Im Zuge der Razzien gegen die Mafia kam es auch zu Festnahmen in Fellbach (Symbolbild). Foto: Carabinieri

Während der Mafia-Razzien in Italien und Deutschland sind drei Männer aus dem Rems-Murr-Kreis von den Fahndern festgenommen worden.

Fellbach/Winnenden - Die groß angelegte Razzia in Deutschland und Italien am Dienstag gegen die Mafiavereinigung `Ndrangheta richtete sich auch gegen den früheren Wirt einer Vereinsgaststätte und Präsidenten eines ausländischen Vereins in Fellbach. Der Mann wurde auf dem Weg von Italien nach Deutschland gefasst, das Lokal durchsucht. Allzu viel Auswertbares hätten die Polizisten anscheinend nicht gefunden, meint sein Vermieter. Der ehemalige Pächter habe schon aufgeräumt. Kürzlich hätten noch zahlreiche Aktenordner herumgestanden, erzählt der Vereinsvorsitzende. Die Räume des Fellbacher Clubs seien, so die Ermittler, außerdem als Treffpunkt für geheime Gespräche genutzt worden – und „als Lagerraum für Falschgeld“.

Verschiedene Kennzeichen im Müll gefunden

Im Nachhinein sei ihm so manches am Verhalten des früheren Pächters merkwürdig vorgekommen, sagt der Vereinschef. Er habe unter anderem seine Miete nicht regelmäßig bezahlt, obwohl er immer genügend Bargeld gehabt habe. „Und er ist sehr häufig nach Italien gefahren, angeblich, um Fisch zu kaufen. Und immer war er mit anderen Autos unterwegs.“ Im Müll wurden mehrere Kennzeichen entdeckt.

Dem Fellbacher wird vorgeworfen, Mitglied der Mafia zu sein. Aus den Ermittlungsakten geht hervor, dass er mit anderen zusammen der Botschafter eines ’Ndrangheta-Clans gewesen sein soll. Eine in Italien lebende deutsche Journalistin recherchiert seit Jahren über die kriminelle Vereinigung. Ihr liegt nicht nur die in Italien veröffentlichte Liste der Verhafteten vor, sondern auch der Haftbefehl und die Anklageschrift. Daraus lässt sich erkennen, dass der 47-Jährige aus Fellbach nicht für einen kleinen Fisch gehalten wird. Sein Name taucht im europäischen Haftbefehl jedenfalls häufig auf.

Fischmarkt im Raum Stuttgart monopolisiert

Gemeinsam mit zwei weiteren Mafia-Mitgliedern soll er im Auftrag des kalabrischen Clans Farao-Marincola Teile des Fischmarkts im Raum Stuttgart kontrolliert haben. Einer der beiden mutmaßlichen Komplizen ist Mario L., der in den 90er-Jahren schon einmal unter Mafia-Verdacht geraten war. Pikant seinerzeit: Der damalige CDU-Fraktionssprecher im Landtag, Günther Oettinger, war Stammgast in dessen Lokal in Weilimdorf.

Die Polizei nahm jetzt noch einen ­40-Jährigen in Waiblingen fest, der 61-jährige Mario L. hingegen, der in Winnenden wohnen soll, wurde in Italien gefasst. Er betreibt in Winnenden beim Rems-Murr-Klinikum ein Restaurant und führte bis vor wenigen Jahren auch in Waiblingen-Neustadt eine Pizzeria. Vom 1. März an hätte er außerdem das Restaurant Wiesental in Schwaikheim als Pächter übernehmen sollen, das als Vereinsheim des örtlichen Sportvereins dient. Nach der Festnahme ist das mehr als fraglich: „Mein E-Mail-Postfach platzt aus allen Nähten“, sagt der TSV-Vorsitzende Wolfgang Krämer. Die Nachricht, dass der neue Pächter wegen erneuter Mafia-Vorwürfe hinter Schloss und Riegel sitze, müsse er „erst mal sacken lassen“.

Als Pächter für Vereinsheim ausgewählt worden

Der Verein hatte Mario L. mehreren anderen Bewerbern vorgezogen – obwohl er sich über ihn erkundigt habe, sagt Krämer. „Wir wussten schon, dass da in den 1990er-Jahren Dinge vorgefallen waren. Aber er und seine Frau haben auf uns einen äußerst positiven Eindruck gemacht.“ Sein bisheriger Stand sei gewesen, so Krämer, dass Mario L. noch knapp zwei Wochen im Urlaub in Italien habe weilen wollen. Derzeit sieht es so aus, als ob sich der TSV Schwaikheim für seine Gaststätte einen anderen Pächter suchen müsste.