Robust im Auftritt: Burladingens Bürgermeister Harry Ebert Foto: Stadt Burladingen

Eberts Beitritt zur AfD löst Rufe nach Neuwahlen aus. Doch er bekommt auch Rückendeckung – von Trigema-Chef Wolfgang Grupp.

Burladingen - Wolfgang Grupp interessiert sich nicht „für private Geschichten“. Ob der Burladinger Bürgermeister Harry Ebert „evangelisch, katholisch, geschieden“ sei oder nicht – „danach frage ich nicht, solange er seine Arbeit macht“, sagt der Trigema-Chef, dessen Firma in der 12 000 Einwohner zählenden Stadt im Zollernalbkreis ihren Sitz hat. Auch den Beitritt des Rathauschefs zur AfD wertet der Unternehmer als solch privaten Schritt.

Nur: „Ebert hat sich als Parteiloser als Bürgermeister beworben“, so Grupp. Mit dem Beitritt zur AfD „ändert er die Voraussetzungen“, korrekt wäre es deshalb nach Auffassung von Wolfgang Grupp, wenn Ebert zurücktreten würde und es Neuwahlen gäbe. „Ich würde ihn auch wiederwählen.“ Denn er habe mit dem Schultes bisher „keine Probleme gehabt“.

Meuthen freut sich

Mit der Forderung nach einer Neuwahl ist Grupp nicht alleine. Auch der SPD-Kreisverband und Lars Castellucci, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Demokratie der SPD-Bundestagsfraktion, haben sich entsprechend geäußert. Der AfD-Sprecher Jörg Meuthen wiederum zeigt sich hocherfreut über den ersten AfD-Bürgermeister in Süddeutschland und kritisiert jene, die eine Neuwahl forderten, ihrerseits als undemokratisch.

Harry Ebert selbst, der als streitbar gilt, sagt lieber nichts: Die Bitte um einen Rückruf bleibt unerfüllt. Gegenüber dem „Schwarzwälder Boten“ hatte er den AfD-Beitritt mit der Unzufriedenheit gegenüber der Politik der Bundesregierung begründet und versprochen, er werde sein Amt in Burladingen überparteilich ausüben – wie in den vergangenen 19 Jahren auch. „Ich glaube ihm sogar, dass sich an seiner Arbeitsweise nichts ändert“, sagt Rosi Steinberg, die Vorsitzende der Freien-Wähler-Fraktion im Gemeinderat. „Es ist ja schon schlimm genug.“ Harry Ebert habe viel für Burladingen getan.

Aber vor anderthalb Jahren habe er sich verändert. Seitdem überziehe der Bürgermeister alles mit seinen AfD-Parolen. „Die Stimmung in der Stadt ist aufgewühlt“, sagt Rosi Steinberg. Sie würde es deshalb begrüßen, wenn die Gemeindeordnung geändert und Bürgermeister abwählbar würden.

„Die Stimmung ist aufgewühlt

Vor anderthalb Jahren hatte Ebert den AfD-Landtagsabgeordneten Erwin Stauch empfangen und darüber im Amtsblatt berichtet. Eine Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge im benachbarten Hechingen nannte er „Internat mit Vollpension“. Als der Gemeinderat die Unterkunft besuchte, bezeichnete Ebert das Heim auf Facebook als „Armleuchterprojekt“, die Visite der Räte eine „Asylantenschau“ und die Lokalpolitiker selbst als „Landeier“.

Rüffel des Landrats

Das hat dem Bürgermeister einen Rüffel des Landrats Günther-Martin Pauli (CDU) eingebracht – und ein Disziplinarverfahren, das nach Angaben des Landratsamtes noch nicht abgeschlossen ist. Außerdem läuft noch das Ermittlungsverfahren wegen Amtsanmaßung – der Nicht-Feuerwehrmann Ebert war bei einer Versammlung der Floriansjünger in der Uniform eines Branddirektors aufgetreten. Als schwierig im Umgang galt der robust auftretende Bürgermeister schon immer. Er verlässt schon mal wütend nichtöffentliche Sitzungen und verabschiedet sich mit dem Götz-Zitat. Oder er bezeichnet Stadträte in E-Mails als „Sozialfuzzis“, die sich bei ihrem „Gesülze“ nicht wundern dürften, „wenn es eines zwischen die Hörner gibt“. Bei aller Direktheit im Wort, ein gewisser Wankelmut ist dem Neu-AfDler Ebert nicht fremd: Noch als CDU-Mitglied war er 2004 auf dem Ticket der Freien Wähler für den Kreistag angetreten. Zum Bürgermeister von Burladingen hatte er sich noch als Parteiloser wählen lassen.

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