Razzia gegen die Mafia: Am frühen Dienstag-Morgen sind europaweit mehr als 170 Verdächtige festgenommen worden. Foto: Carabinieri

Bei Razzien in Deutschland und Italien sind 170 Verdächtige der ’Ndrangheta verhaftet worden – auch Gastronomen aus Baden-Württemberg. Die Mafia in Deutschland muss sich warm anziehen, meint unser Redakteur Rüdiger Bäßler.

Stuttgart - Über Jahre hat sich die italienische Mafia, unter Ausnutzung unterschiedlicher Ländergesetzgebungen, über das ganze westliche Europa verbreiten können. Mit der sorgsam vorbereiteten Großrazzia vom Dienstag hat dieses Europa erstmals eine Antwort gegeben, die solcher organisierten Kriminalität gerecht wird. Vergessen wir endlich die filmisch geprägten, halbromantischen Vorstellungen vom Zigarre schmauchenden Patron, der zwar von Brutalität, aber auch dem Erhalt der Familienehre beseelt ist. Die Bandenmitglieder der Neuzeit verschicken Drogen und Waffen via Internet und lassen sich mit Bitcoins bezahlen. Die Profite stecken sie in Immobilienprojekte, Hotels oder Dienstleistungsunternehmen, bevorzugt auch im wirtschaftlich florierenden Deutschland – ein schädigendes Geflecht, das, wenn es erst einmal gewoben wurde, nur noch schwer zu enttarnen ist.

Strafermittler haben mehr Handhabe und können das Vermögen einfrieren

Nun sind deutsche Behörden auf dem Weg, ihre Wehrlosigkeit abzulegen, indem formalrechtliche Hürden abgebaut wurden. Straf- und Finanzermittler besitzen mehr Handhabe, zum Beispiel, indem sie das Vermögen von Mafiaverdächtigen im Vorgriff eines Gerichtsurteils einfrieren können. Und Den Haag hilft, Verständnisschwierigkeiten mit italienischen Rechtsvertretern zu vermeiden. Gute Nachrichten, für die es höchste Zeit gewesen ist.

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