Noch innerhalb der kommenden fünf Jahre wollen die USA nach Angaben von Vizepräsident Pence wieder Astronauten zum Mond schicken. Dieses Nasa-Foto zeigt Astronaut James Irwin am 30. Juli 1971 in der Nähe der Mondlandefähre Apollo 15. Foto: NASA/AP

Die US-Regierung will zurück zum Mond – und zwar viel schneller als von der Nasa geplant. Vizepräsident Mike Pence setzt die Raumfahrtbehörde damit gehörig unter Druck. Auch wegen der Konkurrenz aus China.

Cape Carnaveral - Die US-Regierung setzt die Raumfahrtsbehörde Nasa bei geplanten bemannten Mond-Missionen unter Druck. Binnen fünf Jahren sollen wieder amerikanische Astronauten auf dem Erdtrabanten landen – darunter auch eine Frau.

„Die erste Frau und der nächste Mann auf dem Mond werden beide amerikanische Astronauten sein, die mit amerikanischen Raketen von amerikanischem Boden abgehoben sind“, sagte Vizepräsident Mike Pence bei einem Auftritt in Huntsville (US-Bundesstaat Alabama). Auf dem Mond solle dann ein Außenposten aufgebaut werden, als Basis für eine geplante Mars-Mission.

Nasa plant Mondlandung erst für 2028

Die Nasa müsse dieses Ziel „mit allen notwendigen Mitteln“ erreichen, forderte Pence. Bei Bedarf könnten Raketen und Landefahrzeuge der Raumfahrtbehörde durch Geräte privater Unternehmen ersetzt werden. Die Nasa peilt eine Mondlandung frühestens für 2028 an.

Anfang März war erstmals wieder ein US-Astronautenfähre an der ISS angedockt, allerdings unbemannt: Die „Crew Dragon“ wird von dem privaten amerikanischen Unternehmen SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk entwickelt. Bei dem Testflug ging es nach Nasa-Angaben darum, sicherzustellen, dass das Raumschiff und seine Systeme wie geplant funktionieren, ehe eine Besatzung an Bord geht. Nach etwa einer Woche im All war die Raumkapsel zur Erde zurückgekehrt.

Entwicklung der neuen Trägerrakete verzögert sich

„Es ist die richtige Zeit für diese Herausforderung, und ich habe dem Vizepräsidenten versichert, dass wir – die Leute bei der Nasa – bereit sind für die Herausforderung“, reagierte Nasa-Chef Jim Bridenstine auf die Vorstellung der Pläne.

Mit Blick auf Verzögerungen bei der Entwicklung der neuen Trägerrakete SLS (Space Launch System) warf Pence der Nasa mangelndes Engagement und bürokratische Trägheit vor. Die Rakete hätte ursprünglich bereits 2017 einen unbemannten Testflug absolvieren sollen, nach Problemen bei der Entwicklung wurde der Termin mehrfach verschoben.

Südpol des Mondes als möglicher Landeplatz

In seiner Funktion als Chef des Nationalen Weltraumrats wies Pence die Nasa an, den Südpol des Mondes als Landeort anzupeilen. Dort befinden sich große Mengen an Eis, die für den Wasserbedarf und die Herstellung von Raketentreibstoff genutzt werden könnten.

Pence verglich die Situation mit der in den 1960er Jahren, als die USA und Russland um die Vormachtstellung im All konkurrierten. Es gebe derzeit einen vergleichbaren Wettlauf im All. „Nur dass die Einsätze heute noch höher sind“. Pence nannte China, das zuletzt mit der ersten Landung einer Sonde auf der Mondrückseite für Aufsehen sorgte.

Erst der Mond, dann der Mars

2011 hatten die USA ihr Space-Shuttle-Programm eingestellt, mit dem jahrzehntelang US-Astronauten ins All geflogen waren. Seitdem mussten die Amerikaner ihre Raumfahrer mit russischen Sojus-Raketen zur Internationalen Raumstation fliegen lassen.

US-Präsident Donald Trump hatte den Fokus der US-Raumfahrt vom Mars zunächst wieder auf den Mond verschoben. Dort waren zuletzt im Jahr 1972 US-Astronauten der „Apollo 17“-Mission gelandet.

Mega-Rakete soll Astronauten zum Mond bringen

Seit einigen Jahren arbeitet die Nasa an einer neuen Trägerrakete. Der erste unbemannte Start dieses „Space Launch System“ (SLS, englisch für Weltraum-Startsystem) ist für 2020 und der erste bemannte Flug für 2022 geplant. Die SLS soll das Orion-Raumschiff transportieren. Es ist für Reisen außerhalb der Erdumlaufbahn ausgelegt.

Experten sind skeptisch

Externe Experten sind skeptisch, ob schon bis 2024 eine Mond-Mission auf die Beine gestellt werden kann. Schließlich müsse erst noch ein Mond-Landefahrzeug konzipiert, gebaut und getestet werden, sagte Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts).

Im Sommer steht der 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung an. Die Nasa brauchte bis zum Start der legendären Mission im Juli 1969 acht Jahre für sämtliche Vorbereitungen. Die letzte Apollo-Mission zum Mond erfolgte im Jahr 1972. Seitdem hat kein Land einen ernsthaften Versuch unternommen, Astronauten wieder auf dessen Oberfläche zu schicken.

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