Die Polizei hat am Freitag ein ganzes Waffenarsenal präsentiert, das bei den Razzien gegen Gangmitglieder gefunden worden ist Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Erneut ist die rockerähnliche Gruppe United Tribuns ins Visier der Polizei gerückt. Bei Razzias in Stuttgart und der Region wurden zahlreiche Waffen, Medikamente und Drogen gefunden.

Stuttgart - Erpressung, Drogenhandel, unerlaubter Waffenbesitz – die Liste der Vorwürfe ist lang. Nach Razzien am Donnerstag müssen sich insgesamt acht Mitglieder der rockerähnlichen Straßenbande United Tribuns für eine ganze Reihe an Delikten verantworten. Ein führender Kopf der Gruppe sitzt in Untersuchungshaft.

In Stuttgart nahmen die Ermittlungen durch einen Erpressungsversuch ihren Anfang. Einem Gastwirt wurde wohl deutlich mitgeteilt, dass er künftig Türsteher aus der Gruppe zu beschäftigen und dafür einen ordentlichen Batzen Geld zu bezahlen habe. Die Polizei stieß im Zuge der Nachforschungen auf vier Männer im Alter zwischen 25 und 33 Jahren. Bei der Durchsuchung von deren Wohnungen und Autos kam einiges zu Tage: über ein Dutzend Messer, Schlagstöcke, Pfeffersprays, Medikamente, fünf Schreckschusswaffen sowie eine scharfe Schusswaffe jeweils mit Munition. Die vier Verdächtigen müssen mit Anzeigen wegen Verabredung zur räuberischen Erpressung und Verstößen gegen das Waffen- und Arzneimittelgesetz rechnen.

Zeitgleich ging die Esslinger Kriminalpolizei gegen vier weitere Verdächtige vor. Die Männer im Alter von 26 bis 34 Jahren sollen seit Anfang des Jahres einen schwunghaften Handel mit Drogen und Steroiden betrieben haben. In den Wohnungen der Beschuldigten und weiterer Tatverdächtiger in den Räumen Esslingen, Reutlingen, Waiblingen und Neu-Ulm wurden die Fahnder ebenfalls fündig. Sie stellten Anabolika, Schreckschusswaffen, Messer, Dealer-Zubehör, einige Gramm Marihuana und mehrere Cannabis-Pflanzen sicher. Beim Hauptverdächtigen, einem 26 Jahre alten Fellbacher, fand die Polizei 60 Gramm Kokain, gut tausend Euro Bargeld, einen als Taschenlampe getarnten Elektroschocker, diverse Teleskopschlagstöcke, eine Schreckschusspistole und eine Schutzweste. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen.

Menschenhandel und Prügeleien mit verfeindeten Gruppen

Die United Tribuns sind zuletzt häufig im Zusammenhang mit Straftaten aufgetaucht. Erst vor wenigen Wochen sind drei Männer festgenommen worden, denen schwerer Menschenhandel vorgeworfen wird. Sie sollen junge Frauen zur Prostitution gezwungen haben. Ende September hat das Ludwigsburger Amtsgericht drei Mitglieder der Straßenbande zu Haftstrafen verurteilt. Sie waren im März an einer wüsten Prügelei in Ludwigsburg beteiligt. Dort hatte die Polizei nur mit Mühe mehrere Hundert Beteiligte verschiedener verfeindeter Gruppen auseinander halten können, die zur Machtdemonstration aufmarschiert waren.

„Die United Tribuns sind mit mehreren Gruppen in der Region Stuttgart vertreten“, weiß Andreas Taube von der Stuttgarter Kriminalpolizei. Diese gründeten sich in wechselnder Besetzung immer wieder neu, so der Leiter der Inspektion für organisierte Kriminalität. Das macht die einzelnen Mitglieder schwerer zu fassen.

Polizei kann sich ein Verbot der Gruppe vorstellen

Angesichts der Vorfälle plädieren nicht wenige Experten dafür, über ein Verbot der Gruppe nachzudenken. Gegen die Konkurrenzgang Red Legion ist ein solcher Schritt vor zwei Jahren erfolgt. „Aus polizeilicher Sicht wäre es zu begrüßen, wenn solche Gruppen verboten würden“, sagt Taube. Allerdings brauche man eine rechtliche Grundlage dafür. Angesichts des Waffenarsenals, das jetzt gefunden worden ist, könne man darüber diskutieren.

Ein Sprecher des zuständigen Landes-Innenministeriums wollte sich auf Anfrage nicht zu entsprechenden Überlegungen äußern. So bleibt den Fahndern einstweilen nur, die Szene immer wieder durch Razzien und gezielte Zugriffe in Schach zu halten. Das scheint derzeit angesichts der zahlreichen Ermittlungen, Prozesse und Verurteilungen gut zu gelingen.

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