Insgesamt 400 Polizisten haben 17 Wohnungen und ein Waldstück durchsucht. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Die Polizei hat am Donnerstag Wohnungen in Bayern und Baden-Württemberg durchsucht. Waffen, Munition und Wehrmachtsuniformen wurden beschlagnahmt – im Landkreis Sigmaringen gab es kontrollierte Sprengungen.

Backnang - Eine Hausdurchsuchung in Backnang (Rems-Murr-Kreis) am Donnerstagmorgen, an der auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) beteiligt war, gehörte zu einem groß angelegten Einsatz im Süden Deutschlands. Die Polizei in Ulm leitete die Aktion, rund 400 Polizisten hätten in München, den Landkreisen Augsburg, Biberach, Esslingen, Günzburg, Kempten, Sigmaringen, Tübingen und Ostallgäu sowie dem Ostalb- und eben im Rems-Murr-Kreis 17 Wohnungen und ein Waldstück durchsucht.

Waffen, Uniformen und Nazi-Devotionalien mit Lastern weggebracht

Der Hintergrund ist ein möglicher Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Der Polizei war aus dem Landkreis Biberach gemeldet worden, in einem Gebäude hätten sich Bewaffnete in Wehrmachtsuniformen getroffen. Die Ermittlungen führten zu 19 Männern und Frauen zwischen 27 und 77 Jahren. Sie sollen, mit Wehrmachtsuniformen und Waffen ausgestattet, in einem Waldstück zusammengekommen sein und Kriegsszenarien nachgestellt haben. Nicht nur, dass auf der Kleidung verfassungsfeindliche Symbole angebracht waren: Laut Polizei hatten die Beteiligten weder für die Treffen und noch für das Führen der Waffen eine Genehmigung, einige der Waffen fallen unter das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Bei den Durchsuchungen beschlagnahmten die Ermittler Computer, eine Vielzahl an Waffen, Munition, Uniformteile, Fahrzeuge und verfassungsfeindliche Symbole. Die Einsatzkräfte fanden sogar Granaten, für deren Begutachtung Sprengstoffexperten angefordert wurden. Im Landkreis Sigmaringen wurden zwei Zündkapseln kontrolliert gesprengt. Bei einem der Beschuldigten stellten die Ermittler zudem Drogen sicher. In den Landkreisen Esslingen, Sigmaringen und dem Rems-Murr-Kreis beschlagnahmten die Ermittler eine solche Anzahl an Waffen, dass zum Abtransport Lastwagen benötigt wurden.

Jetzt untersuchen Experten die sichergestellten Gegenstände

Ob es sich um echte Waffen oder um täuschend echte Nachbildungen – sogenannte Anscheinswaffen – handelt, sollen nun Sachverständige klären. Auch Anscheinswaffen unterliegen Einschränkungen, zum Beispiel dürfen diese nicht ohne Weiteres in der Öffentlichkeit geführt werden.

Laut einer Sprecherin waren zumindest die gesprengten Zündkapsel funktionsfähig, auch einige der Granaten seien scharf gewesen sein. Was die Schusswaffen angehe, müssten diese erst untersucht werden: „Wir müssen feststellen, ob damit scharfe Patronen verschossen werden könnten. Das wird bei dieser Vielzahl an sichergestellten Waffen eine Weile dauern“, so die Sprecherin.

Die Tatverdächtigen kamen vorerst wieder auf freien Fuß. Laut der Polizei Ulm dauern die Ermittlungen und die Durchsuchungen weiter an. Über das Ergebnis werde „zu gegebener Zeit nachberichtet“.

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