Amerikanische Spezialeinheiten landen mit ihren Geräten in Entebbe. Foto: dpa

Mit der Wahl von Donald Trump stellen die Regierungen in Afrika auf schwierige Zeiten ein: Drastische Erhöhungen von Importzöllen drohen, wichtige Hilfsprogramme könnten eingefroren werden.

Johannesburg - Nigerias Literaturpreisträger Wole Soyinka ist Afrikas prominentestes Opfer des Trumpschen Wahlsiegs. Er kündigte in der vergangenen Woche an, dass er in diesem schrecklichsten aller Fälle seine Green Card zerreißen würde – angesichts des zweiten Lebensmittelpunktes des 82-jährigen Poeten in den USA keineswegs nur ein symbolischer Akt. Über Twitter wurde Soyinka bereits aufgefordert, seinen Schritt noch einmal zu überdenken.

Erhöhungen von 20 auf 35 Prozent

Generell wird Afrika unter einer Präsidentschaft Trumps wohl mehr leiden als jede andere Region der Erde. Südafrikanische Wirtschaftsexperten rechnen bereits aus, was die von dem Nationalisten angekündigte Aufkündigung internationaler Handelsvereinbarungen in barer Münze bedeuten könnte: Die Importzölle drohten von 20 auf 35 Prozent in die Höhe zu schnellen, meint der Johannesburger Ökonom Tinashe Chuchu. Das wäre nicht nur für Südafrikas ohnehin kümmerliches Wirtschaftswachstum katastrophal: Derzeit profitieren 41 afrikanische Staaten von dem bevorzugten Handelsregime Agoa.

Auch der zu erwartende Rückzug der USA aus anderen Verpflichtungen macht Afrikaner nervös: Vor allem wird eine Kürzung des von George W. Bush ins Leben gerufenen Aids-Hilfsprogramm „Pepfar“ befürchtet. Der Fonds macht die Versorgung Hunderttausender Infizierter mit antiretroviralen Medikamenten möglich, deren Überleben andernfalls gefährdet ist. Schließlich sehen auch die in den USA lebenden Afrikaner schwarz, deren Papiere abgelaufen sind: Sie müssen jetzt mit Deportationen rechnen.

Somalier in Minnesota

Nur eine kleine Gruppe von Afrikanern kann sich über einen Trostpreis freuen: Die in Minnesota lebenden Somalier, deren Repräsentantin Ilhan Omar wie Trump am Wahltag ein historischer Erfolg gelang. Als erste Amerikanerin somalischer Abstammung wurde sie ins Repräsentantenhaus gewählt. Leicht wird sie es dort allerdings auch nicht haben: Trump warf Minnesotas Somaliern schon in der vergangenen Woche vor, in den USA „den Extremismus zu verbreiten“.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.regisseur-raoul-peck-mit-den-augen- der-anderen-sehen.caaa04ac-986a-4a66-9abd-b92995965ced.htm

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