wahlniederlage der Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker gegen den politischen Neuling Pascal Bader löst in der Teckstadt Ratlosigkeit und Verwunderung aus.

Kirchheim - Kopfschütteln – das ist die am häufigsten praktizierte gymnastische Übung in Kirchheim nach dem Erdbeben des Vortages. Ungläubiges Kopfschütteln bei den Anhängern rund um Pascal Bader, der am Sonntag, 1. Dezember, mit 70,9 Prozent Zustimmung das Kirchheimer Rathaus erobert hat.

Enttäuschtes Kopfschütteln bei den Unterstützern der nach 16 Jahren krachend abgewählten Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker.

Und verwundertes Kopfschütteln bei neutralen Beobachter, die nach einer Erklärung dafür suchen, wie einem politisch bisher nicht in Erscheinung getretener Kandidat dreieinhalb Wochen genügen, um eine etablierte und beliebte Politikerin vom Hof zu jagen.

Ideen zählen mehr als Verdienste

Zu letzteren gehört der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel, zu dessen Nürtinger Wahlkreis auch Kirchheim gehört. „Ich habe erst in den letzten Tagen einen Wechsel für möglich gehalten, wenn auch nicht in dieser Deutlichkeit“, sagt der Grünen-Politiker. Die Wahl habe gezeigt, dass Leistung und Verdienst nicht zählen, sondern Ideen, die Bewerber für die Zukunft mitbringen. „Die Wähler haben Pascal Bader einen großen Vertrauensvorschuss entgegen gebracht“, stellt Gastel fest.

Zu den Matt-Heidecker-Unterstützer zählt deren Parteifreund, der Kirchheimer Landtagsabgeordnete Andreas Kenner. Er bezeichnet die Wahlniederlage vor allem in dieser Deutlichkeit als „extrem bitter“. Er könne das Votum der Wähler nicht mit der Politik in Kirchheim verbinden, sagt der Abgeordnete. „Das hat eine Politikerin, die 16 Jahre lang, sieben Tage pro Woche, für die Stadt gelebt und gearbeitet hat, nicht verdient“, so sein Fazit.

Gratulation vom Minister

Ob der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) ein Anhänger von Pascal Bader ist, lässt sich nur vermuten. Zumindest hat es sich der Minister nicht nehmen lassen, dem neuen Oberbürgermeister noch am Wahlabend im Kirchheimer Rathaus zu gratulieren – ungeachtet der Tatsache, dass sich Untersteller nun bis zum 1. März einen neuen Leiter des Referats „Umwelttechnik, Forschung und Ökologie“ in seinem Haus suchen muss. Denn zu diesem Termin wird der promovierte Volkswirtschaftler Pascal Bader seinen Arbeitsplatz im Stuttgarter Ministerium mit dem Chefzimmer im Obergeschoß Kirchheimer Rathaus tauschen.

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