Schutzmasken sollte besser tragen, wer selbst infiziert ist. Gründliches Händewaschen ist jedem zu empfehlen Foto: 7aktuell.de//Max Rühle

Seit in Deutschland die ersten Fälle des Coronavirus bestätigt wurden, steigt bei Menschen die Sorge, sich mit der Krankheit zu infizieren. Mundschutze und Desinfektionsmittel sind Mangelware. Apotheker empfehlen zu Handhygiene und Hustenetikette.

Stuttgart - Ausverkauft. Wer in diesen Tagen Desinfektionsmittel oder Schutzmasken fürs Gesicht kaufen möchte, geht meist leer aus. Statt zu Hamsterkäufen raten die Apotheker aber zur Besonnenheit. „Wir spüren bei vielen Kunden schon eine leichte Verunsicherung durch die mediale Berichterstattung“, sagt Olivia Ulbrich, Mitarbeiterin der Hitzemann-Apotheken in Feuerbach. Besonders hoch sei derzeit die Nachfrage nach Mundschutzen und Desinfektionsmitteln. „Diese Artikel sind quasi stuttgartweit ausverkauft; wir bekommen sie nur schubweise geliefert, je nachdem wie die Hersteller mit der Produktion nachkommen.“ Am Dienstag um 13 Uhr seien beispielsweise 600 Mundschutze geliefert worden, am Mittwoch um 17 Uhr waren sie schon wieder ausverkauft. „Wir hätten deutlich mehr verkaufen können.“ Allerdings, betont Ulbrich, böten die Mundschutze den Trägern nur eine scheinbare Sicherheit. „Eigentlich sollten Infizierte sie selbst tragen, um andere Personen nicht anzustecken und nicht umgekehrt.“

Klassische Handseife reicht aus

Ulbrich und ihre Kollegen setzen vor allem auf gute Beratung der Kunden: „Wichtig ist, wie auch bei einer Grippe, dass man sich möglichst häufig die Hände wäscht, idealerweise gründlich und für mindestens zwei Minuten.“ Hierfür reiche klassische Handseife aus. Eine weitere Empfehlung sei, dass man sich mit ungewaschenen Händen nicht ins Gesicht fasse. Vor allem, wenn man viel in Bus und Bahn unterwegs sei.

Wer diese Vorsichtsmaßnahmen beachte, tue schon viel für seine Gesundheit. „Händewaschen ist das A und O. Gesunde Vorsicht ist angebracht, aber viel mehr als auf die Hygiene zu achten, kann man nicht machen“, sagt sie. „Mit Hysterie ist auf jeden Fall niemandem geholfen.“

Auch bei Matthias Walter in der Apotheke im Romeo an der Schozacher Straße in Zuffenhausen herrscht wegen des Coronavirus große Nachfrage an bestimmten Produkten. „Das fing vor einigen Wochen an, da kamen die Chinesen und haben Mundschutze gekauft.“ Mittlerweile interessierten sich auch Kunden aus dem Inland für die Artikel: „Am Montag waren die Mundschutze in zwei Stunden ausverkauft.“ Viele habe er ohnehin nicht mehr gehabt. „Normalerweise sind das Ladenhüter.“ Nur sporadisch erfolgten bislang Lieferungen.

Auf absehbare Zeit nicht lieferbar

Hersteller der besagten Hygieneartikel hätten ihm am Mittwoch mitgeteilt, dass ihre Produkte auf absehbare Zeit nicht lieferbar seien. Wartelisten gebe es bei ihm nicht: „So etwas machen wir bei manchen Medikamenten, aber nicht bei Mundschutzen und Desinfektionsmitteln. Das fangen wir gar nicht erst an.“ Der Apotheker und seine Mitarbeiter würden die Kunden darauf hinweisen, dass die gängigen Modelle an Schutzmasken eigentlich für den Krankenhausbetrieb vorgesehen seien, weniger für den Privatgebrauch.

„Viel wichtiger als sich einen Mundschutz zu kaufen, ist die Handhygiene“, sagt auch er und schließt sich den Empfehlungen seiner Feuerbacher Kollegin an. „Außer dem gründlichen Händewaschen sollte man nicht in die Hand niesen oder husten, sondern in ein Tuch oder die Ellenbeuge und sich danach die Hände gut waschen“, rät Walter. Von der inneren Einstellung her sollte man die Situation so bewerten wie eine Grippewelle – Abstand zu Infizierten halten und aufs Händeschütteln zur Begrüßung oder zum Abschied verzichten. „Und wer sich schlecht fühlt, der sollte zu einem Arzt gehen.“

Das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. „Auf globaler Ebene handelt es sich um eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation“, schreibt das Institut auf seiner Internetseite. Für eine abschließende Beurteilung der Schwere der neuen Atemwegserkrankung lägen gegenwärtig nicht genügend Daten vor. „Bei einem Teil der Fälle sind die Krankheitsverläufe schwer, auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor.“ Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird vom RKI aktuell als „gering bis mäßig“ eingeschätzt. Mit einem Import von weiteren Fällen nach Deutschland müsse gerechnet werden. Auch weitere Übertragungen, Infektionsketten, lokale Infektionsgeschehen und Ausbrüche seien in Deutschland möglich. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei wahrscheinlich. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

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