Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) freut sich auf die weitere Zusammenarbeit mit Dieter Zetsche als Aufsichtsrat (im Bild: die beiden auf einem Autogipfel 2017 in Stuttgart). Foto: dpa

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann lobt den scheidenden Daimler-Chef Dieter Zetsche. Wir haben weitere Stimmen zu Zetsches Rückzug gesammelt.

Stuttgart - Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Stuttgarter Daimler AG, Michael Brecht, begrüßt den Beschluss des Aufsichtsrats, Ola Källenius zum Nachfolger des amtierenden Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche zu nominieren. Damit werde der Vorstand verjüngt, außerdem könnten neue Impulse gesetzt werden, erklärte Brecht, der auch stellvertretendes Mitglied des Daimler-Aufsichtsrats ist. Der Aufsichtsrat hat außerdem beschlossen, Zetsche als künftiges Mitglied vorzuschlagen. Nach den Worten von Brecht kann damit „die erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit Zetsche fortgesetzt werden. Der von diesem eingeleitete Wandel zu einem Mobilitätskonzern werde vom Aufsichtsrat weiter unterstützt.

Zetsche selbst erklärte, Källenius habe sich in vielfältigen Funktionen bei Daimler seine Wertschätzung erworben. Außerdem bringe der gebürtige Schwede „eine wertvolle internationale Perspektive“ mit. Auch deshalb begrüße er die Personalentscheidung des Aufsichtsrats.

Kretschmann lobt gute Zusammenarbeit

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann erklärte, Zetsche verdiene „große Anerkennung und Dank“ für seine hervorragende Arbeit als Vorsitzender der Daimler AG. „Der Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg wäre ohne den Automobilkonzern kaum zu denken“, meinte Kretschmann. Seit Jahren arbeite er mit Zetsche gut und vertrauensvoll zusammen, seit einem Jahr auch in dem von der Landesregierung ins Leben gerufenen Strategiedialog Automobilwirtschaft. Dort bringe sich Zetsche engagiert ein. „Wirtschaft und Politik müssen weiterhin im Dialog an der Zukunft der Mobilität arbeiten, um nachhaltig erfolgreiche Entwicklungen in unserer Automobilindustrie voranzutreiben“. Er freue sich, dies in den kommenden Monaten auch noch mit Zetsche gemeinsam tun zu können. Dessen Nachfolger Källenius traue er zu, die gute Arbeit von Zetsche fortzusetzen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem Weg in die Zukunft mitzunehmen. Besonders seine Erfahrungen in den Bereichen Digitalisierung und Elektromobilität, aber auch in den USA und auf dem chinesischen Markt werde Källenius in die weitere Entwicklung des Konzerns einbringen können. Er freue sich auf die künftige Zusammenarbeit mit ihm, so Kretschmann.

Hoffmeister-Kraut: Gute Weichenstellung

„Mit der Übergabe der operativen Führungsverantwortung von Dieter Zetsche auf Ola Källenius ist gesichert, dass Daimler als hochinnovativer Automobilhersteller auf die Zukunft ausgerichtet bleibt“, sagte die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Källenius werde die Transformationin der Automobilwirtschaft aktiv gestalten. Er sei ein dynamischer Manager, „der durch seine Tätigkeit als Entwicklungsvorstand eine profunde Kenntnis der neuen Technologien besitzt und gleichzeitig für eine agile, kreative Firmenkultur steht“. Mit dem für 2021 angekündigten Wechsel von Zetsche in den Aufsichtsrat sei sichergestellt, dass „die überragende strategische Kompetenz von Dieter Zetsche und seine ausgezeichnete Vernetzung in Politik und Wirtschaft dem Konzern erhalten bleiben,“ sagte Hoffmeister-Kraut.

Dudenhöffer: Zetsche ist der Beste als Aufsichtsratschef

Ferdinand Dudenhöffer, der Chef des Car Centers Automotive an der Universität Duisburg-Essen sagte, die Entscheidung des Aufsichtsrats sei „sinnvoll, gut und richtig“. Auch der Zeitpunkt dafür sei „gut gewählt, das verhindert, dass es Spekulationen gibt“. Dass Källenius Nachfolger von Zetsche werden solle, würden „die Spatzen schon seit zwölf Monaten von den Dächern pfeifen“. Deswegen sei es richtig, dies jetzt auch bekannt zu geben. Nun könnten sich die Aktionäre auch bei der Hauptversammlung im nächsten Mai ein Bild von Zetsches Nachfolger machen. Diese Hauptversammlung sei besonders wichtig, da auf ihr auch die Weichen für den Umbau des Konzerns in einzelne Bereiche mit einer Holding an der Spitze gestellt würden. Zetsche könne nach seiner Abkühlphase dann Aufsichtsratsvorsitzender dieser Holding werden. An der Spitze dieser Holding werde es auch darum gehen, wie man mit dem chinesischen Investor Li Shufu umgehen wolle, der bereits zehn Prozent an Daimler und außerdem 15 Prozent am Lastwagenhersteller Volvo Trucks besitze. Zu seinem Geely-Konzern gehört außerdem der Personenwagenbauer Volvo. Für all diese Aufgaben „gibt es keine besseren als Zetsche“, meinte Dudenhöffer.

Zetsches Vertrag wäre noch bis Herbst 2019 gelaufen

Zetsche, dessen Vertrag noch bis zum Herbst 2019 läuft, hört bereits im Mai des kommenden Jahres auf. Daimler begründet dies auch mit einer zweijährigen „Abkühlungsphase“ vor dem Wechsel des Vorstandsvorsitzenden an die Spitze des Aufsichtsrats. Dessen amtierender Vorsitzender Manfred Bischoff wird sein Amt mit dem Ablauf der Hauptversammlung im Jahr 2021 niederlegen. Bischoff wird nach einer Mitteilung von Daimler die Wahl von Zetsche zu seinem Nachfolger empfehlen.

Als künftiger Vorsitzender des Vorstands solle Källenius in den nächsten Jahren auch den Bereich Mercedes-Benz Cars, die Personenwagensparte des Autobauers, leiten. Nachfolger von Källenius im Ressort Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung soll nach dem Willen des Aufsichtsrats Markus Schäfer werden. Källenius ist seit 2015 Mitglied des Vorstands der Daimler AG und seit Januar für die Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung verantwortlich. Zetsche ist seit 198 Vorstandsmitglied und wurde 2006 zum Vorsitzenden des Vorstands der damaligen Daimler-Chrysler AG ernannt.

Herausforderungen für Källenius sind Digitalisierung und Elektromobilität

Gerhard Wolf, Autoanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sagte, „das Ereignis ist nicht großartig überraschend“. Es sei zu erwarten gewesen, dass Zetsche abtrete und Källenius sein Nachfolger werde. Zetsche habe als Vorstandsvorsitzender bei Daimler einen „guten bis sehr guten Job gemacht“. Källenius sei schon lange auf seine neue Aufgabe vorbereitet, sodass er von ihm dasselbe erwarte, meinte Wolf. Die Herausforderungen seien mit dem Strukturwandel in der Branche natürlich groß. Der neue Vorstandschef müsse die Digitalisierung der Branche ebenso bewältigen wie den Trend zur Elektromobilität und die Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes. Dazu kämen noch das autonome Fahren und ein verändertes Verhaltender Fahrzeugnutzer, wie es sich etwa beim Carsharing zeige.

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