Ray Lunch lebt seit 52 Jahren in Stuttgart und hat eine Tanzschule in Stuttgart-Vaihingen. Foto: z/Sven Hutter

Der 73-jährige Ray Lynch liebt es, Menschen für den Tanz zu begeistern. Auch er selbst bleibt am liebsten in Bewegung. Im Interview erklärt er, warum der Ruhestand noch warten muss.

Vaihingen - Ray Lynch (73) steht im Guinness Buch der Rekorde, weil er in Stuttgart 6951 Menschen gemeinsam zum Steppen gebracht hat. Es gibt eine Filmdokumentation über sein Leben. Seit er 1975 seine erste Tanzschule in Stuttgart eröffnete, ist er unermüdlich im Einsatz. Im Vorfeld des Tags der offenen Tür in „Ray’s World of Dance“ trafen wir den gebürtigen New Yorker in seiner Wirkungsstätte an der Vaihinger Hauptstraße.

Herr Lynch, Sie leben seit 52 Jahren in Stuttgart. Was ist das Besondere an dieser Stadt?
Man hat jeden Abend die Wahl zwischen zehn interessanten Veranstaltungen. Das ist nicht nur am Wochenende so, sondern durchgehend. Auch die Stars kommen her. Ich habe hier Tina Turner gesehen, James Brown und Quincy Jones. Erst neulich musste ich auf einen Besuch bei The Manhattan Transfer verzichten, weil am gleichen Abend ein ehemaliger Schüler auftrat. Es war mir dann doch wichtiger, dort vorbei zu schauen.
Was war der erste Schritt zum Tanzen?
Mein Onkel hatte eine Stepptanzschule. Es war also ganz natürlich, mit dem Tanzen anzufangen. Gleichzeitig habe ich auch früh angefangen, in einem Gospelchor zu singen. Ein prägendes Ereignis war eine Audition für ein Wettbewerbsformat, das ungefähr mit „The Voice Kids“ vergleichbar ist. Ich hatte erst ein paar Takte gesungen, da hieß es: „Du kannst gehen. Das wird sowieso nichts.“ Diese Aussage bewirkte nur eines: Ich nahm mir vor, es allen zu zeigen.
Sie waren dann eine Zeit lang tatsächlich vor allem Sänger …
Mit 21 Jahren kam ich zur US Army und wurde nach Deutschland geschickt. Das war 1965. Ich war in Vaihingen stationiert. Nach dem Militärdienst bin ich geblieben. Ich war Sänger bei den Bamboos of Jamaica. Wir waren mehrere Jahre lang viel unterwegs, aber Stuttgart blieb die Anlaufstelle. Als ich mich entschloss, eine eigene Tanzschule zu eröffnen, war klar, dass es hier sein würde. Mein Vater hat immer wieder gefragt, wann ich wieder in die USA zurückkommen würde. Ich sagte dann jedes Mal, ich sei noch am Überlegen, weil ich ihm nicht so deutlich sagen mochte, dass es gar keine entsprechenden Pläne gab.
Wie gehen Sie mit dem großen Angebot an Tanzschulen in der Stadt um?
Ich habe andere Tanzschulen nie als Konkurrenz gesehen. Jeder hat seine eigenen Schwerpunkte, jeder Lehrer ist anders und so bedeuten viele Tanzschulen vor allem eine große Vielfalt. Bis alle 600 000 Stuttgarter tanzen, gibt es für uns alle genug zu tun.
Wird es nicht zunehmend anstrengender, seinen Teil dazu beizutragen?
Ich werde 74 und könnte heute nicht mehr so viel unterrichten, wie mit 40 oder 50 Jahren, also trete ich ein wenig kürzer. Aber ich habe noch zu viel vor, um in den Ruhestand gehen zu können. Ich arbeite neben der Tanzschule mit Kindern und Jugendlichen aus der städtischen Erziehungshilfe. Alle zwei Jahre stellen wir ein Musical auf die Beine. Dann habe ich noch meine Stepptänzer an der Merz-Schule. Das sind 23 Kinder. Ich genieße den Austausch. Ich lerne von ihnen und ich kann ihnen etwas beibringen. That’s my Joy.
Gibt es andere Dinge, die Ihnen besonders viel Freude bereiten?
Basketball und American Football! Leider laufen die Übertragungen meist in den frühen Morgenstunden im Fernsehen. Ich gehe manchmal ins Bett, stelle mir den Wecker, sehe mir ein Spiel an und lege mich danach wieder hin. Tagsüber meditiere ich zwischendurch. Das hilft mir auch, Schlafdefizite auszugleichen.
Am 21. Mai feiern sie 42 Jahre Tanz in Stuttgart. Eine ungewöhnliche Zahl ...
Warum sollte man nur zu runden Jubiläen feiern? Wir sollten das häufiger tun! Ich wollte schon lange einen Tag der offenen Tür machen. Jetzt ist es eben nach 42 Jahren in Stuttgart soweit und ich bin gespannt, wer kommen wird. Nicht nur zum Tanzen. Ich freue mich auch, wenn Nachbarn vorbeischauen. Vaihingen wird im Moment komplett umgebaut. Ich kann also nicht sagen, wie es auf Dauer weitergehen wird, aber solange es dieses Gebäude gibt, bleibe ich hier.
Tag der offenen Tür: Ray’s World of Dance, Hauptstraße 19, öffnet am Sonntag, 21. Mai, von 13 bis 16 Uhr die Türen für Interessierte.
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