IHK-Kaufkraft-Analyse Diese Faktoren schmälern das Einkaufsvergnügen in Stuttgart

Von Thomas Durchdenwald 

Die Kaufkraft in der Region Stuttgart ist groß. Doch davon profitiert nicht nur der stationäre, sondern immer mehr auch der Online-Handel. Foto: factum/Granville
Die Kaufkraft in der Region Stuttgart ist groß. Doch davon profitiert nicht nur der stationäre, sondern immer mehr auch der Online-Handel. Foto: factum/Granville

Freude in Backnang, Sorge in Stuttgart: die Analyse der IHK über die Kaufkraft und Anziehungskraft der Städte in der Region hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Doch eine Warnung sehen alle.

Stuttgart - Wer sind die Gewinner, wo sitzen die Verlierer – die am Donnerstag veröffentlichte aktuelle Analyse der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart zur Kaufkraft der Bürger und zur Attraktivität einzelner Städte (wir berichteten) ist auf großes Interesse gestoßen. Jedes Jahr veröffentlicht die Kammer diese Daten, in ungeraden Jahren wertet sie sie intensiver aus und verfasst eine Broschüre. Doch auch die 2018er-Zahlen haben es in sich: So haben einige große Einkaufsstädte wie Ludwigsburg, Böblingen und Sindelfingen ihre dominierende Stellung ausgebaut, während die Landeshauptstadt Stuttgart eher auf der Stelle tritt.

Region auf Rang zwei, Stadt Stuttgart auf Platz vier

Positiv gewertet wird die weiter deutlich gestiegene einzelhandelsrelevante Kaufkraft in der Region Stuttgart, die nun 21 Milliarden Euro beträgt. Das ist nach dem Großraum München und zusammen mit den Gebieten um Frankfurt und Hamburg die zweitgrößte in Deutschland. Im Vergleich der Großstädte alleine (also ohne die umliegende Region) ergibt sich ein anderes Bild. Bei der Kaufkraft pro Kopf rangiert Stuttgart auf Rang vier. Auch in diesem Ranking führt München, allerdings schiebt sich Düsseldorf auf Platz zwei. Diesen Platz nimmt Stuttgart bei der Attraktivitätskennziffer ein, diesmal hinter Nürnberg (siehe Tabellen). Dass die Millionenstädte in diesem Vergleich eher hinter rangieren, liegt auch daran, dass deren eigene Kaufkraft deutlich größer ist als die ihres Umlands. Trotz des bundesweit guten Abschneidens liegt Stuttgart mit der Zentralitätskennziffer von 122 in der Region Stuttgart nur auf Rang neun. Hier haben Backnang, Ludwigsburg, Sindelfingen, Göppingen, Böblingen und Fellbach die größere Anziehungskraft.

City-Managerin: bessere Rahmenbedingungen

Dieser Umstand besorgt vor allem Stuttgarts Citymanagerin Bettina Fuchs. „Wir sind froh, dass Stuttgart insgesamt so gut abgeschnitten hat, aber wir müssen mit der Stadtverwaltung gemeinsam daran arbeiten, die Erreichbarkeit weiter zu verbessern“, sagt sie. Wenn die Rahmenbedingungen immer schlechter würden, sei klar, dass „die umliegenden Gemeinden wie Sindelfingen und Ludwigsburg davon profitieren.“ Auch mit Blick auf die steigenden Online-Umsätze fordert sie ein Umdenken in der Verkehrspolitik. „Die Diskussionen um Wegfall vom Parkplätzen, Anstieg von Parkgebühren, drohende Fahrverbote und das Baustellen- und Verkehrschaos in Stuttgart tragen nicht dazu bei, dass Kunden gerne in die Innenstadt kommen“, sagt sie. Sie fordert mehr P+R-Plätze, mehr Parkhäuser entlang des Cityrings und eine rasche Umsetzung des interaktiven Parkleitsystems. „Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird die zur Verfügung stehende einzelhandelsrelevante Kaufkraft, insbesondere aus der Region, auch wieder vermehrt im stationären Handel in Stuttgart ausgegeben“, meint Bettina Fuchs.

Sieger Backnang nicht sorgenfrei

Zu den Gewinnern der Analyse gehört Backnang (Rems-Murr-Kreis) mit dem regionsweiten Bestwert bei der Attraktivität. „Wir sind ein starker Standort des stationären Einzelhandels und bleiben mit führend in der Region“, freut sich der städtische Wirtschaftsbeauftragte Ralf Binder. Allerdings bereitet ihm wie Fuchs Sorge, dass der Onlinehandel mehr als zehn Prozent der Kaufkraft bindet. „Damit kaufen die Konsumenten der Region via Internet mehr ein als der stationäre Einzelhandel in Ludwigsburg und Sindelfingen zusammen umsetzt“, sagt Binder. Diese Entwicklung hinterlasse in den Städten der Region Spuren. Und was macht der Primus Backnang dagegen? „Wir setzen uns besonders intensiv mittels Passantenzählungen, Erhebung und Studien mit der Frage auseinander, welche Rahmenbedingungen ein sich ändernder stationäre Einzelhandel vor Ort benötigt“, antwortet Binder.

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