RB Leipzig, der aktuelle Club von Ralf Rangnick, muss sich mit 1899 Hoffenheim, dem Ex-Verein des Backnangers, auseinandersetzen. Foto: Getty

An diesem Samstag erlebt die Fußball-Bundesliga einen ganz besonderen Moment: Ralf Rangnick spielt gegen Ralf Rangnick. Die Partie RB Leipzig gegen 1899 Hoffenheim verspricht ein spannendes Duell auf Augenhöhe.

Stuttgart - An diesem Samstag erlebt die Fußball-Bundesliga einen ganz besonderen Moment: Ralf Rangnick spielt gegen Ralf Rangnick. Diese Konstellation verspricht ein spannendes Duell auf Augenhöhe. Genau genommen lautet die Paarung ja RB Leipzig gegen 1899 Hoffenheim, aber beide Vereine wären ohne Rangnick kaum da, wo sie sind. Der rasante Aufschwung ist hüben wie drüben untrennbar mit dem Namen des Trainermanagers aus dem schwäbischen Backnang verbunden, der mit seiner Mission zuerst in Baden und dann in Sachsen weit unten in der dritten Liga beziehungsweise der Regionalliga begonnen hat. Heute ist Rangnick gegen Rangnick eine Spitzenpartie: Der Tabellenzweite empfängt den Tabellendritten.

Wer das vor zehn Jahren gesagt hätte, wäre vermutlich für verrückt erklärt worden. Damals ist Rangnick in die Niederungen Hoffenheims eingestiegen. Dank seiner konsequent durchgezogenen Spielidee (grob: aggressives Pressing) war die Mannschaft bereits im Sommer 2008 ganz oben in der Bundesliga, wo sie auf Anhieb sogar Herbstmeister wurde. Genauso verlief die Entwicklung von 2012 an in Leipzig. In nur vier Jahren schaffte Rangnick mit Hilfe seines alten Hoffenheimer Musters den Sprung in die Bundesliga. Obwohl er dort mit RB nicht gleich auch Herbstmeister wurde (sondern Zweiter), gilt er damit als Wiederholungstäter.

Hoffenheim war ein Sprung ins kalte Wasser

Jetzt trifft er also auf sich selbst – wobei er nicht alle Hoffenheimer Methoden mit nach Leipzig genommen hat. Aus seinem Umfeld ist zu hören, dass er nur die guten Dinge beibehalten und auf seinen neuen Arbeitsplatz übertragen habe. Und darüber hinaus gebe es dann noch vor allem einen markanten Unterschied zwischen den beiden Standorten. Während Rangnick in Leipzig schon wusste, dass sein Weg funktioniert, sei es in Hoffenheim ein Sprung ins kalte Wasser gewesen, mit offenem Ausgang.

So machten sich einst im Kraichgau nach der Herbstmeisterschaft die ersten Risse im Gefüge bemerkbar. Es folgte der Absturz auf Rang elf, hervorgerufen durch Verletzungsprobleme im Team. Das ursprünglich einmal sehr gute Einvernehmen mit dem Mäzen Dietmar Hopp und dem Manager Jan Schindelmeiser (aktuell VfB Stuttgart) blieb auf der Strecke – und im Januar 2011 kam es zur Trennung.

Aus diesen Zeiten hat Rangnick seine Lehren gezogen, so weit das eben möglich war. Der Mäzen in Leipzig heißt nicht Dietmar, sondern Dietrich, Dietrich Mateschitz. Einen Manager gibt es gar nicht, das erledigt Rangnick selbst. Und weil die Verletzungsprobleme in Hoffenheim nicht aufgefangen werden konnten, stellte er den Kader bei RB schon vor der Saison breiter auf. Er umfasste genau fünf Spieler mehr als 2008 bei der TSG – fünf Spieler, die dort in der Rückserie regelmäßig ausgefallen waren. Dazu installierte Rangnick in Leipzig einen Stab um sich mit vertrauten Leuten, die seine strukturellen und praktischen Ansichten teilen. Keinen Einfluss auf die Ausrichtung haben dagegen wie in Hoffenheim die gewöhnlichen Mitglieder des Vereins – aber haben sie das bei Konkurrenten wie Bayern, Dortmund oder dem VfB Stuttgart?

Rangnick verpflichtet keinen über 23

Für Rangnick ist die Antwort klar. Demnach stellt RB fußballtechnisch das verfeinerte und nachjustierte Abziehbild von Hoffenheim dar, wo man punktuell allerdings auch leichte Abstriche an den Prinzipien von Rangnick gemacht hat – zwar nicht was die Spielphilosophie betrifft, aber beispielsweise in Transferangelegenheiten. Während Rangnick keine Spieler verpflichten will, die älter als 23 Jahre sind, holte Hoffenheim im Sommer unter anderem Lukas Rupp (26) oder Sandro Wagner (29). Leipzig setzte dagegen lieber auf Timo Werner (20) oder Naby Keita (21).

So sind dann auch weiter einige Voraussetzungen anders. Drehte sich im kleinen und eher schüchternen Hoffenheim intern immer vieles um Fragen wie: Bekommen wir unser neues Stadion auch nach einem eventuellen Abstieg in der zweiten Liga voll? – oder: Ist unser Höhenflug wirklich stabil?, existierten solche Zweifel in Leipzig nie. Da ist alles ein paar Nummern größer und selbstbewusster: die Stadt, die Fanbasis und auch die Tradition, obwohl RB erst im Mai 2009 gegründet wurde.

Aufgrund dieser kurzen Historie gibt es keine langjährig tätigen ehrenamtlichen Vereinsfunktionäre, die wie in der Hoffenheimer Ära meinen, in der sportlichen Abteilung mitreden und auf ihren Anteil am Erfolg hinweisen zu müssen. Aber der Fußball an sich ist in Leipzig verwurzelt. Zu DDR-Zeiten war das eine Hochburg, und schließlich bildete sich da im Januar 1900 auch ein Verband namens DFB.

Dennoch ist ein Duell zwischen RB Leipzig und 1899 Hoffenheim für die gerne von vergangenen Lorbeeren zehrenden Romantiker unter den Anhängern anderer Clubs der Albtraum schlechthin. Aber es spielt ja Rangnick gegen Rangnick.

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