Reaktionen zur Kinderfreundlichen Stadt Stuttgart Manchmal fehlt der gute Wille

Von Barbara Czimmer 

Wasserspiele gefallen Kindern, hier die Spielfläche vor der Bibliothekl. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Wasserspiele gefallen Kindern, hier die Spielfläche vor der Bibliothekl. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

OB Fritz Kuhn hat jüngst einen Zwischenbericht zu Fortschritten in Sachen Kinderfreundlichkeit vorgestellt. Einige Leserinnen und Leser sind unserem Aufruf gefolgt und haben uns ihre Eindrücke übermittelt, darunter Kritik an Beschlüssen des Gemeinderats und unflexiblen Ämtern.

Stuttgart - Spielplätze, Straßen und Wohnviertel sind nicht überall in der Stadt so gebaut, dass sich Kinder wohlfühlen. Unter anderem diese Beispiele führte OB Fritz Kuhn in einem Zwischenbericht an, der Aufschluss über die Kinderfreundlichkeit Stuttgarts geben soll. Leserinnen und Leser schlagen nun weitere Tätigkeitsfelder vor.

„Eine kinderfreundliche Stadt zeichnet sich dadurch aus, dass sie Kindern einen einfachen Zugang zu kulturellen Einrichtungen ermöglicht“, schreibt die Kunsthistorikerin Ute Scheitler-Giboin. Möglichst viele Kinder sollten unabhängig vom Elternhaus, mit dem Kindergarten oder der Klasse gemeinsam ein Museum besuchen können, was „seit mehr als drei Jahrzehnten der Museumspädagogische Dienst der Stadt Stuttgart ermöglicht“. Allerdings sei „in Abstimmung mit dem Wissenschaftsministerium, den Museen und durch den Gemeinderat beschlossen“, diesen Dienst abzuschaffen; er soll vom kommenden Schuljahr an nicht mehr zur Verfügung stehen. Für Führungen seien dann die Museen selbst zuständig. Für Ute Scheitler-Giboin ergibt sich daraus ein gravierender Nachteil: „Bisher kosteten die Führungen 1,50 Euro pro Schüler, künftig müssen die Gruppen einen festen Preis bezahlen.“ Gerade für kleinere Gruppen werde ein Museumsbesuch dadurch teuer und unter Umständen unmöglich. Ute Scheitler-Giboin: „Wenn man über die Bemühungen um ein kinderfreundliches Stuttgart liest, erscheint die Abschaffung des Museumspädagogischen Dienstes fast wie Hohn.“

Kritik an Kosten und Ausstattung

Elisabeth Rau ist Großmutter und erlebte mit ihren vier und sieben Jahre alten Enkeln im Zuffenhäuser Stadtpark eine „tiefe Enttäuschung: Seit einiger Zeit verschwinden immer mehr Spielgeräte.“ Sie selbst hatte Anfang der 1970er Jahre zu der Aktionsgemeinschaft gehört, die sich für diesen Waldspielplatz eingesetzt und ungefähr ein Drittel der Gelder dafür aufgebracht habe. „Jetzt verschwindet dieser Spielplatz peu à peu, der aus bürgerschaftlichem Engagement entstanden ist und gut angenommen wurde. Schade!“, schreibt Elisabeth Rau.

Zu wenig Spielgeräte und Wasser

Auch Christine Dengler hadert mit der Ausstattung der Spielplätze und vermisst den guten Willen beim Gartenbauamt. „Mein Wunsch zum Anbringen eines Kleinstkinderschaukelsitzes am Alten Friedhof von Feuerbach ist mit der Begründung abgelehnt worden, dass ja auf dem Spielplatz Schelmenäcker ein solcher Sitz angebracht ist. Da muss ich das Kleinkind wohl auf den Lemberg transportieren.“ Zwar seien Spielplätze für Kleinkinder in der Dieterlestraße und in der Schneckenbergstraße in Feuerbach geplant, doch bis jetzt findet Christine Dengler „die Freundlichkeit für Kleinstkinder in Stuttgart mangelhaft“.

Jochen Eggert sieht die Kinder in dieser Stadt auf dem Trockenen: „Stuttgart braucht dringend Zugang zu Wasser“, schreibt er. Wenn die Stadt kinderfreundlicher werden wolle, dann müsse sie den Neckar so gestalten, dass „Kinder, Familien, Eltern und Großeltern den Fluss auch nutzen können“.

„Schützt die Kinder endlich mit Taten!“, fordert Richard Hagenauer, der gegen Tabakrauch kämpft. Ihm geht es zu weit, dass in der Öffentlichkeit – bei Festen, Sportveranstaltungen, in Fußgängerzonen und in der Außengastronomie – geraucht werden darf. „Wird Kuhn dies abstellen?“, fragt er. Darüber sei im jüngsten Statusbericht nichts zu lesen, „auch nicht im Koalitionsvertrag der Landesregierung“, so Hagenauer.

Lesen Sie jetzt